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Gazette: Neue Musik in NRW von Petra Hedler - Ausgabe Februar 2003 |
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Düsseldorf, 29.01.2003, 09:37, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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| Gewesen: Misato Mochizuki beim WDR in Köln - Kurtág in Düsseldorf - Liederabend in Essen
Angekündigt: Theater der Klänge in Düsseldorf - Wiedereröffnung TAM in Krefeld - Biennale "Ohren auf Europa" in Düsseldorf - Karin Haussmann beim WDR in Köln - drei Jahre "Klingende Stille" mit Markus Stockhausen - Neues Musiktheater in Hagen, Mönchengladbach und Bonn Den Auftakt der WDR-Reihe "Forum junger Komponisten" machte am 19.1. ein Porträtkonzert mit Musik von Misato Mochizuki. Sie wurde 1969 in Tokyo geboren, durchlief zunächst die heimischen Studienmöglichkeiten und wandte sich dann 1992 nach Frankreich. In Paris studierte sie bei Paul Mefano und Emmanuel Nunes sowie am IRCAM. Drei Werke von ihr waren in Köln zu hören, darunter ein Kompositionsauftrag des WDR als Uraufführung. Die Klangsprache der Avantgarde insbesondere die ausgefeilte, durch differenzierte Spielweisen geprägte französische Klangdelikatesse hat sie verinnerlicht. Sie setzt sie jedoch sehr unbekümmert ein und bedient sich auch aus anderen Bereichen. So zum Beispiel wenn sie ihrem Stück Chimera einen durchgehenden Puls zugrunde legt, aus dem sich komponiertes Chaos erhebt, in sich zusammenfällt oder in Einzelaktionen auseinanderstiebt und so oftmals an frei improvisierte Musik erinnert. Auch außermusikalische Anregungen entstammen den verschiedensten Quellen. Intermezzi 1 für Flöte und Klavier knüpft an Roland Barthes Gedanken über fragmentarischen Diskurs an. Zwischen die Klangbruchstücke eingestreut flüstern die Interpreten Barthes-Zitate. In ihrem neuesten Werk wise water (UA) wendet sich Mochizuki Gedanken ihres Heimatlandes zu. Konkret bezieht sie sich auf den japanischen Wissenschaftler Masaru Emoto, der sich mit der Fähigkeit des Wassers beschäftigt, Schwingungen und Einflüsse der Umgebung zu speichern (auch solche nicht materieller Art wie Gedanken und Gefühle!). Bei der Umsetzung dieser geradezu naturmystischen Vorstellungen scheut die Komponistin nicht vor dem Einsatz konkreter Wasserinstrumente zurück: Es plätschert, blubbert und tropft, ohne sich jedoch auf banale Klangimitationen zu beschränken. Diese Unbekümmertheit und Offenheit, das Undogmatische ihrer Herangehensweise fand ich interessant, trotzdem hat mich das Ergebnis nicht restlos überzeugt. Das Programm wurde ergänzt durch das Stück Einspielung II ihres Lehrers Emmanuel Nunes sowie Ethers von Tristan Murail. Murail, einer der sogenannten französischen Spektralisten und Mitbegründer der Groupe L’Itinéraire, hat Mochizuki durch seinen Ansatz der Klangerforschung nachhaltig geprägt. www.wdr.de/radio/neue_musik/konzert_neu.html#kopf Auf alle Fälle erwähnen möchte ich zwei Konzerte, in denen die weibliche Stimme im Vordergrund stand. Am 21.1. waren in der Düsseldorfer Tonhalle die Kafka-Fragmente für Sopran und Violine op. 24 von György Kurtág zu hören. In dem etwa einstündigen Werk aus dem Jahre 1987 vertont Kurtág Texte aus Briefen und Tagebuchfragmenten von Franz Kafka. Es entstanden wunderschöne Miniaturen, mal melancholisch, mal heiter aber stets subtil und präzise, ton- und textgenau komponiert. Die ausdrucksstarke Sopranistin Maria Husmann und der Geiger András Keller, bereits bei der Uraufführung dabei, sorgten für einen Abend, bei dem die Ohren aufgingen! www.tonhalle-duesseldorf.de Am 24.1. fand im Museum Folkwang Essen das Abschlusskonzert der Reihe conversations: Neue Musik und Sprache (veranstaltet von der Gesellschaft für Neue Musik Ruhr) statt. Im Zentrum standen fünft Textvertonungen von Komponistinnen, von denen mich vor allem zwei begeistert haben. Von der laut Programmheft europäischen Komponistin japanischer Herkunft Mayako Kubo war Dokoedemo, eine Vorstudie zu ihrer Oper Rashomon, zu hören. Die Musik vibriert vor Spannung, Passagen mit totalem Stimmeinsatz kontrastieren mit verhaltenen Momenten, in denen die untergründige Energie jedoch nicht weniger spürbar ist. Stimme und Violine verschmelzen, während der Text von Vergewaltigung und Mord handelt. Die junge Sängerin Marion Terbuyken tat ein übriges, um den Saal regelrecht unter Strom zu halten. Ebenfalls bemerkenswert fand ich das Stück TODO der Spanierin Sara Perez-Minguez. Zum Auftakt Rumoren im Klavier, dann ein unheimlicher Klangteppich, fast tonlos, gehaucht, gelispelt, gezischt, in den vereinzelte Klänge tröpfeln, ebenfalls von einer durchgehenden Spannung zusammengehalten. Die weiteren Beiträge von Kaija Saariaho, Yonnghi Pagh-Paan und Frangis Ali-Sade waren nicht schlecht, aber konventioneller (Interpretin Katarina Järvinen, Ensemble Ecoute). www.gnmr.de Hier die Tipps für den Februar: Wer sich beeilt, kann noch bis zum 2.2. in Düsseldorf die neueste Produktion des Theaters der Klänge erleben. Die Uraufführung fand im letzten Jahr im Rahmen des Festivals November Music statt (s. Dezember-Gazette). Die experimentierfreudige Truppe benutzt einen interaktiven Ansatz, bei dem mit Hilfe ausgeklügelter Technik und Software Bewegungen, Bilder und Klänge miteinander interagieren und sich gegenseitig bestimmen. Ein noch ausbaufähiges, aber interessantes Konzept.. Infos: www.theater-der-klaenge.de; Karten: www.forum-freies-theater.de Am 14.2. ist es endlich soweit. Das schmerzlich vermisste TAM, Theater am Marienplatz in Krefeld-Fischeln , feiert seine Wiedereröffnung!! Zur Erinnerung: Vor mehr als einem Jahr wegen sogenannter Sicherheitsmängel geschlossen wurde es in letzter Sekunde vor der endgültigen Schließung bewahrt und dann einer gründlichen Renovierung unterzogen. Dem Leiter Pit Therre zufolge ist das alte TAM aber noch erkennbar. Ich will es hoffen und werde mich im Februar davon überzeugen. Tel. 02151 / 305273 (s. Gazetten vom Oktober 2001 und Januar 2002) In der Tonhalle in Düsseldorf findet am 6., 14. und 19. Februar unter dem neuen Namen "Ohren auf Europa" eine kleine Biennale für neue Musik statt. Die Musikauswahl trifft jeweils ein renommierter Komponist. In diesem Jahr ist es Friedrich Cerha, der Musik von Hartmann über Grisey und Furrer bis Neuwirth aussuchte. www.tonhalle-duesseldorf.de Der WDR widmet sein nächstes Porträtkonzert am 23.2. Karin Haussmann. www.wdr.de/radio/neue_musik/konzert_neu.html#kopf Die von Markus Stockhausen initiierte Reihe Klingende Stille feiert am 26. Februar ihr dreijähriges Bestehen. Regelmäßig bringt er in der Kölner St. Maternuskirche allein oder mit Partnern sogenannte intuitive Musik zum Erklingen. www.aktivraum.de Das Kultursekretariat NRW unterstützt mit seinem Fonds Neues Musiktheater aktuelle Produktionen. Im Februar gehen gleich drei davon an den Start: - im Theater Hagen am 8. 2. A View from the Bridge, eine Oper des Amerikaners William Bolcom nach Arthur Miller als europäische Erstaufführung http://www.theater.hagen.de/spielplan/vorstellungen/a_view_from_the_bridge.html , - im Theater Mönchengladbach am 9.2. Wolfgang Rihms Musiktheater Oedipus, die erste szenische Realisierung nach der Uraufführung 1987 in Berlin, http://www.theater-krefeld-moenchengladbach.de/Spielzeit_2002_2003/Musiktheater0203/Oedipus/oedipus.html und - schließlich am 13.2. in Bonn Battling Siki - Boxe et Opéra, eine sogenannte Boxoper über den schwarzen Boxer Louis Baye Siki Phail von Thierry Arredondo und Kaspar T. Toeplitz, Konzept und Libretto Jean Michel Bruyère http://www.oper.bonn.de/premieren/opr.html#battling . Das Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik finden Sie hier, aktuelle Musiktermine in unserem Kalender. |
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