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Gazette: Neue Musik in NRW von Petra Hedler - Ausgabe April 2003 |
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| (möchten Sie diese Gazette monatlich neu per e-mail erhalten?
Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 31.03.2003, 14:22, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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Gewesen: Porträtkonzerte mit Mark André, Jacob ter Veldhuis und Juliane Klein Angekündigt: Konzertporträts Harald Muenz in Köln - selten gehört in Moyland - ensemble modern in Dortmund [ Porträtkonzerte mit Mark André ] Als Abschluss der Reihe Forum junger Komponisten fand am 7.3. beim WDR in Köln ein Porträtkonzert mit Mark André statt. André stammt aus Paris und hat dort auch studiert. Dann zog es ihn aber nach Deutschland, unter anderem zu Helmut Lachenmann. Die französische Manier war ihm zu verspielt und dekorativ, er suchte nach dem Wesentlichen. Wer jetzt aber eine strenge, reduzierte Musik erwartet, liegt falsch. Seine Musik ist voller Emotionen, vor allem solchen düsterer Natur. In ....Als ...., einem Kompositionsauftrag des WDR, nimmt er einen Passus aus der Apokalypse als Ausgangspunkt: "Und als das Lamm das siebente Siegel auftat, entstand eine Stille im Himmel etwa eine halbe Stunde lang." Diese Stille vor dem Chaos will André in Musik umsetzen, ein nicht gerade anspruchsloses Unterfangen! Zunächst ist dumpfes Rumoren im präparierten Klavier zu hören. Cello und Bassklarinette gesellen sich hinzu mit tiefen, düsteren, verhaltenen Klängen; ein 20-minütiges Tasten im Dunkeln, manchmal scheint es, als würde die Musik den Atem anhalten. In Le loin et le profond (das Ferne und das Tiefgründige) dient ein Sirenenton, der einer Computeranalyse unterzogen wird, als Ausgangsmaterial. Das daraus entstehende Material wird zunehmend fragmentiert und dekonstruiert, so dass die anfangs flüssigen, teils heftig-schrillen impulsiven Klänge immer mehr auseinanderfallen und erstarren. Dieser Prozess wird insgesamt sieben Mal durchlaufen und durch dieses Insistieren wird zusätzlich eine Atmosphäre der Lähmung und Stagnation erzeugt. Andrés Musik hat einen sehr eigenwilligen, durchaus interessanten Charakter, manchmal wirkt sie aber auch etwas schwerfällig und dick aufgetragen. Die Einbindung eines originalen Sirenentons hätte er sich schenken können. (www.wdr.de/radio/neue_musik/konzert_neu.html) [ Jacob ter Veldhuis ] Auch der Deutschlandfunk ließ sich nicht lumpen und widmete der neuen Musik vom 14. bis 16. 3. gleich ein ganzes Wochenende. Zur Einstimmung auf die Musik des Holländers Jacob ter Veldhuis bekam man im Programmheft erst einmal einen Rundumschlag gegen die "gestrengen Apologeten Neuer Musik" mit ihren "pseudodekadenten künstlerischen Mittel" und ihrer "ewig kolportierten Dissonanzwelt" vorgesetzt. Ich hatte den Eindruck, hier werden Gräben ausgehoben und zementiert, die so längst nicht mehr existieren, und ich frage mich, warum es nötig zu sein scheint, die Avantgarde-Götter ewig neu auszutreiben. Kann es sein, dass sie einfach soviel Substanz haben, dass sie den eifrigsten Exorzismen widerstehen, oder braucht die solchermaßen eingeführte Musik Feindbilder zum Anlehnen, da sie nicht genug eigenes Standing hat. Mich langweilt diese Polemik inzwischen. Kommen wir daher zum Eigentlichen, zu dem was zu hören war. Ter Veldhuis sampelt Klänge vorwiegend sprachlicher Herkunft (z. B. Interviews, Werbesendungen) und arrangiert daraus recht gekonnt Hörcollagen. Diese werden dann mit herkömmlichen Instrumenten konfrontiert, die auf die Textfragmente reagieren, zum Beispiel indem sie die Sprachmelodie aufnehmen. Das erinnert natürlich an Steve Reich, der unter anderem in seinem Klassiker Different Trains ganz ähnlich vorgeht. Die Samples kommen bei ter Veldhuis allerdings nicht einfach aus Lautsprechern sondern aus dem Ghettoblaster; das klingt subversiver. Während bei Reich die Musik die Sprachfetzen nur als Sprungbrett nutzt, um abzuheben und eine soghafte Eigendynamik zu entwickeln, bleibt sie bei Veldhuis allerdings oft dekoratives Beiwerk. Im günstigsten Fall entwickelt sich ein gewisser Maschinendrive, im ungünstigsten Fall klingt es kraft- und saftlos. In der Uraufführung The Body of your dreams zum Beispiel kommt die Klavierbegleitung für sich genommen stellenweise wie brave Barmusik daher. Am Ende von Pitch Black, das Ausschnitte aus einem Interview mit Chet Baker verarbeitet, erklingen ein paar Trompetentöne vom Band, während die Livemusiker (das Aurelia Saxofoon Kwartet) in ihrer Spielgestik erstarren. Es bleibt ihnen auch nichts anderes übrig, denn diese wenigen Chet-Baker-Töne haben mehr Leben in sich als alles, was vorher zu hören war, jenseits aller dissonant-konsonant Gräben. Als Einzelstücke haben diese Ghettoblasterwerke noch den Reiz eines amüsanten Farbtupfers, im Fünferpack erschöpft sich dieser aber schnell. www.xs4all.nl/~jtv1/ [ Juliane Klein ] Einen Tag später war am gleichen Ort Juliane Klein mit einem Auftragswerk des Deutschlandfunks zu hören. Dem zweiteiligen Werk für zwei Sänger und 17 Instrumentalisten liegt der bekannte Psalm 23 ("Der Herr ist mein Hirt.....") in einer Neuübersetzung des Schriftstellers Arnold Stadler zugrunde. Bemerkenswert ist die räumliche Anordnung der Interpreten: Sie sind entlang einer diagonalen Spiegelachse angeordnet mit dem Schlagzeug im Zentrum. Der entscheidende Clou besteht darin, dass nur ein Teil der Musiker unmittelbaren Blickkontakt zum Dirigenten hat. Die Übrigen müssen sich auf ihr Ohr oder auf Kontakte zu anderen Mitspielern verlassen. Dabei entstehende Unschärfen und Unbestimmtheiten sind durchaus gewollt. Sie entsprechen Juliane Kleins neuer Grundhaltung, die, wie sie selbst formuliert, bewusst zulässt "und dazu gehört manchmal viel Mut - dass etwas offen oder nur als Andeutung bleibt". Der Mut zur Offenheit erscheint möglich aufgrund eines gestärkten Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten, ein Vertrauen wie es sich auch in dem Psalmtext ausdrückt. Der Musik gelingt die Kunst, über mehr als 70 Minuten einen Spannungsbogen aufrechtzuerhalten, der keine Langeweile aufkommen lässt. Gleichzeitig beeindruckt die ausgefeilte Detailarbeit, die sich am Text entlang tastet und wunderschöne filigrane Momente erzeugt - Musik, die die Ohren aufgehen lässt! www.editionjulianeklein.de [ Tipps für den April: ] Am 3. und 4. 4. bietet sich in Köln die Gelegenheit das vielfältige Schaffen von Harald Muenz näher kennen zu lernen. ( Karl Rahner Akademie und Kunst-Station Sankt Peter: www.kath.de/akademie/rahner/2002/chrono/ Zu Muenz: www.mynetcologne.de/~nc-muenzha/ ) Im Museum Schloss Moyland wird die Konzertreihe selten gehört fortgesetzt. Am 11.4. ist der Jazzer Hans Lüdermann zu hören, der sich am Klavier mit afrikanischer Musik auseinandersetzt, wobei Polyrhythmik und perkussives Spiel eine wichtige Rolle spielen. www.moyland.de/pages/veranstaltungen/index.php?sub=seltenGehoert01 Am 27.3. gastiert das ensemble modern im Konzerthaus Dortmund mit Werken von Varèse, Pintscher und Boulez www.konzerthaus-dortmund.de/index2.htm / www.ensemble-modern.de/ Das Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik finden Sie hier, aktuelle Musiktermine in unserem Kalender. |
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