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Gazette: Neue Musik in NRW von Petra Hedler - Ausgabe Mai 2003 |
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| (möchten Sie diese Gazette monatlich neu per e-mail erhalten?
Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 25.04.2003, 11:45, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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Gewesen: Porträtkonzerte Harald Muenz in Köln Angekündigt: - Klangforum Wien bei der Ruhrtriennale und den Wittener Tagen für neue Kammermusik - Hölderlin-Projekt in Düsseldorf - Traum-Text-Spiel in Moyland - MusicParadise in Essen - Raumklänge in Pulheim-Stommeln [Porträtkonzerte Harald Muenz in Köln] Am 3. und 4. April veranstalteten die Karl Rahner Akademie und die Kunst-Station Sankt Peter Köln ein Komponistenporträt mit Harald Muenz. Muenz ist den Einrichtungen bereits seit längerem als Dozent für Neue Musik verbunden und bekam jetzt die Gelegenheit, sein eigenes Schaffen ausführlich vorstellen. Am ersten Abend waren den einzelnen Stücken Gespräche mit dem Moderator Rainer Nonnemann zwischengeschaltet, so dass sich ein informativer und unterhaltsamer Einblick in Muenz akustisches Universum ergab. Muenz, Jahrgang 1965, hat zunächst bei Krzysztof Meyer in Köln und anschließend bei Helmut Lachenmann studiert. Er ist in erster Linie ein Experimentator, der nicht von vorgefassten Klangvorstellungen ausgeht, die anschließend zu Papier gebracht werden, sondern gewissermaßen musikalische Versuchsanordnungen entwirft und sich von dem Ergebnis selbst überraschen lässt. Viel lieber als von Musik spricht er daher von der "konzeptuellen Suche nach akustischen Situationen". Damit appelliert er auch an den Zuhörer, sich den eingeschliffenen Ritualen und Erwartungshaltungen des Konzertbetriebs zu entziehen. Ein wichtiges Requisit ist der Computer, der jedoch nur als Hilfsmittel dient. Das letzte Wort hat der Mensch, als Komponist, Klangregisseur, Interpret oder Hörer und gerade die sich dabei ergebenden Schnittstellen sind für Muenz interessant. In deChiffrAGE und the SelfComposer zum Beispiel generiert der Computer zufallsgesteuert und in Echtzeit Texte bzw. Noten, die von den Interpreten live vorgetragen werden. Ein besonderes Betätigungsfeld ist die Auseinandersetzung mit Sprachen. Muenz hat seit 2001 einen Lehrauftrag für Aesthetische Phonetik am Phonetischen Institut der Universität zu Köln inne. Dabei interessiert ihn nicht so sehr die semantische, sondern die klangliche Ebene des Sprechens, weswegen er sich oft wenig bekannten, teilweise sogar vom Untergang bedrohten Sprachen zuwendet. In parkfiguren für eine Sprech- und eine Singstimme dient ein in deutsch und sorbisch vorliegendes Gedicht von Róza Domašcyna als Ausgangsmaterial. Der Sprecher trägt eine Fassung vor, in der die beiden Texte zunächst mit Hilfe des Computers amalgamiert und dann im Laufe des Stücks zunehmend getrennt wurden, so dass die Textverständlichkeit zunimmt. Die Singstimme hält die beiden Sprachen stets getrennt und betont durch ihre Musikalität auf besondere Weise den Klangaspekt. Dem Zuhörer erschließt sich mit Harald Muenz' Schaffen also ein weites, vielfältiges und spannendes Feld und wie so oft bei Exkursionen in unbekanntes Terrain: Es gibt Unerhörtes zu entdecken, manchmal aber auch Durststrecken. Das wurde besonders bei der Uraufführung von SprachProben deutlich. Das zugrundeliegende Material stammt aus einer zweijährigen mit dem Wissenschaftspreis des Landes NRW ausgezeichneten Feldforschung, die Muenz und sein Team unter anderem nach Italien und Kroatien führte und zwar in Regionen, in denen die Minderheitensprachen Arbëresh und Istrorumänisch noch lebendig sind. Dort entstanden Ton- und Videoaufnahmen, die dann zu Hause am Computer bearbeitet wurden. Die fast einstündige Aufführung reiht Kompositionen für Vokalisten und Instrumente, rein elektronische Einspielungen und Videoausschnitte aneinander. Dabei werden die Spezifika des aufgezeichneten Sprach- und Klangmaterials mehr oder minder verfremdet auf die Stimmen und Instrumente übertragen. Zu hören sind wunderbar fremdartige Klänge, teilweise skurril, geradezu archaisch anmutend. Allerdings wirken die einzelnen Teile etwas willkürlich aneinandergefügt. Das Ohr ergötzt sich am Einzelklang, aber es fehlt der übergeordnete, die Spannung aufrechterhaltende Bogen. Die zwischengeschalteten, stummen Videos (ältere tanzende Frauen) und der wohl nicht vorgesehene, aber zwischen den einzelnen Teilen immer wieder aufflackernde Publikumsapplaus verhinderten zusätzlich ein komplettes Eintauchen in die Klänge. Trotz dieser Einschränkung brachten die beiden Abende interessante Hörerfahrungen, und das Fragmentarisch-Unfertige, Experimentelle hat natürlich auch seinen Reiz! www.haraldmuenz.de Jetzt zu den [Mai-Tipps:] Die Ruhrtriennale startet in die nächste Runde. Gleich am 1.5. ist das Klangforum Wien mit von der Partie. Zu hören gibt es aber nicht unbedingt neue Musik. Alain Platel hat sich unter dem Titel Wolf mit Mozart auseinandergesetzt, angeregt von der Anekdote, Mozart sei als Junge auf der Flucht vor endlosem Musizieren mit einem Pudelrudel durch Wien gezogen. Sylvain Cambreling hat die musikalische Bearbeitung übernommen. www.klangforum.at/ www.ruhrtriennale.de/de/programm/haupt03/wolferl/ Einen weiteren Auftritt hat das Klangforum bei den Wittener Tagen für neue Kammermusik, die vom 9. bis 11. Mai stattfinden. Dazu braucht man eigentlich nicht viel zu sagen. 6 Konzerte und 4 Performances reihen sich aneinander mit weitgehend bekannten Namen aber vielen Uraufführungen. www.wittenertage.de Am 8.5. findet in der Düsseldorfer Tonhalle ein Hölderlin-Projekt statt. Nikolaus A. Huber, Zender und Henze setzen sich auf jeweils eigene Weise mit dem Lieblingsdichter der Komponisten (zumindest des 20. Jahrhunderts) auseinander. www.tonhalle-duesseldorf.de/ In der Reihe selten gehört treffen am 11.5. im Museum Schloss Moyland die Pianistin Aki Takase und die deutschschreibende, japanische Schriftstellerin Yoko Tawada aufeinander. www.moyland.de/pages/veranstaltungen/ Am 17.5. werden in der Reihe MusicParadise XII in der Musikbibliothek der Zentralbibliothek in Essen bereits zum 12. Mal Bridges.Brücken geschlagen zwischen Musik, Aktion und Performance. www.stadtbibliothek-essen.de Am 17., 24. und 25. Mai sind in der Alten Kirche St. Martin, Stommeln Raumklänge erlebbar. Zu gehör kommen das Improvisationsensemble Die Pilzfreunde aus Freiburg, das Ensemble Raum-Musik für Saxophon sowie chinesische Musik mit Xu Fengxia. www.pulheim.de Das Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik finden Sie hier, aktuelle Musiktermine in unserem Kalender. |
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