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Gazette: Neue Musik in NRW von Petra Hedler - Ausgabe August 2003 |
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Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 31.07.2003, 14:38, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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Gewesen: Ensemblia in MG / Kunstraum-Wochenende in Düsseldorf Angekündigt: 2 x Düsseldorf: Opernfraktal im Kunstraum - Exotik des Anderen im Ekô-Haus [Ensemblia 2003] Die Ensemblia, das im Zweijahresrhythmus stattfindende Festival für Musik, Theater, Tanz und Kunst in Mönchengladbach, wurde diesmal mit einer langen Nacht im Museum Abteiberg eröffnet. Werke von Detlev Glanert, Cage, Boulez, Isang Yun und Scelsi erklangen an den verschiedensten Orten des Gebäudes. Der Hollein-Bau mit seinen vielfältigen Durchgängen und -blicken eignet sich dafür besonders gut. War ein Stück verklungen, musste man sich den Ohren folgend schon auf den Weg zum nächsten machen. Angesichts hoher Temperaturen, ausgefallener Klimaanlage und großem Publikumsandrang konnte das auch anstrengend werden, aber es hatte seinen ganz besonderen Reiz und der Musik gelang es immer wieder, sich über Störgeräusche hinweg durchzusetzen. Wie gesagt, das Publikum war reichlich vertreten, die üblichen Gesichter der Neue-Musik-Szene suchte man allerdings vergeblich. Die Ensemblia ist vor allem ein Festival für die Bürger der Stadt. Bezeichnenderweise war es daher eine Bürgerinitiative und keine überregionalen Protestschreie, die es einst vor dem Aus wegen finanzieller Schwierigkeiten bewahrte. Auch bei den Künstlern wird oft auf lokale Kräfte zurückgegriffen. Nicht alles, was dabei herauskommt, würde in Donaueschingen bestehen, aber Lebendigkeit, Engagement, Experimentierfreude und die Chance auf echte Überraschungen wiegen das reichlich auf. Bei den Spielstätten nutzt man ebenfalls die verschiedensten Möglichkeiten der Stadt. Vom Museum ging es ins Münster. Zwischen im Raum verteilten, von innen beleuchteten Stoffzelten (Fisimatenten, eine Rauminstallation von Vaago Weiland), erklang eingebettet in Werke von Messiaen, Ludovico da Vittoria und Gregorianische Chorälen Tabernaculum (= Zelt) von Miro Dobrowolny als Uraufführung. Das "Ritual für Solisten, Chor, Instrumente im Raum, Orchester und Zuspielband" ist Teil des großangelegten interdisziplinären Kompositionsprojektes Missae (www.missae.de), das bis zum Jahre 2007 zu einer Heptalogie anwachsen soll. Es will nicht weniger als zu den Wurzeln christlichen Glaubens und menschlicher Existenz aufbrechen. Entsprechend aufgeladen sind die musikalischen und inszenatorischen Mittel. Tiefes Grollen der Pauken mit Kontrabass und Bläserklang zum Auftakt, Gesangssoli vor hohen Streicherklängen, sphärischer Instrumentalklang manchmal zu chaotischem Tumult ausartend, dazu schreitende Darsteller in wallenden Gewändern: Das war für meinen Geschmack doch etwas zu pathetisch. Ein echtes Kleinod ließ sich in der Galerie Löhrl anlässlich einer Ausstellung von Linda Schwarz entdecken. Passend zu der (mich weniger ansprechenden) Auseinandersetzung der Künstlerin mit Bachs vom Tintenfraß angegriffenen Notenbildern nahm sich Othello Liesmann die 3. Cello-Suite vor. Zwischen vier Originalsätze stellte er jeweils seine eigenen Tintenfraßversionen. Normalerweise bin ich kein großer Freund derartiger Alt-Neu-Zusammenstellungen, die oft nicht Fisch nicht Fleisch sind. Diese Variante aber überzeugte mich. Die rauen, herben, wunderbaren Bachklänge gingen ebenso unter die Haut wie Liesmanns Improvisationen. Sie ließen zwar vom Bachschen Original nicht mehr viel erahnen, aber die mal behutsamen, mal schrill knarzenden Klänge ließen den Tintenfraß sinnlich spürbar werden und erzählten ebenso wie das Original auf eindringliche Weise von Verletzlichkeit, Vergänglichkeit und dem Aufbegehren dagegen. www.ensemblia2003.de/ [Kunstraum-Wochenende] Am 26. und 27.7. war im Kunstraum Düsseldorf erneut ein langes Wochenende mit Musik von Komponisten aus dem Wandelweiser-Umkreis zu erleben. Allein am Sonntag folgten fünf Konzerte aufeinander. Wandelweiser ist Edition, Label, Ensemble und Komponistengruppe in einem. Alle Beteiligten verbindet eine gemeinsame Ästhetik, die sich der Stille und der subtilen Klangerforschung verschrieben hat. Dabei bietet dieser Ansatz erstaunlich viel Raum für Individualität, was besonders bei konkreten Gegenüberstellungen spürbar wird. In einem der Konzerte rahmten zwei verschiedene Fassungen des Klavierstücks 4 von Manfred Werder drei Klavierstücke von Eva-Maria Houben (www.evamariahouben.de) ein. Werder (* 1965) lässt Einzel- und Mehrklänge, mal sperrig, mal volltönend, teils aus den entlegensten Höhen und Tiefen des Klaviers, aufscheinen. Diese, scheinbar isoliert und ohne rhythmischen oder metrischen Zusammenhang, sind auf geheimnisvolle Weise miteinander verbunden, gehen einen unterschwelligen Dialog ein. Auch Houben (* 1955, Professorin an der Uni Dortmund) arbeitet mit vereinzelten Tönen, aus denen Intervalle erwachsen. Durch stetige Wiederholung wird das Material noch weiter reduziert. Dadurch entsteht eine analytische, statische, fast distanzierte Gesamtwirkung. Der unterschiedliche Charakter der Stücke ließ sich bis in die Körperhaltung des Pianisten (Guy Vandromme) hinein verfolgen, mal bewegt den Tönen folgend, mal Distanz haltend! Thomas Stiegler (* 1966, neben seiner Komponistentätigkeit als Arzt tätig) widmet sein Stück für Craig dem Posaunisten Craig Shepard, der es auch aufführte. 75 Minuten lang erklingen erdige, raue langgezogene Töne, von Pausen durchsetzt. Das Instrument wird auf verschiedene Weise "beatmet" bzw. "besungen". Der entscheidende Clou dabei ist, dass die Höhe des Posaunentons langsam auf-, die der beatmenden Stimme dazu gegenläufig absteigt. Die Differenzen von Ton zu Ton sind minimal. Egal ob dem Hörer diese im Prinzip unmögliche Spielanweisung bewusst ist oder nicht, die dadurch erzeugte Konzentration wird auf jeden Fall spürbar. Sie nimmt den Tönen jede Beliebigkeit ohne sie zu determinieren, macht sie vielfältig und lebendig. Dem vom Komponisten intendierten Prozess überlagert sich ein anderer, der durch die Erschöpfung bedingt ist, die sich bei einem derart langen Solostück zwangsläufig einstellt. Auf diese Weise ergeben sich 75 Minuten, in denen der Hörer zwischen meditativer Gestimmtheit und gespanntem Lauschen schwebt, aber sich jedenfalls nicht langweilt. Als Neuzugang der Wandelweiser-Gruppe war der nach einem Studienaufenthalt in Berlin jetzt wieder in Athen wohnende Anastassis Philippakopoulos (* 1969) mit mehreren Stücken zu erleben. Gespielt wurden die Klavierwerke piano 2, piano 3 und 4 klavierstücke. Ein fortlaufend repetierter Ton, dem sich Miniaturmotive und Einzeltöne hinzugesellen, lang ausschwingende Tonfolgen und Akkorde, Kleinstmotive, die behutsam variiert werden, jedoch ohne dass eine Entwicklung stattfindet. Sie scheinen vielmehr um sich selbst zu kreisen bzw. wirken wie aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Die verhaltenen, von Pausen durchsetzten Klänge werden nur selten von kräftigeren Akzenten aufgeschreckt. Das Ganze ist von einem zögernden, diffusen, manchmal fast wehmütigen Duktus bestimmt. Die Kunstraumkonzerte lassen der Musik viel Raum und Zeit. Es lohnt sich, sich darauf einzulassen. www.duesseldorf.de/kunstraum/klangraum.shtml Infos zu den Komponisten unter: www.timescraper.de/ [Angekündigt: Opernfraktal im Kunstraum] Ein ungewöhnliches Projekt ist unter dem Titel Opernfraktal für den August im Kunstraum geplant. Marcus Kaiser, Absolvent der Düsseldorfer Kunstakademie und seit langem auch im Bereich neue Musik aktiv, wird mit einigen Mitstreitern 21 Tage lang permanent anwesend sein. Die konkreten Klänge des Ortes, der Umgebung und der Menschen werden nach bestimmten Mustern aufgezeichnet und am nächsten Tag zur selben Zeit wieder abgespielt. Auf diese Weise akkumulieren sich die Klänge. Alle sechs Stunden (6 Uhr, 12 Uhr etc.) kommen musikalische Live-Darbietungen hinzu. Durch die Einbeziehung weiterer bildender Künstler wird die akustische Ebene durch eine visuelle ergänzt. Die Eröffnung findet am 3.8. um 19 Uhr statt. www.opernfraktal.kulturserver.de [Angekündigt: "Die Exotik des Anderen"] Am 24.8. beschäftigen sich in Düsseldorf im EKÔ-Haus für japanische Kultur unter dem Motto "Die Exotik des Anderen" mehrere Veranstaltungen mit der Begegnung verschiedener Kulturen; hier insbesondere der europäischen und japanischen. Den Auftakt macht ein Vortrag über die Verwendung der japanischen Wölbbrettzither Koto in Tradition und Moderne, es folgt ein Konzert mit Werken für Klavier und Koto. Den Abschluss bildet ein Podiumsgespräch. www.eko-haus.de/ Das Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik finden Sie hier, aktuelle Musiktermine in unserem Kalender. |
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