|
||
|---|---|---|
Neue Musik in NRW von Petra Hedler - Ausgabe September 2003 |
||
| (möchten Sie diese Gazette monatlich neu per e-mail erhalten? Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik)
Düsseldorf, 01.09.2003, 10:55, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
|
||
| [Inhalt]
Gewesen: Europa trifft Asien in Düsseldorf Angekündigt: Ruhrtriennale - Jenseits in Bonn - TAM im Netz [Europa trifft Asien in Düsseldorf] Unter dem Titel Die Exotik des Anderen versammelten sich am 24.8.03 europäische und asiatische Musiker und Komponisten im Düsseldorfer Eko-Haus der japanischen Kultur www.eko-haus.de/ . Nach einem Einführungsvortrag von Peter Gahn, in dem er Geschichte und Spielweisen der japanischen Wölbbrettzither Koto vorstellte, wurden von fünf Komponisten unterschiedlicher Herkunft (Peter Gahn, Kunsu Shim, Gerhard Stäbler, Markus Bongartz, Toshio Hosokawa) jeweils zwei Musikstücke, eines für Klavier und eines für Koto, aufgeführt. Zum Schluss fanden sich alle Beteiligten in einer Gesprächsrunde zusammen. Man war sich schnell einig, dass das was in der Regel als exotisch verkauft wird, oft nur die konsumierbar und handzahm gemachte Form des Anderen ist. Gerhard Stäbler schlug daher vor, vom Besonderen im Fremden zu reden. Dieses Besondere aber kann genauso gut vor der eigenen Haustür wie am anderen Ende der Welt liegen. Hinzu kommt, dass auch in Asien die musikalische Ausbildung lange Zeit an europäischen und amerikanischen Vorbildern orientiert war, so dass die eigene Kultur durchaus exotisch oder besonders anmuten konnte. In Zeiten grenzenloser Vernetzung und multikultureller Gemeinschaften muss sich letztlich jeder Einzelne seinen individuellen Weg bahnen und entsprechend unterschiedlich waren die musikalischen Ergebnisse. Schon bei der Herangehensweise zeigten sich erhebliche Differenzen. Während Peter Gahn bei seiner Auseinandersetzung mit der Koto Skrupel kamen angesichts seiner mangelnden Vertrautheit mit ihrer Tradition, fühlte sich Stäbler früher eher durch die auf dem Klavier lastende jahrhundertealte Geschichte gelähmt. Erstaunlicherweise ließen sich beim Hören der Stücke zumindest oberflächlich dann doch Gemeinsamkeiten zwischen den europäischen gegenüber den asiatischen Komponisten feststellen - bei aller Unterschiedlichkeit im Detail. Erstere zeichneten sich durchweg durch eine sehr kraftvolle, wuchtige Behandlung des Klaviers aus. Bongartz zum Beispiel lässt angeregt von romantischer Virtuosität und basslastiger Rockmusik ausgiebig in den tiefen Tasten wühlen. Die Kotostücke klingen dagegen vergleichsweise behutsam. In Stäblers ITHAKA, inspiriert von einem Gedicht des griechischen Dichters Konstantin Kavafis, in dem das hohe Lied des Noch-Nicht-Ankommens gesungen wird ("..Hoffe, dass der Weg lang sei"), tritt die Koto in einen Dialog mit der Stimme. Bei Shim und Hosokawa entsteht eher der Eindruck einer gleichbleibenden Grundhaltung, die auf das jeweilige Instrument übertragen wird. Kunsu Shim lässt sich von Lebensvorgängen wie Atmung, Herzschlag, Gehen anregen und seine vereinzelt wie Tropfen in den Raum fallenden Klänge scheinen tatsächlich ein Eigenleben zu entfalten. Hosokawa, der als einziger die 17-saitige mit vollerem Klang und tieferen Tönen ausgestattete Koto verwendet, experimentiert mit verschiedenen Spielweisen, lässt die Saiten schaben und knallige Pizzicati ertönen. Die Spieltechnik wird aber nie zum Selbstzweck, sondern entfaltet eine subtile weitgefächerte Klanglandschaft. Insgesamt eine spannende Veranstaltung zu deren Gelingen vor allem die beiden Interpreten Martin von der Heydt am Klavier und Makiko Goto an der Koto beigetragen haben. Wer selbst Hand anlegen will, kann sich ans Eko-Haus wenden. Dort veranstaltet Makiko Goto Koto-Kurse! [Ruhrtriennale] Die Ruhrtriennale geht in die nächste Runde und hat diesmal auch einiges aus dem Bereich Neue Musik zu bieten. Vor allem kann man auf Beat Furrers Musiktheater Begehren gespannt sein. Ursprünglich für den steirischen herbst 2001 vorgesehen, dort aber nur konzertant aufgeführt ging das Werk schließlich zur Eröffnung des Kulturjahres Graz 2003 in einer Inszenierung von Reinhild Hoffmann über die Bühne. Für das Bühnenbild ist die bekannte Architektin Zaha Hadid verantwortlich. Diese Ruhrtriennale-Koproduktion kommt jetzt am 17.9. nach Bochum in die Jahrhunderthalle. In dem positiv bis überschwänglich aufgenommenen Stück setzt sich Furrer mit dem Orpheus-Mythos auseinander www.nmz.de/nmz/2003/02/berichte-graz.shtml . Am 19. und 20.9. ist das ensemble modern im Landschaftspark Duisburg zu Gast; im Gepäck eine Uraufführung von Birtwistle sowie Stücke von Boulez und Kurtág. Als Oper für Sopran, Schauspielerin und Videoleinwand wird The woman who walked into doors von Roddy Doyle (Text) und Kris Defoort (Musik) angekündigt. Anstatt in mythische Unterwelten führt es in die reale Ehehölle der Paula Spencer. www.ruhrtriennale.de [Jenseits in Bonn ] Eine ebenfalls sehr diesseitige Geschichte präsentiert am 26. September das Theater Bonn in der Reihe bonn chance!. Die New Yorker Künstler Zeena Parkins und Elliott Sharp haben sich den Monolog Jenseits von Werner Fritsch vorgenommen und mit live-elektronischer Musik versehen. "Ein Stück radikaler Prosa, in dem ein Mann in Sekunden des Entsetzens reflektiert, was ihm in Erinnerung geblieben ist - und es dominieren: Bilder von Sex und Gewalt". http://theaterbonn.bgp.de/popup_unten.php?name=Jenseits [TAM im Netz] Das Krefelder TAM startet am 5.9. um 22 Uhr mit "play" für diverse Utensilien und Klangkörper von und mit Pit Therre in den Herbst und ist auch endlich im Internet zu finden: www.tamkrefeld.de Das Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik finden Sie hier, aktuelle Musiktermine in unserem Kalender. |
|
|