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Gazette: Neue Musik in NRW von Petra Hedler - Ausgabe Februar 2004 |
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| (möchten Sie diese Gazette monatlich neu per e-mail erhalten?
Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 30.01.2004, 14:57, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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[Inhalt] Gewesen: Schwerpunkt Düsseldorf – Robert Schumann Hochschule, notabu, Tonhalle, Klangraum Angekündigt: 6-Tage-Oper in Düsseldorf – Manfred Niehaus-Werkstatt und Ensemble Intercontemporain in Köln – Cerha-Oper in Krefeld Düsseldorf ist nicht gerade als Neue-Musik-Hochburg bekannt. Überregional beachtete Ereignisse sind eher die Ausnahme und das renommierte Ensemble musikFabrik, das einst im Schloss Benrath residierte, ist inzwischen nach Köln (wohin auch sonst) ausgewandert. Ganz so trostlos sieht es aber dann doch nicht aus. Im Januar habe ich mich ganz auf die Landeshauptstadt konzentriert und bin mehrfach fündig geworden. [Robert Schumann Hochschule] Am 12.1. konnte man sich an der Robert Schumann Hochschule davon überzeugen, dass dort auch Komposition unterrichtet wird. Zu hören war Aktuelles aus den Kompositionsklassen von José Maria Sanchez-Verdu und Manfred Trojahn. Insgesamt vier Studenten bekamen die Chance, ihre neuesten Werke uraufzuführen, und die Ergebnisse waren durchaus hörenswert. Den Auftakt machte Incertidumbre (Ungewissheit) von Raquel Crostóbal, ein Stück für drei verschiedene Flöten, die sich lyrisch umspielen, auch schon mal nervös schnattern, letztlich aber doch sehr sanft und brav bleiben. Mariano Mora macht in Minguslogy für Tenorsaxophon wie der Titel schon vermuten lässt reichlich Jazzanleihen. Die Mixtur aus deftigen Schmatzern, flinken Läufen und kleinen Jazzschnipseln wirkt aber noch etwas unausgegoren. Am meisten Eindruck hinterließ Ignazio Fernandéz. In seinem Sextetto entfalten zunächst Piccoloflöten und Akkordeon in fast schmerzhaft hohem Register einen suggestiven Klang, dem die Streicher dominiert vom dunklen Ton des Cellos eine bedrohliche Gegenwelt entgegensetzen. Es folgt ein Ringen der konträren Klangcharaktere, die bis zum letzten Ton spannend ist. Schließlich war noch Kun Li mit Die Tränen von Yun-Ji vertreten. In das melodische Strömen der Flöte und das von Holz- und metallischem Glockenklang geprägte Schlagzeug setzt die Sopranstimme kraftvolle Einwürfe – ein Stück, das asiatische Anklänge nicht verleugnet. www.rsh-duesseldorf.de www.sanchez-verdu.com www.baerenreiter.com/html/zeitgen/trojahn.htm [notabu] Das Hochschulensemble stand unter der Leitung von Mark-Andreas Schlingensiep, sozusagen der gute Geist Neuer Musik in Düsseldorf. Mit dem von ihm mitbegründeten Ensemble notabu feiert er in diesem Jahr zwanzigjähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass findet in den Räumen der Clara-Schumann Musikschule eine sechsteilige Konzertreihe statt, deren dritter Teil am 16.1. zu hören war. Typischerweise werden in den notabu-Konzerten klassische Namen der Neuen Musik regionalen Größen gegenübergestellt. Als roter Faden zieht sich Messiaens Quatuor pour la fin du Temps durch das Jubiläumsprogramm. Zunächst wird jeweils ein Satz pro Abend gespielt, bevor dann im letzten Konzert am 15.5. das gesamte Stück zum Klingen kommt. Im Januar gab es außerdem ein Wiederhören mit György Kurtágs wunderschönem Officium breve in memoriam Andreae Szervánszky, ein Streichquartett aus den Jahren 1988/89. Der Widmungsträger ist übrigens ein ungarischer Kompositionskollege von Kurtág, von dem allerdings außer besagter Widmung wenig bekannt ist. An "lokalen" Größen war der Brite David Graham vertreten, der an der Clara-Schumann-Musikschule eine Kompositionsklasse für Kinder leitet. Bei seinem Stück Dolly handelt es sich um eine Komposition für Video, Tonspur und Bratsche, in der er sich zusammen mit dem Künstler Harald Klemm kritisch mit dem Thema Gentechnik und Klonen auseinandersetzt. Schließlich wurde noch Stravaganza, ein Virtuosenstück für Solovioline von Günther Becker gespielt. Becker war Kompositionsprofessor in Düsseldorf und ebenfalls notabu-Geburtshelfer. www.notabu-ensemble.de/ [Tonhalle] Am 23.1. gab es eine weitere Uraufführung zuhören. Die Tonhalle hat bei dem jungen Komponisten Jörn Arnecke (*1973) ein Werk zum Mendessohn–Zyklus 2003/04 in Auftrag gegeben. Arnecke, der sich in seinem neuen Stück auf Fanny Hensel und ihren Bruder Felix Mendelssohn Bartholdy bezieht, ohne diese (bis auf wenige Takte) direkt zu zitieren, verwendet eine gemäßigt moderne Musiksprache mit mal sanft melodiösen, mal rhythmisch bewegten Passagen. Erst im weitern Verlauf kommen auch avanciertere Spieltechniken zum Einsatz. Charakteristisch sind immer wiederkehrende, hohe gehaltene Töne, aus denen die ausdifferenzierteren Passagen sich entwickeln und zu denen sie wie zu einem Ruhepunkt wieder zurückkehren. In einem rein zeitgenössischen Programm hätte das Stück wahrscheinlich kaum Furore gemacht, die Platzierung zwischen zwei Mendelssohn-Streichquartette tat ihm daher ganz gut. Zu guter letzt kam die umgesiedelte musikFabrik unter der Leitung von HP Platz am 29.1. zu einer Stippvisite in die Tonhalle. Gespielt wurde Eshi – der Maler, eine Kammeroper des japanischen Komponisten Akira Nishimura, die 1999 bei der Biennale Neue Musik Hannover uraufgeführt wurde. Zugrunde liegt eine alte makabre japanische Geschichte. Ein Maler arbeitet an einem Höllenbild und lässt sich dabei von lebenden Modellen inspirieren. Den dazu erforderlichen Inszenierungen fällt schließlich seine über alles geliebte Tochter zum Opfer. In Anknüpfung an bestimmte japanische Aufführungsformen leiht ein einziger Sopran den Handendelnden, die von Tänzern des Folkwang Tanzstudios verkörpert werden, die Stimme. Auch im musikalischen ist der japanische Tonfall unverkennbar. Trotz rein westlichem Instrumentarium glaubt man Koto (direkt gezupfte Klaviersaiten) und Shakuhachi oder Sho (Flöte) zu hören. Daraus ergeben sich manchmal berückend schöne Stellen, aber der Gesamteindruck ist konventionell und wenig berührend. Eine schöne, aber ferne Märchenwelt. www.tonhalle-duesseldorf.de www.musikfabriknrw.de [Klangraumkonzerte] Erwähnen möchte ich unbedingt noch die Klangraumkonzerte, obwohl ich den Januartermin mit Werken von Makiko Nishikaze leider verpasst habe. In einem Ausstellungsraum der Stadt auf dem Gelände der alten Jagenbergfabrik organisiert Antoine Beuger (unser Mann in Donaueschingen!) regelmäßig Veranstaltungen, in denen Komponisten aus dem Wandelweiserumfeld vorgestellt werden. Da ich schon mehrfach darüber berichtet habe (u.a. im August 2003), begnüge ich mich an dieser Stelle damit, auf die Februartermine hinzuweisen: Am 21. und 22. 2. kann man sich Zeit nehmen für Musik von Eva-Maria Houben und Jürg Frey. www.evamariahouben.de www.timescraper.de [Vorschau:] Wie man sieht, in Düsseldorf wird die Neue Musik nicht neu erfunden und Köln braucht ernsthafte Konkurrenz nicht zu fürchten. Aber es gibt einen Kreis Unermüdlicher, die inzwischen auch einen konstanten Zuhörerkreis um sich versammeln können. Im Februar geht es auch gleich weiter: Am 7.2. spielt das Studio für Neue Musik der Robert Schumann Hochschule Werke Düsseldorfer Komponisten und am 14.2. wir die notabu-Reihe mit Werken u.a. von Ligeti, Dinescu, Maderna und, nicht ganz so geläufig, Sigurd Berge und Valerio Sannicandro fortgesetzt. www.duesseldorf.de/musikschule/kalender/2004_02.shtml Weit über den Düsseldorfer Tellerrand hinaus (diesmal bis nach Island) blickt nun schon zum vierten Mal das Festival 6-Tage Oper, das als europäisches Festival für neues Musiktheater daherkommt. Interessante internationale Kooperationen, Verknüpfungen verschiedener Kunstdisziplinen und ungewöhnliche Themen und Spielorte bestimmen das Programm. Doodgoed – Mordlust zum Beispiel wird auf einem Bauernhof in Szene gesetzt und die Alzheimerdreivierteltaktoper Stundenlang passenderweise in der Rheinischen Landesklinik Grafenberg. www.6-tage-oper.de Bevor Düsseldorf jetzt doch noch zum Nabel der Welt wird, noch ein paar Blicke in andere Regionen: In einer Veranstaltung der Kölner Gesellschaft für neue Musik spricht Manfred Niehaus am 6.2. im Kölner Loft über seine Arbeiten für Musiktheater. Am 8.2. ist das Ensemble Intercontemporain mit Werken von Thomas Adès, Oliver Knussen und Unsuk Chin in der Kölner Philharmonie zu Gast. In der Philharmonie ist übrigens noch bis zum 9.4. die von Rainer Nonnenmann entwickelte Ausstellung zum 60.Geburtstag von York Höller zu sehen. www.musik-in-koeln.de/doku/data/00112.html www.loftkoeln.de/ www.koelner-philharmonie.de Das Theater Krefeld bringt am 8.2. Friedrich Cerhas neue Oper Der Riese vom Steinfeld als deutsche Erstaufführung auf die Bühne. Das Stück handelt vom realen Schicksal eines zweieinhalb Meter großen Mannes, der im 19. Jahrhundert als Jahrmarktattraktion herumgereicht wurde. Eine Kritik der Uraufführung in Wien 2002 verweist auf die inhaltliche und musikalische Nähe zu Bergs Wozzeck, aus dessen Schatten Cerha, nachdem er die Lulu komplettierte, offenbar nicht mehr so ganz herausgekommen ist. Im Klartext bedeutet das, dass die Oper „mindestens 20 Jahre zu spät geschrieben worden“ ist. Die Neue Züricher sieht ein Werk der Altersmilde, in dem Cerha immerhin "das ganze Spektrum seines reichen Handwerks aufblättert", während das Libretto von Peter Turrini ziemlich verrissen wird. www.theater-krefeld-moenchengladbach.de/ www.operinwien.at/werkverz/ycerha.htm www.nzz.ch/2002/06/17/fe/page-article8885V.html Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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