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Gazette: Neue Musik in NRW von Petra Hedler (erste Ausgabe vom 11.09.2000) |
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Düsseldorf, 11.09.2000, 10:27, von redaktion nrw, homepage, , Rubrik: Musik
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| Mein Urlaub steht zwar noch bevor, aber die kulturelle Sommerpause ist offenbar beendet. Einen gelungenen Auftakt im Bereich der neuen Musik gab es mit Nonos Prometeo in der Bochumer Jahrhunderthalle am 25. und 26. August. Diesmal hat man im Gegensatz zur Version in Brüssel 1997 auf optisches Beiwerk (wie es damals Robert Wilson in gewohnt pathetischer Manier beisteuerte) weitgehend verzichtet - glücklicherweise. Das Ganze war das, was es laut Untertitel auch sein soll - una Tragedia dell’ascolta, also eine Tragödie des Hörens. Man konnte sich ganz auf seine Ohren verlassen - 2 ½ satte Stunden lang. Die Musiker waren auf erhöhten Podesten rund ums Publikum verteilt, so dass die Musik teils live teils elektro-nisch bearbeitet von allen Seiten auf uns einströmte. Bis auf ein paar kleinere Unausgewogenheiten bei der Aussteuerung, über die ich irgendwie hinwegzuhören versuchte, wunderbar!
Wer das jetzt verpasst hat, kann entweder dem Ensemble Modern Orchestra hinterher reisen z.B. nach Paris, Wien oder Mailand (www.ensemble-modern.com) oder sich in Köln mit Nonos Intolleranza trösten. Die Premiere des Kölner Opernhauses geht in einer Inszenierung von Günter Krämer am 22. September in der Halle Kalk über die Bühne (http://www.city-guide.de/event/theater/bsk/oper/spielplan/00intolleranza.html). Vorab am 17.9. gibt es ein Produktionsgespräch im Opernhaus und am 16.10. eine Podiumsdiskussion im Italienischen Kulturinstitut. Intolleranza stammt aus dem Jahr 1960 als Nono, überzeugter Kommunist, noch dezidiert politische Musik machte. Es handelt von einem ausländischen Bergarbeiter, der sich mit den verschiedensten Formen der Intoleranz auseinander zusetzen hat. Zu hören ist aber keine am Schnürchen erzählte Geschichte, sondern eine komplexe Musik- und Textcollage mit Zitaten von Brecht bis Eluard. Dieser sog. politische Nono wird gerne dem späten Nono entgegengesetzt (zu dem sich auch der Prometeo zählen lässt). Während letzterer in der ewigen Bestenliste der Neuen Musik ganz vorne rangiert, wird ersterem aus dieser Sichtweise höchstens historische Bedeutung beigemessen. Jetzt also eine gute Gelegenheit, sich mit eigenen Ohren hierzu eine Meinung zu schaffen! Vom 14.9. bis 1.10. gibt es in Düsseldorf den Altstadtherbst, ein Festival der sogenannten jungen Kultur. Spontan springt mir beim Überfliegen des Programms der Name Hespos ins Auge, ein Komponist der mich bis jetzt noch nicht enttäuscht hat (allerdings kenne ich seine Musik für Blockflöten nicht). Am 25.9. taucht sein Name bei einem Blockflötenkonzert in der Galerie Gmyrek und am 29.9. bei einer Orgel- und Schlagzeugnacht in der Neanderkirche auf. Zumindest originell könnte auch das Cardew-Projekt werden. Cornelius Cardew hat in den 60ern mit avantgardistischer Gruppenkomposition und -improvisation herumexperimentiert (AMM Group, Scratch Orchestra). In den frühen 70er Jahren hat er eine extreme linke Position eingenommen und sich energisch gegen den Elitarismus der Neuen Musik-Szene personifiziert durch Stockhausen und Cage gewandt. Jeder, ob geübt oder ungeübt, sollte mitmachen können. So auch jetzt in Düsseldorf. Das Ergebnis solcher Aktionen ist natürlich nicht vorhersehbar und bewegt sich irgendwo zwischen spannend und grausam. Da aber bei allen genannten Konzerten der Eintritt frei ist, kann man nicht viel falsch machen und vielleicht einfach mal reinhören (oder mitmachen!). www.altstadtherbst.de Neue Musik pur und kompakt gibt es am letzten Oktober-Wochenende beim WDR in Köln mit Donaueschingen- und Witten- erprobten Komponisten (u.a. Rihm, Feldman, Cage, Sciarrino , Hosokawa, Haas, Grisey) und bekannten Ensembles (u.a. ensemble recherche, Klangforum Wien). www.wdr.de Wer über NRW hinaus mobil ist, kann vom 29.September bis 8.Oktober die Weltmusiktage in Luxemburg und Umgebung besuchen. Nächstes Jahr ist Yokohama der Austragungsort und wer weiß, wann mal wieder welche in unserer Nähe stattfinden. Es bietet sich also eine einmalige Gelegenheit herauszufinden, was man rund um den Globus unter Neuer Musik versteht. Jedes Mitgliedsland soll irgendwie vertreten sein, heiß umstritten ist immer schon die Auswahl der Musikstücke, meistens gibt es eine Jury, hinterher fühlen sich alle zu kurz gekommen und keiner will es gewesen sein. Das alles muss einen beim Hören der Konzerte aber nicht anfechten. Diesmal waren u.a. Siegfried Palm und Irvine Arditti in der Jury. Für Deutschland gehen z. B. Gerhard Stäbler (der schon bei den Weltmusiktagen im Ruhrgebiet 1995 mitmischte), Günter Steinke, Moritz Eggert, Rolf Riehm und der Newcomer J.S. Bach ins Rennen. www.iscm.nl Viel Spaß! Petra Hedler |
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