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Neue Musik in NRW von Petra Hedler- Ausgabe November 2004 |
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| (möchten Sie diese Gazette monatlich neu per e-mail erhalten?
Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 03.11.2004, 10:18, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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Gewesen: Schnebel in Mülheim – 15 Jahre Gesellschaft für Neue Musik Ruhr Angekündigt: Komponistinnen in NRW – Frau Musica (nova) – Tempo Tempo beim WDR – Ardittis in Dortmund – Bruno Maderna und die Folgen im italienischen Kulturinstitut in Köln [ Schnebel in Mülheim] Das Neue-Musik-Festival Utopie jetzt!, das alle zwei Jahre in Mülheim veranstaltet wird, drehte sich diesmal unter dem schönen Motto Singen mit Dieter! ganz um Dieter Schnebel. Von dem vielfältigen Programmangebot (neben drei Konzerten auch Vorträge und eine Dirigierwerkstatt mit Manfred Schreier) konnte ich leider nur das Konzert am Donnerstag, dem 7.10., in der Petrikirche besuchen, aber auch das ist ein paar Zeilen wert. Im Zentrum standen Vokalwerke Schnebels, Klassiker wie Maulwerke und Glossolalie aus den 60er und 70er Jahren (teils in neueren Versionen) und ich befürchtete schon, das Ganze könnte verstaubt und museal daherkommen. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Besonders die beiden Aufführungen der Maulwerke waren frisch, spannend und bewegend. Wie bekannt hat Schnebel hier die Vielfalt der menschlichen Lautäußerungen in ihrer klanglichen, musikalischen vor allem aber körperlichen und emotionalen Ausdruckskraft gründlich erforscht. In der virtuosen Darbietung von Anna Clementi, Michael Hirsch und Christian Kesten kam dies, von der Lust am einfachen Atemgeräusch über wahre Mundakrobatik bis zu Minidramen, wunderbar zum Ausdruck. Nicht weniger eindringlich war die Version mit dem Mädchenchor am Essener Dom und der Jugendkantorei der Singschule an der Petrikirche. Unter Manfred Schreiers schwungvollem und gleichzeitig sensiblem Dirigat gelang es den jungen Frauen sich den für sie im Konzertkontext sicherlich ungewohnten Lautäußerungen (vorzugsweise Atemzüge in allen erdenklichen Weisen) zu überlassen. Ihre spürbare Scheu erhöhte noch die Intensität der Darbietung. Während bei den Maulwerken Reduktion für Dichte sorgt, ist es bei Glossolalie (realisiert für drei Sprecher, Dirigent, Klavier, Harmonium und Schlagzeug) die Vielfalt. Hier ist alles möglich, es wimmelt nur so von Text- und Musikzitaten und auch Kommentar und Kritik ("ja, was spricht schon für dieses Stück?") werden gleich mitgeliefert und integriert. Fast so etwas wie moderne Beliebigkeit, aber mit Ironie und Humor statt Auflösung in Wohlgefallen. http://www.utopie-jetzt.de [15 Jahre Gesellschaft für Neue Musik Ruhr] Am 9. Oktober feierte die Gesellschaft für Neue Musik Ruhr (gnmr) in der Essener Philharmonie ihr 15-jähriges Bestehen mit einem 15-stündigen Programm. Sie nutzte die Gelegenheit, einige Schwerpunkte ihrer Aktivitäten, die nach einer Neukonzeption vor vier Jahren im Zentrum stehen, schlaglichtartig vorzustellen. Den Auftakt machten am Vormittag unter dem Motto "Neue Musik macht Schule" Arbeiten mit Schülern. Besonders interessant sind die Response-Projekte, bei denen Komponisten und Instrumentalisten zeitgenössischer Musik in die Schulen gehen und vor Ort mit den Schülern eigenständige Musikstücke erarbeiten. Weiter ging es in der Philharmonie mit einer Jubiläumsausgabe des composers’club, einer von der gnmr gepflegten Konzertform, bei der taufrische Musik nicht nur gehört, sondern auch von den Anwesenden diskutiert werden kann. Zum Geburtstagsstelldichein hatten sieben Komponisten (nur so am Rande: ausschließlich Männer, wie überhaupt der Tag fast gänzlich ohne Frauen auskam) für das holländische Saxophon-Quartett Koh-I-Noor Stücke geschrieben, die nicht unterschiedlicher hätten sein könnten. Vier der Werke waren rein instrumental: humorvoll, mit Jazzanleihen und Effekten gespickt sowie viel Improvisationsspielraum für die Musiker bei Claas Hansons Cadenza, gediegen modern (mit vier vernünftigen Leuten usw.) bei Matthias Krömanns Variation fo(u)r Sax, langweilig-konventionell bei Martin Lückes 4 moon (inspiriert von Moondog-Musik) und aus dem Avantgarde-Fundus geschöpft (gedehnte Klänge, die ins Geräuschhafte kippen) bei Luís Antunes Penas Kippfigur. Die übrigen drei verwendeten Elektronik: Maximilian Marcoll machte in coarsecrackles Atmen in Stresssituationen zum Thema mit teils live-elektronisch verarbeiteten geräuschlastigen Saxophonaktionen zu stöhnenden und hektischen Atemgeräuschen vom Band. Bei Karl Heinz Blomanns Two Soldiers erklingen etwas brave, jazzige Saxophonklänge zu aktuellen CNN-Texten ("Bagdad" ließ sich immer wieder vernehmen) und einem durchgehenden, elektronischen Puls, der Stress erzeugen sollte aber eher nervte. Markus Stollenwerk, der wie Blomann zum gnmr-Vorstand gehört, hat sich in coloured quads ein kompliziertes Kompositionssystem ausgedacht, dass aus flexibel kombinierbaren Modulen besteht. Der Computer sorgt dafür, dass die Instrumentalisten sich gegenseitig manipulieren. Dadurch wurde das klangliche Endergebnis derart unberechenbar, das es den Komponisten selbst erstaunte und ihn wie er gestand "zur Weißglut" brachte. Im Unterhaltungsteil trat das Duo The Art of Mouth auf, zwei sogenannte Stimmkünstler, die seit kurzem den Weltrekord im Mundtechno halten, und tatsächlich eine ganz amüsante und virtuose Darbietung ablieferten. Ebenfalls unterhaltsam und amüsant war das Konzert mit Friedrich Cerha. In seinen Werken Eine Art Chanson und 1. Keintate (nach dem Textautor Ernst Kein) bewegt er sich textlich im Grotesk-Satirischen (neben Kein-Texten solche aus dem Umkreis der Wiener Gruppe, u.a. habe ich einiges von Jandl wiedererkannt), während er sich musikalisch bei volksmusikalischen Modellen bedient, natürlich durch Verfremdung und entsprechende ironische Distanz für unsere Ohren annehmbar gemacht. Als Chansonnier trat HK Gruber auf, der damit gleichzeitig seinen Einstand als diesjähriger artist in residence der Essener Philharmonie hatte. Unter dem Stichwort Electronic Department stellt die gnmr regelmäßig aktuelle elektronische Musik vor. Die Geburtstagsperformance von Bernhard Lang, Robert Lepenik und Edda Strobl (Visuals) konnte mich aber nicht überzeugen. Lang arbeitet, wie wir spätestens seit den Wittener Tagen 2003 wissen, bevorzugt mit Loops, so auch diesmal. Es gelang aber nicht den leergeräumten RWE-Pavillon, in dem die Zuhörer etwas ziellos herumirrten, zum Pulsieren zu bringen. Zu beliebig und zu leise plätscherten die Klänge irgendwo am Rande vor sich hin. Alles in allem ein schöner und kurzweiliger Tag. http://www.gnmr.de [Angekündigt] [Komponistinnen in NRW] Die vom Landesmusikrat unterstützte Reihe mit Musik von Komponistinnen präsentiert im November gleich neun Konzerte. In Mönchengladbach, Hagen, Aachen, Köln, Essen, Münster und Moers kommen Werke von Eva-Maria Houben, Carola Bauckholt, Elena Mendoza López und vielen anderen (auch Männern) zu Gehör. http://www.lmr-nrw.de [Frau Musica (nova)] Ebenfalls weiblichem Musikschaffen widmet sich die Kölner Initiative Frau Musica (nova). Jährlich wird eine Komponistin in einem Porträtkonzert vorgestellt, wobei auch gerne ein Blick über den Tellerrand der üblichen Neue Musik-Veranstaltungen hinaus gewagt wird. Dieses Jahr fällt er auf die aserbaidschanische Komponistin Rahilia Hasanova. Ihre Musik wird als eine Synthese aus aserbaidschanischen, minimalistischen und west-europäischen Elementen beschrieben. Termin: 28.11. 11 Uhr im Sendesaal des Deutschlandfunks. [Tempo Tempo beim WDR] Musik der Zeit beim WDR steht vom 12. bis 14.11. unter dem Motto Tempo Tempo. Da dürfen natürlich Jürgen Hockers Player Pianos mit Nancarrow-Musik nicht fehlen unter anderem im Duett mit Irvine Arditti. In einem weiteren Konzert spielen die Ardittis das String Quartet No. 3 von Nancarrow sowie die Study for Player Piano No. 34 für Streichtrio arrangiert. In insgesamt sechs Veranstaltungen sind außerdem Uraufführungen von Gérard Pesson, Markus Hechtle, Andreas Dohmen und Paul Usher zu hören sowie Rex Lawson mit Pianola. http://www.wdr.de/radio/orchester/veranstaltungen/veranstaltungskalender/november04.html [Ardittis in Dortmund ] Eine Woche später am 26.11. ist das Arditti-Quartett noch einmal im Konzerthaus Dortmund zu erleben mit Musik, die immer wieder schön ist (Scelsi, Maderna, Cage und Nono). http://www.konzerthaus-dortmund.de [Bruno Maderna und die Folgen im italienischen Kulturinstitut in Köln] "musica su due dimensione" sind zwei Konzertabende mit dem Ensemble Alter Ego aus Rom im Istituto Italiano di Cultura in Köln überschrieben. (29. und 30.11.) Den Ausgangspunkt bildet jeweils ein Werk von Bruna Maderna, dann aber kommen junge und unbekanntere Komponisten aus Deutschland und Italien zu Gehör. Mit Uraufführungen sind u.a. Andrea Agostini, Riccardo Vaglini, Harald Muenz und Hans W. Koch vertreten. http://www.iic-colonia.de Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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