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Gazette: Neue Musik in NRW von Petra Hedler - Ausgabe Dezember 2004 |
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Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 30.11.2004, 17:36, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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Gewesen: SoundArt und Deutscher Klangkunst-Preis 2004 – November Music in Bochum Angekündigt: Georg Katzer in der Bundeskunsthalle – notabu in Düsseldorf – Isabel Mundry an der Kölner Musikhochschule – ensemble recherche an der Folkwang Hochschule – Hommage an N.A. Huber - Schlippenbach Trio in Düsseldorf und Wuppertal – noch mehr Wuppertal [SoundArt und Deutscher Klangkunst-Preis 2004] Parallel zur Art Cologne fand in diesem Jahr vom 28.10. bis 11.11. in Köln die SoundArt statt, deren Anliegen es ist, „die Vielfalt der Akustischen Kunst in ihren Schnittflächen zur bildenden Kunst, zur elektronischen Musik, zur Radiokunst und zur Medienkunst zu zeigen“. Vorgestellt wurden im großen Rheinsaal der Kölner Messe Nominierte, Preisträger und Ehrenpreisträger des Deutschen Klangkunst-Preises 2004, der gemeinsam von WDR 3 und dem Skulpturenmuseum Glaskasten Marl vergeben wird. Um meinen Gesamteindruck vorwegzunehmen: Zu sehen und zu hören gab es einige nette bis witzige Ideen, hübsche Spielereien, die animierten mitzuspielen. Über das Spiel aber ging es nicht hinaus. Nichts was akustisch, emotional oder intellektuell angreift, herausfordert oder hängen bleibt. Christoph Schläger baut optisch reizvolle Instrumente, die auf Knopfdruck Metallplatten vibrieren und Propeller aus Heulern rotieren lassen. José Antonio Orts schickt das Publikum durch einen klingenden Wald licht- oder luftempfindlicher Sensoren. Erwin Stache präsentiert geheimnisvolle schwarze Klangkästen, die beim Öffnen ein vielfältiges akustisches Innenleben entfalten. Hubert Stein lässt glockenartige Klänge zwischen niedrigen mit Lautsprechern ausgestatteten Klangröhren hin- und herspringen. Peter Simon haucht wie im Spukschloss den Gegenständen eines Tisches bei Annäherung Leben ein oder lässt das Publikum mit Kopfhörern bewaffnet auf einem Dach herumspazieren, so dass der Eindruck entsteht, man könne ins Innere lauschen. Das Wohlfühlprogramm auf die Spitze getrieben wird bei Jan-Peter E.R. Sonntag. Auf einem vibrierenden Wasserbett liegend wird man von einem Sound in endlose Tiefen gezogen. Katja Kölle präsentiert orphische Klangobjekte. Hübsch dekorierte Muscheln, Federn und Rosenblätter in Sockeln, denen Entspannungsmusik entweicht. Das passende Ensemble für die gehobene Zahnarztpraxis. Für etwas Irritation sorgte Jens Brand, der seinen Global Player, der die Erde abtastet und in Klang transformiert, im coolen Ambiente eines Messestandes präsentierte. Am ehesten hat mich die Installation von Rolf Julius, dem Ehrenpreisträger, überzeugt. In einem dunklen Raum arrangiert er unter dem Titel Rot (etwas Schwarz) und einige Klänge in der kleinen Schale – sie sollte man auf keinen Fall stören genau das, was der Titel beschreibt: kleine Schalen mit Farb- und Klangakzenten in einem Wirrwarr von Kabeln und elektronischem Equipment. Genau dieses scheinbar selbstverständliche Zusammentreffen von meditativen Elementen und schnöder Technik macht den Reiz der Installation aus. Als Preisträger wurden übrigens Katja Kölle, José Antonio Orts und Huber Steins ermittelt. Bei den prämierten Werken handelt es sich allerdings nicht um die ausgestellten Arbeiten sondern um ortsspezifische, auf den Raum Marl bezogene Konzepte. Ergänzend fanden im Funkhaus Wallrafplatz Konzerte mit Klangperformances statt. Berichten kann ich vom 30.10.: Auch hier der reinste Schonwaschgang. Noel Akchoté und Vert alias Adam Butler bearbeiteten betont relaxt Klavier und Akustikgitarre und drehten noch ein bisschen an den Reglern. Das Ganze war im wahrsten Sinne des Wortes einschläfernd. Unter dem Motto Kontakt der Jünglinge (in Anspielung auf Stockhausen) taten sich anschließend Thomas Köner und Asmus Tietchens zusammen. Zufällig hatte ich vorher auf der SoundArt noch mal in Stockhausens Kontakte reingehört und die klingen auch nach 40 Jahren noch deutlich jünger und ergiebiger. Von Kontakt zum Publikum oder untereinander war ebenfalls nicht viel zu merken. Solche Performances, bei denen sich irgendwelche Typen hinter Kabeln und Geräten verschanzen, wirken oft seltsam autistisch, wie von einem anderen Stern. Vielleicht muss man diese Musik selbst machen, um auf den Geschmack zu kommen. www.soundart-koeln.de/ [November Music in Bochum] Dass Computer auch „zuhören“ können, war am 21.11. im Museum Bochum zu erleben. Im Rahmen des holländisch-belgisch-deutschen Festivals November Music trafen dort die beiden Ensembles FOURinONE und POW aufeinander. Das POW Ensemble ist ein Computertrio, das sich aus Jan Trützschler, Guy Harries und Luc Houtkamp zusammensetzt. Letzterer spielt auch noch Saxophon und in dieser Funktion ist er Mitglied des FOURinONE Ensembles, dem außerdem noch Martin Blume am Schlagzeug, Dieter Manderscheid am Bass und der wunderbare Johannes Bauer an der Posaune angehören. Jeweils ein Mann am Computer war einem Instrumentalisten zugeordnet, wobei das „Computerprogramm die Rolle eines improvisierenden Zuhörers und Mitmusikers“ einnehmen sollte. Das funktionierte tatsächlich. Die Technik reagierte angenehm zurückhaltend, drängte sich nie in den Vordergrund und war trotzdem präsent. Die Instrumentalklänge wurden durch die elektronische Zugabe ergänzt und bereichert und gleichzeitig in ihrer Einmaligkeit bestätigt. Denn ein echt mundgeblasener Posaunenton ist ein Ton ist ein Ton ist ein Ton. Auch der Spannungsbogen stimmte. Teilweise ging ganz gut die Post ab, es entstanden geradezu dramatische Momente, dann gab es wieder behutsame, forschende Passagen. Als die Musiker sich nach einer knappen (!) Stunde verabschiedeten, hätte es von mir aus gerne noch weiter gehen können. Infos: www.martinblume.de www.xs4all.nl/~xorluc (über Luc Houtkamp) www.novembermusic.net/ [Weihnachtsprogramm:] Eine sogenannte multimediale Performance unter dem Titel Der Maschinenmensch von Georg Katzer ist am 3.12. in der Bundeskunsthalle in Bonn zu erleben. Katzer setzt sich darin mit dem mechanistischen Menschenbild von La Mettrie auseinander, der beim Sezieren die Seele nicht finden konnte. Bekanntermaßen sind unsere Wissenschaftler auch im 21. Jahrhundert diesbezüglich noch keinen Schritt weiter gekommen. Die Seele will sich einfach nicht in handelsübliche Flaschen pressen lassen. www.bundeskunsthalle.de/ Das Düsseldorfer Ensemble notabu setzt seine Konzertreihe in der Clara-Schumann-Musikschule fort. Nach dem Auftakt im November ist am 3.12. Musik von Hosokawa, Berio sowie dem Leiter des Ensembles Mark-Andreas Schlingensiepen zu hören. Weitere Konzerte finden am 14.1., 11.2., 11.3. und 10.6.2005 statt. www.duesseldorf.de/musikschule/kalender/2004_12.shtml Interessanten Besuch gibt es an den Musikhochschulen des Landes. Am 6.12. ist Isabel Mundry in Köln zu Gast (mit Vortrag, öffentlicher Probe und Konzert) und am 20.12. das ensemble recherche in der Folkwang Hochschule (mit Musik von Haas, Ferneyhough und Grisey). www.mhs-koeln.de/de/veranstaltungen/ www.folkwang-hochschule.de www.ensemble-recherche.de/ Zum 65. Geburtstag von Nicolaus A. Huber richten Gerhard Stäbler und Kunsu Shim am 11.12. in der Musikbibliothek in Essen ein Hommagekonzert aus (16:00) an das sich ein Gesprächsabend mit Huber im EarPort in Duisburg anschließt (19:30). www.Earport.de (nicht ganz aktuell aber mit Kontaktadressen) Wer Lust auf Improvisiertes hat, kann sich im Dezember gleich zweimal das Schlippenbach Trio zu Gemüte führen: am 2.12. in der Düsseldorfer Jazz-Schmiede und am 4.12. im Wuppertaler Ort, dem ehemaligen Wirkungsfeld von Peter Kowald. Neben Schlippenbach gehören dem Trio Paul Lovens und Evan Parker an, Namen zu denen sich im Prinzip jeder Kommentar erübrigt. www.jazz-schmiede.de/jazz_next.html www.kowald-ort.com/schlippenbach.html Wuppertal könnte noch an zwei anderen Tagen Zielort sein: Am 9.12. um 20 Uhr findet in der Galerie Epikur (Friedrich Engels Allee 165) ein Konzert der Reihe „Die zweite Generation“ mit Claus van Bebber (Plattenspieler, Klangobjekte) und Erhard Hirt (Gitarre, Computer) statt. Am 15.12. spielt das Ensemble der Bergischen Gesellschaft für Neue Musik im Forum des Von der Heydt Museums Werke von Morton Feldman, Michael Finnissy, Georg Friedrich Haas und Wolfgang Rihm. www.culturebase.org/terminausgaben/von-der-heydt/index.php3 Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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