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Gazette: Neue Musik in NRW von Petra Hedler Ausgabe Februar 2005 |
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| (möchten Sie diese Gazette monatlich neu per e-mail erhalten?
Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 01.02.2005, 11:31, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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Gewesen: Neue Kammermusik aus Japan in der Düsseldorfer Tonhalle - Vipern an der deutschen Oper am Rhein Angekündigt: Neues von Jörg Widmann - Volles Programm beim WDR – Boulez zum 80. Geburtstag – Flötensymposion an der FolkwangHochschule – Sho-Musik auf Tour [Neue Kammermusik aus Japan in der Düsseldorfer Tonhalle] Neue Kammermusik aus Japan stand am 20.1. in der Düsseldorfer Tonhalle auf dem Programm. Was das Thürmchen Ensemble zu Gehör brachte, klang sehr unterschiedlich und wenig japanisch – aber das war auch nicht anders geplant und nicht anders zu erwarten. Neue Musik spricht in ihrer Vielfältigkeit heute kaum noch nationale Sprachen. Hinzu kommt, dass gerade in Japan die Musikausbildung nach wie vor stark europäisch geprägt ist und die meisten Komponisten irgendwann zur Ergänzung ihrer Ausbildung in Europa oder Amerika landen. Die Programmauswahl besorgte Noriko Kawakami, eine in Köln lebende Komponistin, die selbst mit einer Uraufführung vertreten war. Insgesamt zwei Uraufführungen und drei deutsche Erstaufführungen versammelte sie mit dem erklärten Ziel, verschiedene Strömungen der neuen japanischen Musik vorzustellen. Den Auftakt machte Malika Kishino mit Irisation aquatique. In der Bezugnahme auf ein Naturphänomen ließe sich noch am ehesten ein japanischer Aspekt ausfindig machen, denn die Komponistin erinnerte sich bei ihrer Arbeit an die Regenschauer Japans. Tatsächlich hört man es in dem Stück für Bassklarinette, Cello, Klavier und Tonband knistern und zischeln, die Klänge schwellen an und verebben. Das Ergebnis ist aber weit mehr als eine Naturimitation und auch das subtile Zusammenspiel von Tonband- und Instrumentalklängen hat mir gut gefallen. Yasuko Yamaguchi, die an der Robert-Schumann-Hochschule studierte und heute noch in Düsseldorf lebt, steuerte mit Parabel eine Uraufführung bei, bei der in einem schillernden Klangstrom gelegentliche Ausbrüche und Aktionen des Schlagzeugs Akzente setzen. Noriko Kawakami greift in ihrem Stück Oh, die wilde Rose blühet..... in die Vollen. Voller Energie präsentiert sie ein weites Spektrum an Spieltechniken und Klängen. Besonders das Schlagzeug mit Gongs, Röhren- und sonstigen Glocken kommt ausgiebig zum Einsatz. Dabei gelingen ihr zwar schöne klangvolle Passagen, aber etwas weniger wäre meines Erachtens mehr gewesen. Weniger überzeugt haben mich Satoshi Tanakas Afterglow, das klar strukturiert aber dadurch auch zu berechenbar wirkte, und Hiroyuki Itohs Shadows of Night III, das ziemlich schwung- und konturlos daherkam. Dies ist allerdings vermutlich der Thematik zu schulden, da sich der Komponist von der unbestimmten Tristesse eines Gedichts von Tarkowski anregen ließ. www.tonhalle.de Mehr zum Thema Japan bei den Veranstaltungshinweisen! [Vipern an der deutschen Oper am Rhein] Ebenfalls in Düsseldorf wurde am 21.1. Christian Josts erste Oper Vipern an der Deutschen Oper am Rhein uraufgeführt. Das Libretto basiert auf einem Stück der Shakespearezeitgenossen Middleton und Rowley, das die stets beliebten Themen Liebe, Leidenschaft, Verrat und Mord bedient. Die hochkochenden Emotionen werden von Jost effektvoll zum Klingen gebracht. Markante Rhythmen und schwere Bläserattacken treiben die Handlung voran. Das handwerkliche Geschick des Komponisten kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Musik tief in vergangenen Jahrhunderten verankert ist. Von der im Textheft beschworenen „stark dominierenden 21.Jahrhundert-Folie“ habe ich nichts gemerkt, es sei denn man versteht darunter die Übernahme einiger neuerer Spieltechniken zur Akzentuierung von Effekten. Wer sich daran erfreuen kann, wie das wenig innovationsverwöhnte Düsseldorfer Premierenpublikum, dem wird eine solide musikalische Leistung geboten. Unter den Sängern fielen mir besonders Morenike Fadayomi als Beatrice, John Wegner als deflorierender Bösewicht De Flores und Anke Krabbe auf, die offenkundig mit Vergnügen bei der Sache waren. Gottfried Pilz’ Bühnenbild besteht aus großen variablen Spiegelwänden, die die Protagonisten effektvoll vervielfachen und verzerren. Wenn dann noch ein flotter silberner Flitzer vorfährt, befindet man sich mitten in einem schillernden Werbespot, in dem der Regisseur Eike Gramss die Figuren ihren „Raubtieregoismus“ in modernem Gewand „heute verflacht und banal aber erfolgreich“ ausagieren lässt. Nervig bis ärgerlich fand ich allerdings die Auftritte der Verrückten, die im Ausgangsstück die Gemäuer unterhalb des Schlosses bewohnen und dort für die zunächst unterdrückten, dann aber immer mehr hervorbrechenden Begierden stehen. Man könnte in Umkehrung dieser Lesart, wie Gramss andeutet, im Irrenhaus auch einen Ort der Wärme, Nähe und Feinheit erkennen. In Düsseldorf waren jedoch nur arme Irre und harmlose Idioten zu sehen, die vollkommen ungefährlich in skurrilen Bewegungen und Gesten das Klischee antiquierter Irrenhausszenarien bedienten. www.deutsche-oper-am-rhein.de [Vorschau:] Bedeutend mutiger zeigt sich da das Theater Krefeld/Mönchengladbach. Am 29.1. hatte in Krefeld Das Gesicht im Spiegel, die erste abendfüllende Oper von Jörg Widmann Premiere. Es handelt sich um die erste Inszenierung nach der Uraufführung 2003 in München. Im Februar sind weitere Termine in Krefeld geplant, bevor das Werk dann ab Mai in Mönchengladbach zu erleben ist. Um mit Widmann zu sprechen: „In einer kulturpolitisch so desaströsen Zeit ist die Tatsache, dass dieses Haus ein so komplexes Stück so lustvoll herausbringt, ein sehr schönes und wichtiges Signal.“ Näheres dazu in der nächsten Gazette. www.theater-krefeld-moenchengladbach.de/html/das_gesicht_im_spiegel.html Am 20.2. ist außerdem die Uraufführung von Widmanns neuestem Werk für Streichquartett und Sopran beim WDR in Köln vorgesehen. Das ist aber noch nicht alles was der WDR zu bieten hat. Gleich an zwei Wochenenden im Februar wird Musik der Zeit präsentiert: Am 11.2 sind unter dem Motto blanc et noir Bernd Alois Zimmermanns „weißes Ballet“ (Présence aus dem Jahre 1961) und das fünf Jahre später entstandene „schwarze Ballet“ (Musique pour les soupers du Roi Ubu) zu hören, bei denen neben König Ubu auch Molly Bloom und Don Quichotte zum Tanz gebeten werden. Helmut Oehring und Iris ter Schiphorst präsentieren am folgenden Tag ihre Version als Prae-Senz (1997) Ballet blanc II . Am 18. und 19.2. wird in vier Konzerten Salvatore Sciarrino ausführlich vorgestellt. Das Spektrum reicht von seinen Streichquartetten, über Solowerke, seinem Spiel mit Stille und Stilen (mit Ausflügen zu Scarlatti, Bach und Mozart) bis zu einem Werk für Saxophonquartett und 100 wandernde Saxophone (mit dem klangvollen Titel La bocca, i piedi, il suono per 4 sassofoni solisti e 100 sassofoni in movimiento). www.wdr.de/radio/orchester/veranstaltungen/veranstaltungskalender/februar05.html Pierre Boulez wird 80. und diesem Ereignis sind im Februar zwei Konzerte gewidmet. Am 22.2 ist er in der Kölner Philharmonie live zu erleben. Mit seinem Ensemble Intercontemporain spielt er neben Eigenem Stücke von Schönberg, Höller und Carter. Am 11.2 gastiert das Ensemble Alternance mit einem Boulez-Programm in der Düsseldorfer Tonhalle. Unter anderem wird Le Marteau sans maitre mit Suzanne Otto als Solistin zu hören sein. www.koelner-philharmonie.de www.tonhalle.de Ebenfalls am 11.2. und ebenfalls in Düsseldorf setzt das notabu.ensemble in der Clara-Schumann-Hochschule seine Reihe mit zeitgenössischer Musik fort. Da wäre eine bessere Terminabsprache wirklich sinnvoll gewesen! www.duesseldorf.de/musikschule/kalender/2005_02.shtml Zum Schluss noch zwei Abstecher nach Japan: Die FolkwangHochschule lädt vom 11. bis 13.2. zu einem Symposion mit dem Thema Neue Musik aus Japan und ihre Wurzeln in der Tradition. In Vorträgen und Konzerten wird dabei besonders Musik für Flöten genauer beleuchtet. www.folkwang-hochschule.de Mayumi Miyata tourt mit der japanischen Mundorgel Sho und einem Programm mit traditionellen und modernen Stücken (Stäbler, Hosokawa, Shim u.a.) durch die Lande: Am 16.2. ist sie im japanischen Kulturinstitut in Köln, am 17.2. in Essen, am 18.2. im Duisburger Lehmbruck Museum und am 19.2. in der Düsseldorfer Tonhalle zu Gast. www.jki.de/ www.tonhalle.de www.gerhard-staebler.de/aktuell.html Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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