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Gazette: Neue Musik in NRW von Petra Hedler - Ausgabe Juli 2005 |
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| (möchten Sie diese Gazette monatlich neu per e-mail erhalten?
Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 02.07.2005, 22:31, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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Gewesen: Jörg Widmann in Düsseldorf Angekündigt: Brückenmusik und romanischer Sommer in Köln – Workshops: Cello in Wuppertal und Klavier in Düsseldorf und Duisburg– Klavier-Festival Ruhr – Houben in Dortmund – Stockhausen – Musikfabrik im WDR [Jörg Widmann in Düsseldorf] Am 24.6.05 war Jörg Widmann im Düsseldorfer Robert Schumann-Saal in seiner Doppelrolle als Komponist und Klarinettist zu erleben. Auf dem Programm standen Wolfgang Rihms vier Studien zu einem Klarinettenquintett (2003), bei dem Widmann als Interpret mitwirkte, sowie sein eigenes Streichquartett Nr.3 Jagdquartett (2004). Rihm und Widmann, das ist eine interessante Kombination nicht nur aufgrund des Lehrer-Schülerverhältnisses – sie lädt dazu ein, sich über Karrieren gestern und heute Gedanken zu machen, denn beide sind Vorzeigekomponisten ihrer Generation und können sich über mangelnde Aufmerksamkeit nicht beklagen. 1974, als Jörg Widmann (*1973) wahrscheinlich gerade laufen lernte, hatte Rihm (*1952) seinen Einstand in Donaueschingen und sorgte mit seinem Bekenntnis zu Emotion, Ausdruck und Pathos sogleich für Furore. Mit dem Schlagwort der „Neuen Einfachheit“ war sofort ein Etikett zur Hand, gegen das sich Rihm jedoch gewohnt wortgewandt verwahrte. „Musik muss voller Emotion sein, die Emotion voller Komplexität.“ konterte er, womit er nicht nur seine Musik als die wahrhaft komplexe darstellte, sondern den Serialisten das Stigma der Unsinnlichkeit und Kopflastigkeit anheftete, das sie bis heute nicht mehr los geworden sind. Während Rihm heute als Großkomponist und Vielschreiber omnipräsent und über alle Zweifel erhaben ist, kommen die sogenannten Serialisten, wenn überhaupt, nur nach entsprechendem apologetischem Vorspann zu Gehör. Inzwischen ist Rihm, wie zumindest seine Klarinettenqintettstudien zeigen, recht brav geworden. Die Beschäftigung mit der Tradition (hier Brahms) steht im Vordergrund und die ehemalige Aufbruchstimung hat sich zu einem calmo und moderato sostenuto mit ein bisschen vivace und moto beruhigt. Auch Jörg Widmann hat schon eine steile Karriere hinter sich. Bereits mit 11 Jahren bekam er Kompositionsunterricht und 1990 fiel er im Rahmen eines Schülerprojektes der Münchner Biennale Hans Werner Henze auf, der ihn daraufhin als Schüler aufnahm. Heute hat er so viele Composer in Residence-Posten inne, dass von residieren kaum mehr die Rede sein kann, und ganz nebenbei ist er noch Professor für Klarinette an der Freiburger Musikhochschule. Diese Vielfalt findet sich auch in seiner Musik. Er wirkt wie ein Jungstar unter den Spitzenköchen, dem alle Zutaten bestens vertraut sind und der in alle Töpfe schon mal reingeschaut hat. Daraus mixt er eigene, durchaus ansprechende Kreationen. In seinem Jagdquartett, das zusammen mit seinen zwei Vorläufern und den zu Jahresbeginn uraufgeführten Nachfolgern die fünf Sätze eines übergeordneten Streichquartettentwurfs bildet, wird ein Jagdthema in die Mangel genommen und zwischen sich überschlagenden Rhythmen, Hey-Hoh-Rufen und Peitschen- bzw. Bogenknallen zerrieben und zermahlen. Das ist ganz virtuos gemacht. Es besteht allerdings die Gefahr, dass nicht nur das thematische Material herbeizitiert wird, sondern auch die Exaltiertheit simuliert und wie aus zweiter Hand wirkt. Rihm konnte noch den Weg der Antithese gehen und seine Energie aus der Negation seiner Vorgänger ziehen. Widmann blieb von Anfang an nur die Möglichkeit der Synthese. Daraus ein eigenständiges Profil zu gewinnen, ist ungleich schwieriger. Damals musste man anecken, um weiter zu kommen. Heute sind Vielseitigkeit und Flexibilität gefragt. Beide verstehen ihr Handwerk, richtig satt gemacht hat mich an diesem Abend aber keiner. Instrumentalisten des Abends waren die Mitglieder des Minguet Quartett, zu deren aktuellen Projekten die erstmalige Gesamtaufnahme der 12 Streichquartette von Wolfgang Rihm zählt. Die ersten drei CDs liegen bereits vor. http://www.robert-schumann-saal.de http://www.minguet.de [Zum Sommer] Vom 3. bis zum 8. Juli kann man eine musikalische Wanderung durch die romanischen Kirchen Kölns antreten. Traditionellerweise sind in diesen romanischen Sommer auch einige Werke neueren Datums eingestreut. Zum Beispiel zelebrieren am 5.7. die Neuen Vocalsolisten Stuttgart und die musikFabrik in St. Gereon Gesänge der Welt und am 6.7. wird in St. Peter eine Raumkomposition von Sabine E. Panzer uraufgeführt. Täglich von 12.03 bis 18.00 Uhr ist in St. Apostel eine Klanginstallation von Wolfgang Mitterer zu erleben. Den Ausklang bildet die romanische Nacht am 8.7.. Das breite Publikum möchte man nicht zu sehr irritieren und serviert daher zum Buffet im Kreuzgang Gubaidulina und Kantscheli. Besonders interessant könnte es allerdings an einem ganz unromanischen Ort werden und zwar im Hohlkörper der Deutzer Brücke. Dieser wird regelmäßig durch sogenannte Brückenmusik zum Leben erweckt (veranstaltet von der kgnm – Kölner Gesellschaft für Neue Musik e.V.). Parallel zum romanischen Sommer sind in diesem Jahr Installationen von Pierre Bastien, Hlynur Hallson, Eva-Maria Kollischan und Relly Tarlo geplant. Anschließend steht am 9. und 10.7. in zwei Konzerten unter dem Motto sing things die Stimme im Mittelpunkt (u.a. mit Beth Griffith und Jaap Blonk). http://www.romanischer-sommer.de http://www.kgnm.de Sommerzeit ist Workshopzeit. Am Wuppertaler Standort der Hochschule für Musik Köln kann man sich dem Cello widmen. Matthias Lorenz aus Dresden gibt am 2. und 3.7. Einblicke in neue Spielweisen und Formen in zeitgenössischer Cellomusik und führt diese am Samstagabend in einem Konzert mit Musik von Tom Johnson, Holliger, Aperghis und Michael Meierhof selbst vor. Am 7.7. spielen dann die Studenten selbst Unerhörtes für Cello von Cage, Yun, Zimmermann u.a. http://www.mhs-wuppertal.de/ An der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf findet am 16. und 17.7. ein Meisterkurs inkl. Abschlusskonzert mit Udo Falkner statt. Im Zentrum stehen die Klavierwerke von Wolfgang Rihm. http://www.rsh-duesseldorf.de Im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr hält Herbert Henck vom 18. bis 21.7. in Duisburg einen Meisterkurs Klaviermusik der Gegenwart ab, den passive Teilnehmer kostenlos besuchen können. Das Abschusskonzert am 21.7. bestreiten Teilnehmer des Meisterkurses. Henck selbst ist am 22.7. im Essener Museum Folkwang mit Werken von Charles Koechlin zu hören. Außerdem hat das Klavierfestival noch zwei Uraufführungen im Programm: Am 25.7. spielt Tamara Stefanovich im Hardenberg City-Center in Dortmund eine Auswahl der Miniature estrose, Primo libro von Marco Stroppa sowie Monogramme – 14 Charakterstücke für Klavier von York Höller. http://www.klavierfestival.de Eva Maria Houbens bogenstriche I bis X für Violoncello erklingen am 16.7. gespielt von Laura Hinn in der Dortmunder Petrikirche. http://www.timescraper.de/ Stockhausens monumentale Licht-Oper ist endlich zum Abschluss gekommen, aber schon wendet er sich neuen Ufern zu. Wer sich über den aktuellen Stand der Dinge informieren möchte ist bei Richard Toop in guten Händen, der am 19.7. im Kölner Loft eine bilanzierende Einschätzung des Opern-Zyklus und einen provisorischen Ausblick auf Stockhausens neue Projekte gibt. http://www.loftkoeln.de/ Zum Ausklang des Sommers bzw. zum Auftakt der Herbstsaison setzt die musikFabrik am 27.8. ihre Reihe musikFabrik im WDR fort. Neben anderen Werken kommt eine Neufassung von Emmanuel Nunes Chessed für Ensemble in vier Gruppen zur Uraufführung. http://www.musikfabriknrw.de/deutsch/projekte/wdr/index.htm Soviel zum Sommer. Die nächste Gazette erscheint im September! Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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