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Gazette: Neue Musik in NRW von Petra Hedler - Ausgabe September 2005 |
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Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 04.09.2005, 19:02, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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Gewesen: 5 Jahre Earport in Duisburg und SoundVisions Angekündigt: Kunststation St.Peter – Léandre/Blume – Phil. Köln – Tonhalle – Tsangaris in Köln – Opernpremieren in Köln und Bonn – Ruhrtriennale [5 Jahre Earport in Duisburg und SoundVisions] Viel ist in den letzten Jahren passiert, um dem Duisburger Innenhafen zu neuer Attraktivität zu verhelfen. Dani Karavans Garten der Erinnerung und Zvi Heckers jüdisches Gemeindezentrum gehören zum Interessantesten, was hier entstanden ist. Für viel Aufregung sorgte kürzlich der Kunstspekulant Grothe, dessen im Museum Küppersmühle beheimatete Sammlung unter großer Anteilnahme der internationalen Presse kurzerhand den Besitzer wechselte. Weiter unten am Philosophenweg geht es weniger spektakulär, dafür umso lebendiger zu. Wand an Wand mit den Ausstellungsräumen der Stiftung DKM hat Earport sein Domizil eingerichtet. Earport – das sind die beiden Komponisten Kunsu Shim und Gerhard Stäbler, die vor fünf Jahren diesen Ort für Neue Musik ins Leben gerufen haben. Was sie auszeichnet, ist ihre Fähigkeit und vor allem ihre Lust, Kontakte zu knüpfen, Kooperationen einzugehen und sich auf Neues einzulassen. Ob es sich um die Einbeziehung des Publikums, die Erschließung neuer Sinnesqualitäten durch bewusste Licht- und Duftgestaltung, Projekte mit Jugendlichen oder die Zusammenarbeit mit anderen Kunstformen handelt – nichts ist unmöglich und die Liste der in den letzten fünf Jahren im und um den Earport realisierten Aktionen ist lang. Zum Jubiläum ist eine Broschüre erschienen, die mit Bild und Text so manches Highlight Revue passieren lässt. Zur Zeit sind gleich mehrere Kooperationen mit Tänzern in Arbeit. Am 19.8. zum Beispiel gestalteten Kunsu Shim und Gerhard Stäbler einen gemeinsamen Abend mit den Tänzern Sergio Antonino und Avi Kaiser, die ganz in der Nähe in einer Location namens The Roof am Springwall residieren. Trotz des sommerlichen Hitzestaus unterm Dach hatte sich eine Menge Publikum versammelt – ein Zeichen, dass Earport bei seinen Hörern angekommen ist. Ein weiteres aktuelles Projekt, bei dem Shim und Stäbler mit Torsten Möller zusammengearbeitet haben, ist die Herausgabe von SoundVisions, einem Sammelband, in dem mehr als 150 Beispiele zeitgenössischer Notation vorgestellt werden. Ende der 60er Jahre hat John Cage mit seinem Buch Notations bereits Ähnliches unternommen. Herausgekommen ist damals wie heute ein Überblick über die Vielfalt des Musikschreibens. In seinem kurzen Vorwort hüpft Paul Attinello mit großen Sätzen durch die Geschichte der Notation und singt zum Schluss das hohe Lied des Graphischen. Dabei nimmt er Bezug auf Jacques Derrida, der glaubte, den abendländischen Logozentrismus als Phonozentrismus entlarven zu können, und in den unendlichen Verweisungsstrukturen der vom Autor emanzipierten Schrift einen Ausweg aus der Sackgasse des Präsenzdeckens und der Metaphysik des Ordentlichen und Geradlinigen sah. Auch Attinello glaubt, dass graphische Partituren "uns in Räume versetzen, die wir durch 'pure' Notation oder durch ein transparentes Symbolsystem gar nicht hätten kreieren können." Die Visions im Titel wären damit in einer doppelten Bedeutung zu verstehen, wonach das Sehen Visionäres erschließt. Wenn dem so wäre, dann wäre es um die zeitgenössischen Visionen nicht besonders gut bestellt. Die meisten der im Buch vertretenen Komponisten verlassen sich auf den überkommenen Zeichenfundus, wobei ein mehr oder minder transparentes ergänzendes Symbolsystem heute zum Standard gehört. Manchmal sind zeichnerische Elemente integriert. So bei Sven Hermann, der seine Noten mit Comics aufpeppt. Dem rein Graphischen vertrauen nur wenige, so zum Beispiel Hans Wüthrich, der Hinweise für eine musikalische Inszenierung einer Skizze von Leonardo da Vinci gibt, oder Anton Lukoszevieze, der Tintenflecken und bis zur Unkenntlichkeit übereinandergelagerte Textfragmente zur freien Realisierung anbietet. Ob daraus dann wirklich die kühneren Klänge erwachsen, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Cages Skepsis gegenüber freier Improvisation, die nur allzu schnell Gefahr läuft, in altbewährten seichten Gewässern zu stranden, ist bekannt und sicher nicht unbegründet. Bei allem Spaß am Stöbern und Entdecken hätte ich mir oftmals ergänzende Informationen gewünscht. Die Herausgeber haben sich auf die Rolle der Sammler beschränkt und so blieb es den Komponisten überlassen, erläuternde Kommentare anzubieten oder nicht. Immerhin kann man sich an den Handschriften von Kurtág, Lachenmann, Ligeti und vielen anderen Koryphäen ergötzen. Insgesamt wirft das Buch viele Fragen auf über den Zusammenhang zwischen Hör- und Sichtbarem, zwischen Notation und Innovation. Sie zu beantworten oder sich zumindest damit auseinander zu setzen, überlässt es dem Leser. www.kunsu-shim.de www.gerhard-staebler.de www.earport.de [im September:] Seitdem in der Kunststation St. Peter in Köln eine neue Orgel in Betrieb genommen wurde, ist dort regelmäßig zeitgenössische Musik für dieses Instrument zu hören. Verantwortlich hierfür zeichnen Peter Bares und Frank Stanzl, die am 4. sowie am 18.9. Improvisationen und neue Orgelmusik zu Gehör bringen. Am 25.9.05 folgt ein Klavierabend mit Pjotr Kedzierski und Musik von Stockhausen, Feldman u.a. www.kunst-station.de Die Bassistin Joëlle Léandre ist sowohl in der komponierten als auch in der improvisierten Musik bestens zu Hause. Die Liste der Leute, mit denen sie bereits zusammengearbeitet hat, ist lang und gespickt mit vielen hochkarätigen Namen. Im September ist sie gleich dreimal zusammen mit Martin Blume und Frank Gratkowski zu erleben: am 9.9. in Bielefeld, am 10.9. im Museum Bochum und am 11.9. im Kölner Loft. www.martinblume.de/ (Termine) www.loftkoeln.de/ (weitere Infos) Zum Auftakt der Saison bietet die Kölner Philharmonie einen chinesischen und einen italienischen Abend. Am 9.9. spielt das holländische Nieuw Ensemble unter Ed Spanjaard Werke chinesischer Komponisten und am 25.9. ist das Arditti Quartett mit Streichquartetten von Francesconi, Scarrino, Gervasoni und Berio zu Gast. Übrigens ist das Arditti Quartet mit seinem neuen zweiten Violinisten Ashot Sarkissjan zu erleben und vielleicht zum letzten Mal in unserer Region mit Rohan de Saram. Er wird das Arditti Quartett zum Jahresende verlassen (ich werde ihn vermissen!). Sein Nachfolger ist Lucas Fels vom ensemble recherche. www.koelner-philharmonie.de/ Bei den Wittener Kammermusiktagen konnte mich Manos Tsangaris in diesem Jahr nicht so ganz überzeugen. Im Rahmen der Kölner Tanzperformance-Tage in der Halle Kalk ist er am 8.9. und 9.9. wieder in seinem ureigensten Element zu erleben. Mit hintergründigen, poetischen Musiktheaterminiaturen. www.tanzperformance.net Die Düsseldorfer Tonhalle wird zur Zeit gründlich saniert und steht voraussichtlich erst ab November wieder für Konzerte zur Verfügung. Als Ausweichquartier dient unter anderem der Robert-Schumann-Saal im museum kunst palast. Dort ist am 15.9. ein Konzert mit dem notabu.ensemble zum 60. Todestag von Anton Webern zu hören. www.tonhalle-duesseldorf.de/ Die Opernsaison wird in Köln und Bonn eingeläutet. Henzes altbewährte Bassariden haben am 15.9.05 am Kölner Opernhaus Premiere. Auch Jan Müller-Wieland befasst sich in seinem Musiktheaterwerk Die Irre oder Nächtlicher Fischfang, das am 28.9. in Kooperation mit dem Theater Bonn in der Kunst- und Ausstellungshalle uraufgeführt wird, mit den Themen Gewalt und Gewaltentstehung. Dabei hat er sich mal nicht von Literatur sondern von bildender Kunst anregen lassen und zwar von Skulpturen von Thomas Schütte. Herausgekommen sind 38 kurze Szenen, die laut Vorankündigung "auf ungewohnt unterhaltsame Weise" "auf einer kabarettistisch-distanzierten Ebene" einen komisch-überrealen Alpraum präsentieren. Die Inszenierung besorgt Werner Schroeter. www.buehnenkoeln.de http://theaterbonn.bgp.de Nach der Uraufführung im Rahmen der Münchner Biennale 2004 ist Brian Ferneyhoughs Oper Shadowtime ab 30.9. im Rahmen der Ruhrtriennale in der Jahrhunderthalle in Bochum zu sehen. In einem Kaleidoskop von sieben Klang- und Bildstationen beschäftigt sich Ferneyhough mit Walter Benjamin und seinem Tod an der spanischen Grenze in Port Bou am 26.9.1944. Auch bei einigen anderen Kreationen und Interventionen tauchen Namen aus der Neue Musik-Szene auf. Moritz Eggert wagt sich an ein Fußballoratorium und blickt dabei in Die Tiefe des Raumes (11. und 18.9. Jahrhunderthalle). In der Essener Kokerei Zollverein wird im August und Septemer die szenische Installation Nächte unter Tage mit Musik von Elena Kats-Chernin uraufgeführt. www.ruhrtriennale.de Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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