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Gazette: Neue Musik in NRW von Petra Hedler - Ausgabe Oktober 2005 |
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| (möchten Sie diese Gazette monatlich neu per e-mail erhalten?
Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 30.09.2005, 14:57, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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Gewesen: Musik aus China mit dem Nieuw Ensemble und Henzes Bassariden in Köln Angekündigt: 40 Jahre Studio für elektronische Musik der MHS Köln - Kölner Musiknacht – Klangraum Düsseldorf – Experimetelles im Museum Bochum, der Galerie Haferkamp und der Kölner Feuerwache – About Baroque in Dortmund [Musik aus China mit dem Nieuw Ensemble] Am 9.9. war das Amsterdamer Nieuw Ensemble unter der Leitung von Ed Spanjaard in der Kölner Philharmonie zu Gast. Die Musiker setzen sich schon seit langem mit chinesischer zeitgenössischer Musik auseinander und hatten daher ein rein chinesisches Programm mit fünf Werken aus den Jahren 1991 bis 1996 im Gepäck. Mo Wuping (*1958) komponiert fein ziselierte Klanglandschaften über stets durchscheinender chinesischer Grundstimmung. Eingebettet in Fan I (1991) ist die ausdrucksstarke Stimme des Baritons Shi Kelong. Xu Shuya (*1961) spielt in Vacuité/Consistance (1996) mit Kontrasten: zwischen europäischem und chinesischem Instrumentarium (mit dabei die Kurzhalslaute pipa und die 16-saitige Halbröhrenzitter zheng), zwischen rhythmischen Zupf- und glissandierenden Streicherklängen, zwischen Fülle und Leere. Guo Wenjing (*1956) lässt sich sowohl von Musik seiner Heimat als auch von Naturgeräuschen inspirieren. Inscriptions on Bone (1996) beeindruckt besonders durch die aus der Tiefe aufsteigende, beschwörende Altstimme von Hilary Summers. Tan Dun (*1957) war mit Circle (1992) vertreten. Im Raum verteilte Instrumentengruppen heben aus dem Nichts an und bewegen sich von Pausen durchsetzt am Rand der Stille. Dann findet ein Verdichtungsprozess statt, auf dessen Höhepunkt auch das Publikum durch „Zwitschern, Schwätzen und Rufen“ aktiv beteiligt wird – ein kurzer, flüchtiger Moment bevor die Musik sanft ausklingt. Chen Qigangs (*1955) Stück Poème lyrique II lebt von Shi Kelongs kraftvoller und vielseitiger, am Rezitativstil der Peking-Oper geschulter Stimme. Die begleitende Musik ist allerdings etwas süßlich bzw. pathetisch geraten. Für außereuropäische Komponisten ist es natürlich extrem schwer, es unseren europäischen Ohren recht zu machen. Bleiben sie (aus unserer Sicht) zu sehr dem Eigenen verhaftet, wird ihre Musik als folkloristisch abgestempelt oder gönnerhaft in die Abteilung Weltmusik ausgelagert. Klingt sie uns zu bekannt, ist schnell der Vorwurf des Epigonentums bei der Hand. Der Grat zwischen Folklore und Anbiederung ist schmal und die Beurteilungshoheit über Erfolg oder Misserfolg bleibt allemal in europäischen Händen. Dies vorrausgeschickt haben sich die chinesischen Komponisten gar nicht schlecht geschlagen, doch voreingenommen wie ich nun einmal bin, war mir die Musik insgesamt zu brav. Vielleicht ist sie aber genau dadurch aktuell wie nie zuvor, denn Ecken und Kanten sind zur Zeit auch bei unseren heimischen Gewächsen die Ausnahme. Das Nieuw Ensemble hat übrigens einen Nieuw Ensemble’s Young Chinese Composers Competition ausgerichtet. Die fünf Gewinner sind im Oktober im Rahmen des Amsterdam China Festival zu hören. Außerdem ist das Nieuw Ensemble bei der Ruhrtriennale an der Aufführung von Ferneyhoughs Oper Shadowtime am 30.9. sowie am 1. und 2.10. beteiligt. www.nieuw-ensemble.nl www.koelner-philharmonie.de www.ruhrtriennale.de [Henzes Bassariden in Köln] Die Zeiten ändern sich und so kann ich auch Henzes Oper The Bassarids, die an der Oper Köln in der englischen Originalfassung (Libretto von Wystan Hugh Auden und Chester Kallmann) Premiere hatte, wohlwollend aufnehmen. Fast vierzig Jahre nach der Uraufführung höre ich sie als historische Musik, die zwar nichts Revolutionäres hat und nie hatte, aber durchaus gut gemacht ist. Sowohl die Musiker unter der Leitung von Markus Stenz als auch die Sänger, allen voran Ray M. Wade jr. als Dionysos, Urban Malmberg als Pentheus und Dalila Schaechter als Agaue, ließen keine Wünsche offen. Man konnte ganz in die Musik eintauchen und in Henzes üppigen Klängen schwelgen. Weniger beglückt haben mich Inszenierung und Personenführung. In einer postmodernistischen Kulisse agieren Teiresias als tuntiger Geck und Agaue als aufgetakelte Tussi. Allein die Ausnutzung des Bühnenhintergrundes für die Chorszenen ergab einige effektvolle Bilder. Dionysisch im Sinne von ekstatisch, entgrenzend, gefährlich wird es an keiner Stelle, aber das haben Henze und seine Musik auch nicht vorgesehen. Nicht umsonst wird Dionysos vorzugsweise durch tonale und harmonische Klänge charakterisiert. Sobald der Gott der orgiastischen Verzückung auftritt, schwappt Schönklang über die Rampe. Das irritiert noch immer. Dies ist Musik, die ihre Grenzen kennt und sie genussvoll ausschreitet, aber niemals auch nur den Versuch unternimmt an ihnen zu rütteln, geschweige denn sie zu überschreiten. Dazu fällt mir natürlich sofort Nietzsche ein, der in seiner Geburt der Trägodie bereits feststellte, dass es „dem in der Genesis der Oper und im Wesen der durch sie repräsentierten Cultur lauernden Optimismus ... in beängstigender Schnelligkeit gelungen [ist], die Musik ihrer dionysischen Weltbestimmung zu entkleiden und ihr einen formenspielerischen, vergnüglichen Charakter aufzuprägen.“ Genau das Richtige für Heiterkeitsmenschen! www.buehnenkoeln.de [next:] Für Grenzüberschreitungen sind und waren andere zuständig, zum Beispiel Helmut Lachenmann, dem derzeit landauf landab zu seinem 70sten Geburtstagsständchen bereitet werden. Der WDR ist erst im November dabei. Wer nicht so lange warten kann, muss nach Berlin, wo vom 17. bis 23.10 eine ganze Woche Lachenmann nonstop zu hören ist. www.konzerthaus.de Hier noch ein paar Tipps für die Daheimbleibenden: Das Studio für elektronische Musik der Kölner Musikhochschule feiert sein 40-jähriges Bestehen mit einem elektronischen Hofkonzert am Sonntag, dem 9. Oktober 2005, von 13 bis 18 Uhr im Innenhof des Museums für Angewandte Kunst. Unter dem Motto KLANG-KUNST-KOMMUNIKATION werden über eine Spezial-Mehrkanalanlage 18 Kompositionen gespielt, die zwischen 1967 und 2004 im elektronischen Hochschulstudio realisiert wurden. Die Besucher sind eingeladen - bei einem Glas Wein oder Kölsch und freiem Eintritt - zu wandeln, dazusitzen, zu diskutieren und natürlich zu hören. www.mhs-koeln.de/ Unter dem Motto Köln. Klingt gut findet am 22.10. eine Musiknacht mit üppigem Programm statt. An die 80 Ensembles zeigen an fast 40 Spielstätten, was Köln musikalisch zu bieten hat. In der Philharmonie spielt das Klangforum Wien Sciarrino, in der Kunststation St. Peter öffnet das Feedbackstudio seine Archive, Cage-Klänge suchen das Oberlandesgericht heim und vieles andere mehr. www.musiknacht-koeln.de Für ungewöhnliche Klänge ist der Düsseldorfer Klangraum bereits bekannt. Die Konzerte der aktuellen Saison zeichnen sich zusätzlich durch eine ungewöhnliche Zeitstruktur aus. Am 23.10. ab 13.00 wird Eva-Maria Houbens à l’unisson 1-7 gespielt. Die einzelnen Stücke beginnen jeweils zur vollen Stunde. Wer Lust hat, kann sich auf einen langen Nachmittag einstellen. www.wandelweiser.de/klangraum.html Am 31.10. beendet Erwin Stache in der Galerie Haferkamp seine aktuelle Ausstellung mit einer Performance, bei der unter anderem Miniräder, Sprachkarren, Alarmgeber und Würfelhexadezimeter (?) zum Einsatz kommen werden. www.gerngesehen.de www.rachelhaferkamp.de www.erwinstache.de Im Museum Bochum erklingt nach dem wunderbaren Konzert mit Joëlle Leandre im September erneut improvisierte Musik. Am 29.10 spielt das australisch/englisch/deutsche Quintett Lines, dem neben Martin Blume Jim Denley, Axel Dörner, Phil Wachsmann und Marcio Mattos angehören. www.martinblume.de Beim Experimentierfeld neue Musik in der alten Feuerwache Köln widmen sich am 27.10. Seth Josel, Ulrich Krieger und Anton Lukoszevieze frühen Stücken von Gavin Bryars, die zum einen noch stark der Post-Fluxus Tradition verbunden sind und zum anderen den wichtigen Einfluss John Cages zeigen. www.altefeuerwachekoeln.de/programm.html http://josel.sheerpluck.de Unter dem Motto About Baroque hat das Siemens Arts Programm fünf zeitgenössische Komponisten eingeladen sich mit historischer Aufführungspraxis zu befassen. Während einer intensiven Vorbereitungsphase hatten die Komponisten Juliane Klein, Rebecca Saunders, Benjamin Schweitzer, Michel van der Aa und Nadir Vassena die Gelegenheit, die Arbeit des Freiburger Barockorchesters zu studieren und sich davon zu eigenen Werken anregen zu lassen. Das Ergebnis ist nach der Uraufführung beim Lucerne Festival im Konzerthaus Dortmund am 16.10. zu erleben. Um 19 Uhr hält Rebecca Saunders einen Einführungsvortrag. www.konzerthaus-dortmund.de https://interhost.siemens.de/artsprogram/projekte/musik/about_baroque/index.php Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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