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Gazette: Neue Musik in NRW von Petra Hedler - Ausgabe März 2006 |
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| (möchten Sie diese Gazette monatlich neu per e-mail erhalten?
Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 28.02.2006, 10:12, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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Gewesen: Neue Musik in Hombroich – Musik & Film in der Philharmonie Essen Angekündigt: Arditti Quartet, musikFabrik, ensemble modern, Ensemble Milano – Forum neuer Musik beim DLF – Opern in Köln, Gelsenkirchen und Aachen [Neue Musik in Hombroich] Zwei schöne Konzerte waren am 18. und 19.2. in der Scheune der Museumsinsel Hombroich zu erleben. Am Samstagabend hatten sich angesichts des nasskalten Wetters nur wenige Unverdrossene ihren Weg durch die schwach beleuchteten Erftauen gebahnt, aber die Mühen wurden belohnt. Der Gitarrist Jürgen Ruck wartete mit einem Goya-Programm auf, das auf das Jahr 2003 zurückgeht, als Ruck anlässlich einer Ausstellung der Caprichos in der Staatsgalerie Stuttgart gebeten wurde, ein thematisch darauf bezogenes Konzert zu geben. In der Folge ließen sich, von Ruck angeregt und diesem gewidmet, eine ganze Reihe von Komponisten von Goyas Radierungen zu kleinen Gitarrenstücken inspirieren, wovon eine Auswahl zu hören war. Wer allerdings dramatische Werke mit spanischem Temperament erwartet oder befürchtet hatte, lag gänzlich falsch. Auch die Bezugnahme auf die Bilder geriet für mich letztlich zur Nebensache. Stattdessen zog mich Rucks sensible und höchst differenzierte Behandlung der Akustikgitarre, sonst nicht gerade mein Lieblingsinstrument in der Neuen Musik, zunehmend in seinen Bann. Kaum zu glauben, welch filigrane Zwischentöne und Nuancen zwischen sich auflösendem Klang und metallisch-trockener Geräuschhaftigkeit möglich sind. Einzelne Komponisten aus der langen Liste herauszupflücken erspare ich mir. Ein schöner Abend! Auch das Konzert am Sonntagmorgen mit dem 2000 in Karlsruhe gegründeten Ensemble Omega enttäuschte nicht. Den Auftakt machte Dieter Macks Lalangan für Klavier und Schlagzeug, ein sehr verhaltenes Stück, bei dem sich aus reduzierten, isolierten Klängen kleine Inseln bilden, die sich rasch wieder auflösen. Klaus K. Hüblers Chanson sans parole für Klarinette, Cello und Klavier problematisiert die Interaktion der Akteure. Vereinzelte „Gesprächsangebote“ in Gestalt überkommener Melodielinien laufen ins Leere und versanden im Tonlosen und Geräuschhaften. Auch Oboe und Claves in Birtwistles Pulse Sampler finden rhythmisch nicht recht zusammen, doch hier überwiegt die bei allem Stolpern und Straucheln virtuos vorwärtsdrängende Bewegung. Zwei Werke steuerte der Ensemble-Leiter Bernd Asmus bei. Knell, ein Requiem für Klavier, arbeitet sich manchmal etwas zu bemüht an den tiefen Registern ab. Der Zeitbrunnen (der Zeit nicht ein- sondern austeilen will!) erscheint als ruhig strömendes, filigranes Gespinst, in dessen Mitte ein nicht enden wollender Klavierwirbel um sich selbst kreist. Mehr überzeugt haben mich Michael Reudenbachs (Bruch)Stück(e), karges Knacken und Huschen, auf das das von Cortázar entlehnte Diktum von der „unerbittlichen Subtraktion“ uneingeschränkt zutrifft. Nach dem Konzert schien die Sonne und es kam fast so etwas wie Frühlingsstimmung auf! www.inselhombroich.de [Musik & Film in der Philharmonie Essen ] Am 14.2. war die musikFabrik in der Essener Philharmonie mit einem Programm unter dem Motto Musik&Film zu Gast; ein irreführender Titel, denn Martin Matalons Las siete vidas de un gato zu Buñuels berühmtem Film Un chien andalou war das einzige Werk des Abends, bei dem ein direkter Filmbezug auszumachen war. Allerdings sind auch die anderen beiden vertretenen Komponisten, Heiner Goebbels und Thierry de Mey, dafür bekannt, dass sie sich nicht auf abstrakte neue E-Musik beschränken, sondern vielfältige Verbindungen mit Tanz, Theater, Video und Film eingehen. Goebbels Red Run zum Beispiel ist ursprünglich für die Tänzerin Amanda Miller entstanden. Es handelt sich um einen Parforceritt, bei dem beschwingte Pianofloskeln und schwelgende Streicherpassagen hin und wieder von geräuschhaften Störattacken durchpflügt oder von elektronisch verstärkten Instrumentaleffekten gewürzt werden. Viel Lärm um nichts. Auch der Belgier Thierry de Mey ist durch seine Zusammenarbeit mit Choreographen bekannt geworden und beide Stücke des Abends sind bereits vertanzt worden. In Musique de tables bearbeiten drei Schlagzeuger elektrisch verstärkte Tische, während auf einer Videoleinwand bewegte geometrische Figuren entstehen. In den Trois Mouvements für Streichquartett zeigt er sich von seiner lyrischen Seite, die allerdings sehr strickmusterhaft daher kommt. Der Argentinier Martin Matalon, der auch am Dirigentenpult stand, war ebenfalls mit zwei Werken vertreten. Trame VII für Horn und Ensemble entfaltet einen farbigen Bilderbogen, mal zart hingetupft und hingeklöppelt, mal pastos aufgetragen, vom Solohorn feingliedrig garniert, dabei aber stets an der Oberfläche segelnd ohne jeden Tiefgang, was bei nur mäßig bewegter See schon bald langweilig wurde. Die eigentliche Enttäuschung war jedoch Matalons bereits erwähnte Filmmusik zu Buñuel. Ohne Punkt und Komma legt er eine Klangfolie über die Bilder, die trotz einiger Hektik zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd die aggressive Spannung vermittelt, die bei Buñuel aus jeder Einstellung spricht. Da waren Wagners Tristan und argentinische Tangos, die bei der Uraufführung des Films erklangen, ohne Frage die bessere Wahl. http://www.musikfabriknrw.de/ http://www.philharmonie-essen.de/ [Tipps für den März] Die Werke von Thierry de Mey sind zusammen mit Steve Reichs Different Trains noch einmal am 5.3. im Bochumer Prinz-Regenten-Theater zu hören. Bereits am 3.3. spielt die musikFabrik beim WDR in Köln Musik von de Mey, Vykintas Baltakas, Philippe Boesmans (UA), Richard Barrett und Nicolaus A. Huber. http://www.musikfabriknrw.de/ Am 25.3. lädt der WDR zur Nachtmusik mit Chorwerken von Maderna und Xenakis. http://www.wdr.de/radio/orchester/veranstaltungen/veranstaltungskalender/maerz06.html Einen ganzen Steve-Reich-Abend inklusive Uraufführung kann man am 18.3. in der Kölner Philharmonie erleben. Das neue Stück Variations für Vibraphon, Klaviere und Streicher wurde zum 70sten Geburtstag des Komponisten von der European Concert Hall Organisation (Echo) in Auftrag gegeben und ist in Köln in einer von Akram Chan und seiner Company choreographierten und getanzten Version zu erleben. Ich persönlich freue mich mehr auf das Konzert mit dem Arditti Quartet am 10.3., mit Lukas Fels als neuem Cellisten. Zu hören sind u.a. Uraufführungen von Johannes Maria Staud und Isabel Mundry. http://www.koelner-philharmonie.de Das Konzerthaus Dortmund präsentiert am 9.3. Das junge Italien - Musica d'insieme. Robert HP Platz dirigiert das Ensemble Milano, wobei viele namhafte italienische Komponisten von Berio und Francesconi bis Gervasoni und Scordanibbio zu Gehör kommen. http://www.konzerthaus-dortmund.de/ In der Philharmonie Essen kann man am 30.3. mit dem ensemble modern eine Klangreise nach China unternehmen: Yi Chen, Xiao-Song Qu, Qigang Chen, Xiaogang Ye, Lida Zhang, Long Zhou und Dun Tan, so die für mich teilweise noch recht ungewohnten Komponistennamen. http://www.philharmonie-essen.de/ Auch dem Forum neuer Musik des Deutschlandfunk, das vom 17. bis 19.3. im Kölner Sendesaal am Raderberggürtel stattfindet, erscheint der Blick nach Asien nach eigener Aussage zwingend. Das Hamburger Ensemble Intégrales stellt die Früchte seiner Reisen in die Mongolei und den Iran vor, Makiko Goto und Jeremias Schwarzer kombinieren Koto und Blockflöte und das Ensemble Gending spielt Musik für Gamelan und Tape. Außerdem ist eine elektroakustische Arbeit von Inge Morgenroth und eine Klangperformance von Yueyang Wang zu erleben. Den Auftakt macht ein Porträtkonzert als späte Gratulation zum 60. Geburtstag von Klarenz Barlow, der sich neben seiner intensiven Beschäftigung mir dem Computer auch von indischer Musik anregen ließ. www.dradio.de/wir/veranstaltungen/ Auch ein paar neue Opern gehen im März über die Bühne. Das Theater Aachen wagt sich an Cages Europeras (Premiere am 25.3.) und das Musiktheater im Revier lässt Roland Mosers komisch-phantastische Oper Avatar aus dem Jahre 2003 wieder auferstehen (ein abendfüllendes Vergnügen mit einer dem Verständnis des Textes dienenden Vertonung). Die Premiere findet am 4.3. statt. http://www.theater-aachen.de/ http://www.musiktheater-im-revier.de/ In Köln hat man passend zur kommenden Dali-Austellung bei Marc-Aurel Flores eine Oper über Gala in Auftrag gegeben (Uraufführung am 20.3.). http://www.buehnenkoeln.de Musik passend zur Kunst scheint im Trend zu liegen. In Bonn darf Klaus Lang im Rahmenprogramm zur Ausstellung Barock im Vatikan unter dem Titel Der rote Spiegel Werke der Barockmusik „mit einer zeitgenössischen Komposition musikalisch umschreiben“ (am 5.3. in der Bundeskunsthalle Bonn) http://www.bundeskunsthalle.de/ Wer mehr Lust auf Improvisiertes hat kann sich am 17.3. auf ein Zusammentreffen der Duos Uli Böttcher (Electronics)/ Paul Hubweber (Posaune) und Angelika Sheridan (Flöten) / Paul Lytton (Percussion) freuen. Das Konzert findet in der Reihe „unerhört“ in der Wuppertaler neuen reformierten Kirche in der Sophienstraße statt. Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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