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Gazette: Neue Musik in NRW von Petra Hedler - Ausgabe April 2006 |
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| (möchten Sie diese Gazette monatlich neu per e-mail erhalten?
Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 27.03.2006, 18:09, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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| [NM April 2006]
Gewesen: WDR-Konzert – Nozart – RuhrKlang Angekündigt: Improvisation – Opern in Bonn und Köln – YOURoupe together in Essen – Thürmchen-Ensemble [WDR-Konzert] Am 10.3.fand im Rahmen der WDR-Reihe Musik der Zeit in der Kölner Philharmonie ein Konzert mit dem WDR Sinfonieorchester und dem Arditti Quartet statt. Unter anderem standen Uraufführungen von Johannes Maria Staud und Isabel Mundry auf dem Programm. Beide greifen auf eigenes älteres Material zurück und lassen Orchester und Einzelinstrumente in Zwiesprache treten. Stauds Incipit III ist Weiterführung und zugleich Abschluss seiner Incipit-Reihe, die in enger Zusammenarbeit mit dem Posaunisten Uwe Dierksen entstand und zu der außerdem die Werke Incipit für Altposaune und fünf Instrumente und Esquisse retouchée (Incipit II) für Posaune solo und Bass-Drum gehören. Auch im aktuellen Werk wird die Posaune dem gesamten Orchester gegenübergestellt, wobei sich vielfältige subtile Wechselwirkungen ergeben. Noch komplexer ist die Ausgangskonstellation von Isabel Mundrys Zeichnungen. Dem Arditti Quartet wird ein am Rand postiertes Schattenquartett sowie das als Superstreichquartett fungierende Orchester gegenübergestellt. In beiden Stücken macht es Spaß, den vielfältigen Spiegelungen und Brechungen, den Echos, Abtönungen und Verzweigungen der Klänge zu lauschen und zu folgen. Das Werk, das ich im Innern mit nach Hause getragen habe, war jedoch Bruno Madernas Stele per Diotima aus dem Jahre 1965. Den harschen, wahrhaft stelenhaft gesetzten Orchesterakkorden des Anfangs folgt ein Verströmen der Einzelinstrumente, allen voran der Violine, das noch lange nachhallt. www.koelner-philharmonie.de/ [nozart] Auf dem Heimweg haben wir noch beim Nozart-Festival vorbeigeschaut. Das Festival für freie Improvisation und zeitgenössische Krach-Musik fand bereits zum zehnten Mal im Basement unter der Christuskirche statt und hatte diesmal große Namen auf dem Programm. Am Freitag kamen wir gerade noch rechtzeitig, um den holländischen Schlagzeuger Han Bennink in seinem Element zu erleben. Gemeinsam mit André Goudbeek (Sax) und Peter Jacquemyn (Kontrabass) lieferte er soliden freien Jazz. Anders ging die österreichische Truppe Wiener Blut mit Franz Hautzinger (Trompete), Max Nagl (Sax), Wolfgang Mitterer (Elektronik), Achim Tang (Bass) und Reinhard Winkler (Perkussion) ans Werk. Hier ging es nicht um ausgefeilte Spannungsbögen und subtile Wechsel zwischen Soli und Tutti sondern immer ums Ganze. Der intensive, stets die Spannung haltende, dabei in sich vielfältig differenzierte Sound bohrte sich direkt in die Magengrube und löste dort jenes wohlige Kribbeln aus, das nur intelligenter Lärm zu erzeugen vermag. Wie der Samstag zeigte, war das noch steigerungsfähig. Zuerst betraten Jon Rose (Violine), Thomas Lehn (Synthesizer) und Johannes Bauer (Posaune) die Bühne. Jeder einzelne ist schon eine Reise wert und die Art, wie sie sich an ihren Gerätschaften abarbeiten, ist nicht nur ein akustisches sondern auch ein optisches Vergnügen. Anschließend wurde es elektronisch. Michel Waisvisz war aus Amsterdam angereist, wo er am STEIM-Institut eine Reihe von Spezialinstrumenten entwickelt hat. Einige davon, allen voran die berühmten elektronischen Hände, konnten in vollem Einsatz erlebt werden. Gemeinsam mit Jan St. Werner bot er eine Performance voller Witz und Elan. Wunderbar rabiat wurde es dann mit Peter Brötzmann. Er spielt Saxophon wie ein Berserker und zeigt auch mit 65 Jahren noch keine Ermüdungserscheinungen. Dazu kam der besondere Genuss, Michael Wertmüller am Schlagzeug zu erleben. Aus dem Stand setzt er alles in mehreren hundert Metern Reichweite unter Strom. Wertmüller und Brötzmann, grundiert von Marino Pliakas E-Bass, erzeugten eine Energiewelle, die das Publikum regelrecht in die Sitze drückte. Zum Schluss spielte die Oliver Twist-Kombo Punkartiges für höhere Töchter und Söhne. Offenbar will man sich damit das Publikum von morgen gewogen machen. Mir soll’s recht sein, ich bin bereits vorher auf meine Kosten gekommen. www.nozart.de [sound samples mit RuhrKlang] An der Werdener Musikschule fand am 12.3. die Auftaktveranstaltung der Reihe sound samples statt, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Musik des 20. und 21. Jahrhunderts für junge und noch nicht Neue-Musik-erprobte Ohren zugänglich zu machen. Jeweils ein zeitgenössisches Werk wird erläutert und von Mitgliedern des Ensembles RuhrKlang aufgeführt. Als Einstieg erklang verHört für Klarinette und Live-Elektronik von Markus Stollenwerk, dem Initiator der Konzertreihe. Der kleine Aufführungsraum war gut gefüllt und zur Einstimmung erläuterte Stollenwerk auf anschauliche Weise mit Hilfe von Klangbeispielen sein Werk. VerHört lässt „hören“, „sich verhören“ aber auch „das Verhör“ anklingen und wiedereinmal war es Beckett, der Anregungen lieferte. Die brüchigen, manchmal schroffen, meist verhaltenen, gelegentlich aufbegehrenden Klänge, die durch Multiphonics und behutsame live-elektronische Bearbeitung eine zusätzliche Verfremdung erfahren, bringen diese doppelbödige Stimmung gut zum Ausdruck. Vor allem die jüngeren Zuhörer waren dadurch etwas überfordert, was zu einer Geräuschkulisse führte, die es manchmal schwer machte, der Musik wirklich gerecht zu werden. Das muss aber bei der genannten Zielsetzung in Kauf genommen werden. Aller Anfang ist schwer und ich hoffe, dass es noch viele Folgeveranstaltungen gibt, bei denen Zuhörer und Mitwirkende sich aufeinander zu bewegen können. Zu diesem Zweck wäre es gut gewesen, wenn auch nach der Aufführung ein Austausch stattgefunden hätte. Ein besonderes Lob geht an den Klarinettisten Benjamin Reissenberger, der mit äußerster Konzentration und Präzision bei der Sache war und sich durch nichts aus der Ruhe bringen ließ. Im April geht es weiter: Am 9.4. erklingt Xenakis’ Rebonds. www.ensemble-ruhrklang.de www.ruhrklang.kulturserver-nrw.de/ www.werdenermusikschule.de [Weitere Tipps für den April] Einige Protagonisten des Nozart-Festivals sind auch im April in der Region zu erleben. Thomas Lehn traktiert seinen Analog-Synthesizer am 2.4. in der Kunsthalle Hangelar in Sankt Augustin und am 3.4.in der Friedenskirche in Köln. www.setzit.de/kdw5/Konzerte/indexKO.html Peter Brötzmann ist am 1.4. in der Reihe Nachtfoyer im Wuppertaler Schauspielhaus zu Gast – ein Nachtrag zu seinem 65. Geburtstag. www.wuppertaler-buehnen.de/ Ein anderer großer Wuppertaler Meister der improvisierten Musik, Peter Kowald, wäre am 21.3. 60 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass spielen an diesem Tag an seiner ehemaligen Wirkungsstätte, dem immer noch sehr aktiven Ort in der Luisenstraße, Floros Floridis (Saxophon und Klarinetten), Jean-Marc Montera (Gitarre) und Paul Lytton (Perkussion). www.kowald-ort.com/termine-21-04-06.html In Köln wird am 7.4. Jan Müller-Wielands neue Oper Der Held der westlichen Welt uraufgeführt. Ein „zierliches Bürschchen“ behauptet, seinen Vater ermordet zu haben, und wird daraufhin zum Helden der westlichen Welt ausgerufen. Ein reichlich verquerer Plot, der auf John Millington Synges Stück The Playboy of the Western World, einer tragikomischen Variante des Ödipus-Mythos, beruht. www.buehnenkoeln.de/ In der Reihe Bonn chance! kommt am 19.4. die Oper Fahrenheit 451 des australischen Komponisten Brenton Broadstock zur deutschen Erstaufführung. Die Geschichte über einen totalitären Zukunftsstaat, in dem Bücher verboten sind (bei Fahrenheit 451 beginnt Papier zu brennen) ist bisher vor allem durch die filmische Umsetzung von François Truffaut bekannt geworden. http://theaterbonn.bgp.de/ Ein Riesenprojekt hat sich die Philharmonie Essen unter dem Motto YOURoupe together vorgenommen. Junge Komponisten und Kammer-Ensembles aus den europäischen Mitgliedsstaaten, den Beitrittsländern - aber auch der Türkei – wurden eingeladen, Beiträge einzusenden. In den geplanten 29 Konzerten, die im Zeitraum von April 2006 bis Juli 2011 stattfinden werden, sollen sich die besten jungen Komponisten und Musiker mit Werken zeitgenössischer Musik aus ihren jeweiligen Ländern in Essen präsentieren. Den Auftakt am 20.4. macht ausgerechnet die Türkei! www.philharmonie-essen.de/ Am 19.4. nähern sich Heinz-Klaus Metzger, Herausgeber der Reihe Musik Konzepte und Verfasser zahlreicher musikwissenschaftlicher Texte, und das Thürmchen Ensemble in der Alten Feuerwache in Köln dem Thema Sprach-Klang. Neben Wasserschloß für Stimme und Ensemble von Thomas Stiegler kommen zwei Kompositionsaufträge des Ensembles für Jaap Blonk aus den Niederlanden und Carsten Hennig aus Dresden zur Uraufführung. www.altefeuerwachekoeln.de/programm.html www.thuermchen.de www.metzger-riehn.de Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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