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Gazette: Neue Musik in NRW - Ausgabe Mai 2006 |
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| (möchten Sie diese Gazette monatlich neu per e-mail erhalten?
Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 01.05.2006, 14:17, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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| [NM Mai 2006]
Gewesen: CalArts Studenten in Dortmund und Düsseldorf – YOUrope together in Essen Angekündigt: Witten – Bergische Biennale – Musikfest Siegen – WDR u. a. m. [CalArts Studenten in Dortmund und Düsseldorf] Die Mitglieder der Wandelweiser-Gruppe, Komponistenverbund, Ensemble und Verlag in einem, sind über die ganze Welt verstreut und pflegen ständigen kreativen Austausch. Im April war Michael Pisaro, Hochschullehrer am California Institute of the Arts (CalArts) mit seinen Studenten in Dortmund bei Eva Maria Houben zu Gast, die ihrerseits mit ihren Studenten im letzten Jahr nach Kalifornien gereist war. In Dortmund fanden vom 18. bis zum 24.4. eine Vielzahl gemeinsamer Veranstaltungen statt und eine Kostprobe davon war am 22. und 23.4. auch im Düsseldorfer Klangraum zu erleben. Bei allen individuellen Unterschieden zeichnet sich die Musik der Wandelweiser vor allem durch ein Umkreisen der Stille aus oder wie es Antoine Beuger ausdrückt: „ eine musik, deren qualität nicht in ihrem stattfinden liegt, sondern in der unentscheidbarkeit, ob sie stattgefunden hat oder nicht?“ Diese Charakterisierung beschreibt sehr genau Pisaros Stücke der harmony series. Es handelt sich um eine Reihe von Werken, die jeweils von den Worten eines Dichters (Beckett, Robert Lax, Wallace Stevens u.a.) inspiriert sind - natürlich ohne diese illustrativ umzusetzen - und Klänge und Zusammenklänge an der Grenze des Hörbaren entstehen lassen. In den Beckett-Stücken zum Beispiel trafen Flöten- und Gitarrentöne auf einfachste elektronische Klänge. Derartige Musik ist sehr verletzlich. Sie ist abhängig von den Umgebungsbedingungen und mehr noch, wie Pisaro betont, von der Beziehung zum individuellen Hörer. Musik des Übergangs – des Übergangs zwischen Klang und Nicht-Klang und zwischen Musiker und Zuhörer. Je nach innerer und äußerer Verfassung können Umgebungsgeräusche (vom knarzenden Gebälk bis zum Abba-Song aus dem Nebenraum) sich zu überdimensionalen Störfaktoren aufbäumen, in die Klänge integriert oder von ihnen absorbiert werden – so weit, dass sie den Lautstärkeverhältnissen zum Trotz nahezu verschwinden, während die kaum wahrnehmbaren Töne eine erstaunliche Präsenz entfalten. All dies kann passieren oder auch nicht. Hit or miss! Spannend fand ich es zu erleben, in welcher Weise Pisaros Studenten diesen Ansatz weiterspinnen. Sie tun es mit durchaus individuellem Resultat. Johnny Chang gibt den Klängen mehr Raum und Volumen und erzeugt zarte Klangströme, auf denen man sich treiben lassen kann. Mark So huldigt am meisten dem Phänomen des Kaum-Hörbaren, wobei er auf eine breite Palette von Klangerzeugern (inkl. Gläser, Steine) zurückgreift. James Orsher lässt kleine filigrane Toninseln aus einem Meer der Stille auf- und bald wieder abtauchen. www.wandelweiser.de [YOUrope together in Essen] Die Philharmonie in Essen hat sich für die nächsten Jahre viel vorgenommen. Sämtliche EU-Mitgliedsstaaten sowie Beitrittskandidaten und solche, die es werden wollen, sollen mit ihrem zeitgenössischen Musikschaffen vorgestellt werden. Insgesamt 30 Konzerte sind bis 2013 geplant. Die Idee dazu hatte Markus Stollenwerk, der beim Intendanten der Philharmonie, Michael Kaufmann, schnell auf offene Ohren stieß. Man holte sich als Mitstreiter die NRW-Hochschulen ins Boot und schon hatte man eine Jury zusammen, der neben Stollenwerk und Kaufmann Günter Steinke (Essen), Krzysztof Meyer (Köln), Manfred Trojahn (Düsseldorf) und Martin Christoph Redel (Detmold) sowie Frank Kämpfer vom Deutschlandfunk und Jörg Widmann als aktueller In-Residence-Künstler der Philharmonie angehören. Aufgabe der Jury ist es, pro Land eine Auftragskomposition zu vergeben und aus den eingegangenen Bewerbungen ein Konzertprogramm zusammen zu stellen, das einen Einblick in die zeitgenössische Kompositionsszene ermöglicht. In der ersten Saison werden die Türkei, Finnland und Belgien präsentiert. Die Türkei als Auftaktland zu wählen, war durchaus gewagt und zwar nicht wegen der politischen Querelen um einen potentiellen Beitritt, sondern weil es eine Neue-Musik-Szene in unserem Sinne in der Türkei offenbar nicht gibt. Eingereicht wurden teils qualitativ wenig überzeugende folkloristische Ansätze, die letztlich keine Berücksichtigung fanden, teils Kompositionen, die sich sehr an konventionellen westlichen Vorbildern orientieren und für unsere Ohren etwas angestaubt klingen. Schließlich entschied man sich für ein Programm, das zunächst einen Blick zurück ins 19. Jahrhundert warf. Die von der Pianistin Aylin Aykan vorgestellten Werke klingen allesamt sehr westlich manchmal mit leichtem „türkisch-orientalischem“ Einschlag. Anschließend kamen junge Komponisten zu Gehör. Diese haben fast alle ihre Fühler irgendwann nach Europa, in letzter Zeit auch bevorzugt nach Amerika ausgestreckt. Füsün Köksal zum Beispiel, von der die Auftragskomposition Around Circles für Soloklarinette stammte, studierte zunächst bei Krzysztof Meyer und wandte sich dann nach Chicago. Unsere westliche Avantgardemusik hat sie aber scheinbar wenig beeindruckt. Die Musik klingt gemäßigt-modern, spielt mit Trillern, Rhythmen und Melodiefloskeln und schreckt manchmal, wie bei Hasan Uçarcu, auch vor illustrativen und dramatisch-pompösen Passagen nicht zurück. Weiter geht es am 19.5. mit den Finnen, da soll es dann etwas „zeitgenössischer“ werden. Mit Kaija Saariaho und Magnus Lindberg tauchen einige bekannte Namen auf und den Kompositionsauftrag erhielt Sampo Haapamäki. Aber schließlich ist es nicht das Ziel, unsere Ohren mit Vertrautem zu beglücken, sondern Einblicke in andere Länder zu geben. Auf alle Fälle wird es bestimmt noch spannend! In der nächsten Spielzeit stehen die Länder Litauen, Großbritannien, Tschechien und Portugal auf dem Plan. Bewerbungen von Musikern und Komponisten sind noch möglich! www.philharmonie-essen.de/ Die nächste Veranstaltung der ebenfalls von Stollenwerk initiierten Reihe sound samples präsentiert am 14.5. in der Werdener Musikschule B.A. Zimmermanns Sonate für Violoncello. www.ensemble-ruhrklang.de [Weitere Tipps für den Mai] Einen festen Termin im Frühlingskalender besetzen die Wittener Tage für neue Kammermusik, die diesmal vom 5. bis 7.5.2006 stattfinden. In den letzten Jahren hatte ich mich über den geringen Frauenanteil gewundert, diesmal ist gleich ein „Netzwerk gelehrter Frauen“ versammelt: Les femmes savantes sind für das Performace-Programm im Haus Witten zuständig. Ansonsten ist die Schweizer Szene mit Michel Roth, Mischa Käser, Annette Schmucki und Nadir Vassena in diesem Jahr ausführlich vertreten. www.wittenertage.de/ Ein reichhaltiges Programm bietet die 6. Bergische Biennale vom 6. bis 27.5.: Mehrere Veranstaltungen kreisen um John Cage darunter ein Vortrag von Laura Kuhn vom John Cage Trust of New York und ein Mushroom Banquet in der Wuppertaler Galerie Epikur. Von Dieter Schnebel wird eine missa brevis für Sopran und Schlagzzeug uraufgeführt und Streichquartette von Crumb und Reich bis zu Rihm und Pintscher kommen zu Gehör. www.bergische-biennale.de/konzerte.htm Das Musikfest des WDR findet in diesem Jahr vom 5.5. bis 11.6. in Siegen statt und enthält traditionsgemäß ein paar zeitgenössische Häppchen.. Am 22.5. spielt das Minguet-Quartett Neue Musik für Streichquartett, u.a. eine Uraufführung von Martin Herchenröder, der außerdem am 31.5. zusammen mit Paulo Alvares unter dem Motto angeTASTEt ein Programm für Orgel und Klavier präsentiert. www.wdr-musikfest.de Die Reihe musikFabrik im WDR wird am 27.5. mit Musik von G. F. Haas, Rebecca Saunders, Giacinto Scelsi und einer Uraufführung von Toshio Hosokawa fortgesetzt. Bereits am 12.5. ist die musikFabrik in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle der BRD zu Gast. www.musikFabrik.org In der Düsseldorfer Tonhalle stellt am 12.5. das ensemble modern den Komponisten Wilfried Maria Danner vor und am 17.5. präsentieren der Nederlands Kamerkoor und das Raschér Saxophone Quartet Werke von Tüür und Uraufführungen von Kagel und Kantscheli. www.tonhalle.de Dem allerorten gefeierten 100. Geburtstag von Samuel Beckett widmet das Ensemble Tra I Tempi am 5.5. einen Abend in der Kölner Feuerwache. Neben einer Live-Realisierung des Hörspiels words and music von Samuel Beckett mit der Musik von Morton Feldman werden Uraufführungen von Klaus Lang, Vladimir Mendelsohn und Michael Veltman gespielt. www.altefeuerwachekoeln.de/ Zum Schluss noch ein Blick in die Musikhochschulen des Landes: An der Düsseldorfer Robert-Schumann-Hochschule stellen am 10.5. Studierende aus der Kompositionsklasse von Jose Maria Sánchez-Verdú ihre Arbeiten vor. www.rsh-duesseldorf.de Das Orchester der Folkwang Hochschule spielt am 14.5. in der Essener Philharmonie Werke von Schönberg, Webern, Lutoslawski und Lachenmann und am 17.5. kann man in Duisburg Jürg Baur begegnen. www.folkwang-hochschule.de An der Hochschule für Musik Köln ist am 6.5. der Komponist Wolfgang Rihm zu Gast. Am 8.5. kommt Toshio Hosokawa, dem am 14.5. im Rahmen des Kultursonntags auch ein Porträtkonzert gewidmet ist. Am 19.5. findet ein Aulakonzert Neue Musik des Studios für elektronische Musik statt und am 26.5. ein Kompositionsabend mit Studierenden der Klasse von Johannes Fritsch. www.mhs-koeln.de/ Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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