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Gazette: Neue Musik in NRW - Ausgabe Juni/Juli 2006 |
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| (möchten Sie diese Gazette monatlich neu per e-mail erhalten?
Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 30.05.2006, 22:02, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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| [NM Juni/Juli 2006]
Gewesen: Witten – Komet beim Düsseldorfer Schumannfest Angekündigt: musikFabrik mit Saunders – Belgien in Essen – Klavier-Festival Ruhr – Sciarrino in Wuppertal und Tsangaris in Köln – Fußball und Romanischer Sommer in Köln – Stockhausen Kurse in Kürten [Wittener Tage für neue Kammermusik] Nicht gerade enthusiastisch aber doch ganz zufrieden habe ich in diesem Jahr die Wittener Tage für neue Kammermusik verlassen. Es gab zwar keine großen Überraschungen, aber auch keine nennenswerten Einbrüche, sieht man einmal von dem etwas verquasten Eröffnungskonzert ab, das mit Richard Rijnvos halbszenischem Mönchsdrama mappamondo in jeder Hinsicht den Tiefpunkt des Festivals markierte. Aber die Neuen Vocalsolisten Stuttgart ließen im zweiten Konzert dieses Tief schnell vergessen. Sie waren diesmal ganz von jungen Schweizer Komponisten mit Beschlag belegt und wurden auf sehr unterschiedliche Weise gefordert. Michel Roth experimentiert in Die auf dich zurückgreifende Zeit mit verschiedenen Graden der Textverständlichkeit unterlegt mit farbenreicher Musik - insgesamt aber etwas zu geschwätzig. Ganz im Gegensatz dazu arbeitet sich Annette Schmucki in arbeiten/verlieren. die stimmen spröde, karg und zunehmend stockend an Texten von Oscar Pastior ab. Mischa Käser wiederum lässt die Sänger in seinen Präludien 1 –8 meckern, jodeln, rufen, summen, kurz das ganze Spektrum experimenteller Stimmbehandlung ausbreiten. Am meisten hat sich mir allerdings der Countertenor Daniel Gloger eingeprägt, der im Mittelpunkt von Nadir Vassenas infidi luoghi dell’anima stand und dessen mal zarter, mal berstender Gesang in raunendes Stimmengewirr mit behutsamer perkussiver Untermalung eingebettet war. Natürlich fehlten auch die großen Namen nicht. Im Wesentlichen haben sie das abgeliefert, was man von ihnen erwartet. Rihm lässt in Blick auf Kolchis (der Heimat Medeas) Flöte und Violine in einen verhalten-melancholischen Dialog treten, der von mal unterschwelligen, mal offen aufbrechenden Klippen durchbohrt wird. Das runderneuerte Arditti Quartet (mit Ashot Sarkissjan als zweitem Geiger und Lucas Fels am Cello) spielte die komplexen sich zunehmend verdichtenden Variationen von Ferneyhoughs 5. Streichquartett mit gewohnter Virtuosität, so dass es manchmal schwer fällt, in den sich auftürmenden Turbulenzen den Faden nicht zu verlieren. Wohltuend zurückhaltend dagegen Spahlingers fugitive beauté, in dem ein Solo, ein Duo und ein Trio unabhängig voneinander in unterschiedlichen, allmählich sich verändernden Tempi kreisen und bei den fast zufälligen Begegnungen tatsächlich flüchtige Schönheit erzeugen (Der Titel entstammt einem Gedicht Baudelaires, von dem wir lernen können, „dass schöner erscheint und Sehnsucht erzeugt, was sich entzieht.“). Jonathan Harvey setzt in seinem 4. Streichquartett Live-Elektronik ein, mit der er die Klänge in den Raum projiziert, und schafft dadurch vielfältige und eindringliche Raum- und Klangwirkungen. Das Performance-Programm im Haus Witten war diesmal in den Händen der femmes savantes, einer Gruppe von fünf Berliner Musikerinnen. Andrea Neumann, Ana Maria Rodriguez, Ute Wassermann (Stimme), Sabine Ercklentz und Hanna Hartmann experimentieren auf phantasievolle Weise mit Geräusch- und Stimmmaterial und erzeugen unterhaltsame, manchmal auch humorvolle Momentaufnahmen; so zum Beispiel, wenn sie die realen Geräusche eines vorbeifahrenden Zuges mit zugespielten und imitierten zusammentreffen lassen. Ich könnte noch einige andere Namen nennen, aber der Gesamteindruck bleibt derselbe: Nichts Neues unter der Sonne, aber immerhin strahlend blauer Himmel, alte Bekannte, vertraute Umgebung, bewährte Interpreten und Musik, die auf solider Basis die Bandbreite des derzeit Möglichen abdeckte. www.wittenertage.de [Schumannfest] Die Veranstalter des Düsseldorfer Schumannfestes haben bei der Frankfurter Künstlergruppe electronic music theatre eine Komposition in Auftrag gegeben, die unter dem Titel Komet (Schumann Prospekt) am 12. und 13.5. vor leider kleinem Publikum im Alten Kesselhaus der Böhler Werke über die Bühne ging. Komet nimmt Bezug auf eine Zeitschrift, in der Schumann viele Artikel veröffentlichte und die ihm als Vorbild für die Gründung seiner eigenen Neuen Zeitschrift für Musik diente. Zugleich ist der Komet Sinnbild für Schumanns eigenes unstetes, irrlichterndes und schließlich verglühendes Leben. Die Mitglieder von electronic music theatre haben sehr verschiedene Wurzeln: Oliver Augst studierte visuelle Kommunikation und Performance, Marcel Daemgen ist Musiker mit Affinitäten zum Pop- und Technobereich, Thomas Dézsy Komponist und am Piano aktiv, Michaela Ehinger Schauspielerin und Christoph Korn studierter Politologe und Philosoph sowie Spezialist für radikale Geräuschklänge. Im Vorfeld erarbeitet sich jeder zu einem vorgegebenen Thema sein eigenes Material, das dann in der konkreten Konzertsituation aufeinander trifft. Daraus entstehen sehr eigenwillige Text-Bild-Klang-Gebilde, die den jeweiligen Gegenstand mal näher, mal ferner umkreisen. Vielfältige Zitate schicken die Gedanken auf rasante Assoziationsbahnen, während Augst mit seinem Gesang, der bewusst die Grenzen des Schnulzigen streift, die Schumannlieder in ein süßlich-fahles Licht taucht, dass immer wieder durch brachiale Rhythmen und Geräuschkaskaden zerpflügt wird. Heines Ich grolle nicht, das sich schon in der Schumannschen Vertonung selbst widerspricht, wird endgültig zum Abgrund. Dazwischen versucht Korn mit Himmels- und sonstigen Richtungsangaben den Raum zu vermessen. Aber was Ordnung stiften könnte, führt sich selbst ad absurdum und damit restlos in die Irre. Der verzweifelte Versuch, mit unermüdlichem Fleiß die Welt zu bewältigen, überwältigt sich selbst und mündet mal in melancholische, stets von Dammbruch bedrohte Stauseen, mal im Rhein. Es entsteht eine schwebende Atmosphäre aus ironischer Distanz und poetischer Nähe, die in den Bann zieht und in den besten Momenten Schumann und dem Publikum ganz nahe rückt. Im letzten Jahr war die Truppe bereits beim Deutschlandfunk mit ihrem Jugend- bzw. Freud-Projekt zu erleben. (s. Gazette April 2005) www.schumannfest-duesseldorf.de [Termine im Juni und Juli] Urlaubsbedingt erscheint die nächste Gazette erst im August. Daher Tipps für die nächsten zwei Monate: Gemeinsam mit der Kunststiftung NRW und dem Konzerthaus Dortmund hat die musikFabrik bei Rebecca Saunders ein neues Stück in Auftrag gegeben, das am 7.7. beim WDR in Köln uraufgeführt wird und am 11.7. in Dortmund zu hören sein wird. Auf dem Programm stehen außerdem Werke von Richard Barrett und Richard Ayres. In Dortmund, wo Saunders zur Zeit als Composer in Residence fungiert, wird die Komponistin vor dem Konzert eine Einführung geben. www.musikfabriknrw.de/ www.konzerthaus-dortmund.de/ In der Philharmonie Essen spielt das Quatuor Danel am 15.6. im Rahmen von YOUrope together zeitgenössische Musik aus Belgien. Der Kompositionsauftrag wurde an Peter Swinnen vergeben. Bereits am 8.6. präsentiert das Response Projekt "Neue Töne aus der Schule" die Ergebnisse der Arbeit von Musikern und Schülern aus vier Essener Schulen. Dabei diente Musik des türkischen Kulturraumes als Inspiration und Grundlage für die kreativen Arbeiten der Schüler. www.philharmonie-essen.de/ Im Rahmen des Klavier-Festival Ruhr kommen am 5.6. wieder einmal Jürgen Hockers Player Pianos zum Einsatz. Neben historischen Aufnahmen sind diesmal auch Uraufführungen von Michael Denhoff, Steffen Schleiermacher und Krzysztof Meyer mit von der Partie. Am 19.7. wird ein Werk für Klavier und Kammerorchester von und mit Thomas Larcher uraufgeführt. Außerdem ist in den Konzerten am 8.6. im Schloss Herten (Berio, Rihm, Crumb), am 23.7. in der Gelsenkirchener Zeche Nordstern (Henze) und am 9.8. in der Wuppertaler Stadthalle (Kurtág und Birtwistle) Zeitgenössisches zu hören. www.klavierfestival.de Unter dem Motto melodien. harmonien. stimmungen lädt das Wandelweiser Komponistenensemble über Pfingsten in den Düsseldorfer Klangraum. Vom 2. bis 5.6. wird Musik von Thomas Stiegler, Michael Pisaro, Antoine Beuger, Carlo Inderhees, Craig Shepard, Manfred Werder u.a. gespielt. www.wandelweiser.de/klangraum.html Nach der gelungenen Aufführung von Salvatore Sciarrinos Oper Die tödliche Blume vor vier Jahren (s. Gazette März 2002) wird in Wuppertal nun zum Saisonausklang sein Macbeth (Tre atti senza nome- drei namenlose Akte) gespielt, der 2002 bei den Schwetzinger Festspielen uraufgeführt wurde. Jenseits drastischer Äußerlichkeiten beleuchtet Sciarrino mit seiner Musik die Innenwelten der von Machtgier getriebenen Figuren. Nach der Premiere am 10.6 folgen weitere Aufführungen am 13., 15, 18. und 24.6.. Apropos Wuppertal: Am 24.6. ist im Rahmen der Reihe Nachtmusik im WDR im Foyer des Schauspielhauses Alexander von Schlippenbach zu Gast. www.wuppertaler-buehnen.de Am 3. und 5.6. wird am Kölner Schauspielhaus Manos Tsangaris Centralstation – vom Außen und Innen der Städte aufgeführt. Dabei beleuchtet Tsangaris das Ankommen, Bleiben und Vorüberziehen aus verschiedenen Blickwinkeln. www.buehnenkoeln.de/ Diverse Aktivitäten entfalten Gerhard Stäbler, Kunsu Shim und das EarPort-Ensemble im Juni. Konzerte für Koto, Flöten und Akkordeon finden am 2.6. in der neu gestalteten Essener Marktkirche und am 3.6. im Duisburger Wilhelm Lehmbruck Museum statt. Am 17.6. wird im Rahmen der Nacht der Industriekultur im Duisburger Innenhafen die Performance Wasserzeichen von Gerhard Stäbler uraufgeführt und am 18.6 findet ebenfalls im Innenhafen ein Gesprächskonzert mit den beiden neuseeländischen Komponisten Jack Body und Noel Sanders statt. www.earport.de Bereits zum 8. mal findet in der Alten Kirche St. Martin in Puhlheim-Stommeln die von Harald Kimmig als künstlerischem Leiter konzipierte Konzertreihe Raumklänge statt. Am 8.6. wird das aus vier Kontrabassisten bestehende Multibass Orchestra den Kirchenraum zum Klingen bringen. Am 10.6. begleitet Kimmig selbst mit der Violine den Tänzer Hideto Heshiki und am 11.6. spielen die Geigerin Kira Kohlmann und der Cellist Johann Ludwig ein Programm von Martinu über Reimann und Zimmermann bis hin zu Eigenkompositionen. www.pulheim.de/Stadtverwaltung/Termine.htm#Konzert Für alle die trotz oder anstatt Fußballweltmeisterschaft noch Lust auf Kultur haben, bietet Köln mit SCORECOLOGNE ein vielfältiges Programm. In der Deutzer Brücke sind neben Installationen am 11. und 22.6. Konzerte mit The Hub und dem Cellisten Anton Lukoszevize zu erleben. Im Museum für Angewandte Kunst kann man vom 14.6. bis zum 9.7. in eine von elf Komponisten eingerichtete Surround-Komposition eintauchen und vom 1. bis 9.7. wird auf dem Neumarkt die begehbare Farbraumskulptur COLOURSCAPE die Blicke auf sich ziehen und mit wechselndem Programm bespielt. Am 7.7. um 22h wird auf der Wasserfläche zwischen Aachener Weiher und dem Museum für Ostasiatische Kunst ein visuelles Konzert von Rochus Aust vom Ensemble RE-LOAD FUTURA uraufgeführt. www.scorecologne.net Ebenfalls dem Sport widmet sich am 8.6. ein Konzert in der Alten Feuerwache. Auf dem Programm stehen Match von Mauricio Kagel und zwei Stücke von Hans-Joachim Hespos. Außerhalb sportlicher Konkurrenz sind am 15.6. das Delos Trio und am 22.6. das Schlagquartett Köln in der Feuerwache zu Gast. www.altefeuerwachekoeln.de/programm.html Bei der alljährlich stattfindenden Romanischen Nacht in Köln am 30.6. ist neben Sufi Musik aus Ägypten und Bläsermusik aus der Renaissance Zeitgenössisches von Caspar Johannes Walter, Luigi Nono, Beat Furrer Giacinto Scelsi und Rupert Huber zu hören. www.romanischer-sommer.de/ Nach Abschluss seines Opernzyklus Licht im Jahre 2004 hat sich Stockhausen nun seinem neuen Projekt Klang ergeben. Statt einer ganzen Woche widmet sich Klang den 24 Stunden eines Tages. Im Rahmen der Stockhausen Kurse, die vom 8. bis 16.7. in Kürten stattfinden, ist in neun öffentlichen Konzerten das Neueste daraus zu hören. Versionen der 1. Stunde: Himmelfahrt und der 3. Stunde: Natürliche Dauern erleben ihre Weltpremiere. Für alle, die sich jetzt schon ihren Zugang zu einer Himmelstür sichern wollen! www.stockhausen.org/stockhausen_courses.html Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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