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Gazette: Neue Musik in NRW - Ausgabe August 2006 |
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| (möchten Sie diese Gazette monatlich neu per e-mail erhalten?
Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 29.07.2006, 12:25, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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| [NM August 2006]
musikFabrik: Saunders-Konzert im Juli – 15. Geburtstag im August neue Initiative in Düsseldorf: musik21 sonst noch: Klavier-Festival Ruhr – klangraum und sprachklang in Düsseldorf [musikFabrik] Im August feiert die musikFabrik ihr 15-jähriges Jubiläum. Gegründet als Ensemble Neue Musik NRW spielt sie inzwischen in der internationalen Liga und war laut Pressetext mit über 1000 Konzerten (darunter fast 300 Uraufführungen) in mehr als 30 Ländern zu Gast. Der Höhepunkt des Geburtstagskonzertes am 27.8. im WDR Köln ist eine Uraufführung von Mauricio Sotelos Wall of light black – for Sean Scully, in dem Flamenco-Elemente mit elektronischen Klängen verbunden werden. Außerdem stehen Werke von Harrison Birtwistle und Luc Ferrari auf dem Programm. Bereits um 19 Uhr findet eine Konzerteinführung statt, zu der neben Ensemblemitgliedern der Komponist der Uraufführung und Brunhild Meyer-Ferrari, die Witwe Luc Ferraris, eingeladen wurden. Wem das noch nicht genügt, der kann sich bereits ab 11 Uhr ins Museum Ludwig begeben, das gemeinsam mit der Philharmonie Köln sein 20-jähriges Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür begeht. Ferrari ist erneut vertreten – diesmal mit einer Tonbandinstallation – und um 11 und 17 Uhr spielen Mitglieder der musikFabrik kleine Stücke von Sotelo, Takemitsu, Dutilleux u. a.. Damit sind wir mit den Jubiläen jedoch noch nicht am Ende. Die musikFabrik feiert im August nicht nur sich selbst, sondern auch Johannes Fritsch (* 27.7.1941). Ihm ist am 20.8. in der Kunststation St. Peter ein Konzert zum 65. Geburtstag gewidmet, das ebenfalls mit Uraufführungen aufwarten kann. Neben Fritschs 8 Spuren im Spiegel wird Quodlibet von Oxana Omeltschuk aus der Taufe gehoben. Omeltschuk wurde 1975 in Weißrussland geboren und lebt heute in Deutschland. Fritsch, Professor und Leiter einer Kompositionsklasse an der Kölner Musikhochschule, ist insbesondere als Leiter des Feedback Studios in Köln und darüber hinaus eine feste Größe. http://genterstr.hypermart.net/f_comps/fritsch.html Das Konzert am 27.8. ist gleichzeitig das 15. der Reihe musikFabrik im WDR, die nunmehr in die vierte Konzertsaison startet und um weitere drei Jahre verlängert wurde. Das 14. Konzert am 11.Juli war Komponisten aus England gewidmet. Im Mittelpunkt stand Rebecca Saunders, die mit albescere aus dem Jahr 2001 und der Uraufführung von the visible trace vertreten war. The visible trace beginnt mit schwebenden, behutsamen, handverlesenen Tönen, die sich zu einer eindringlichen Klanglandschaft fügen. Diese fängt unterschwellig an zu brodeln, bis markante Akzente das filigrane Gewebe durchstoßen und schließlich zerfetzen. Wenn die Musik zum Schluss wieder abebbt und in einem weiten Bogen scheinbar zur anfänglichen Ruhe zurückfindet, ist nichts mehr wie es war. Auch albescere kontrastiert spitze Störgeräusche mit fahlem Bodensatz. Saunders Vorliebe für fremdartige Klänge kommt durch den Gebrauch einer e-Gitarre und „vorzugsweise sehr alten“ geräuschhaft rauschenden Radios sowie durch den Einsatz von fünf Stimmen (Neue Vocalsolisten Stuttgart) zum Ausdruck. Daneben ließ Richard Barretts interference für Kontrabassklarinette solo, Stimme und Pedaltrommel aufhorchen, fulminant vorgetragen von Carl Rosman. Das Stück hebt an mit einem schrillen, schmerzhaften Aufbegehren der Stimme in hoher Lage. Nicht minder schmutzig-wild ist der Instrumentalpart, der sich der Stimme teils entgegensetzt, teils mit ihr bis zur Ununterscheidbarkeit verschmilzt. Dazwischen setzt die Pedaltrommel ihre Pulse (dem Stimmpart liegt übrigens ein Textfragment aus Lucretius De rerum natura zugrunde, das von der Auflösung der Welt in ihre atomaren Elemente handelt – im Stück allerdings gänzlich unverständlich). Am wenigstens hat mich Richard Ayres No. 31 (NONcerto for trumpet) überzeugt. Bei Ayres wird das scheinbar Vertraute zum Fremdkörper. Holzschnittartig collagiert er melodiöse und rhythmische Floskeln, die sich gegenseitig auf die Füße treten oder über die eigenen stolpern. Das fing ganz amüsant an, aber spätestens dem Mittelteil, einer getragenen Trompetenmelodie von Harfen- und Streicherklängen umflort (Elegy for Alfred Schnittke) konnte ich nichts abgewinnen. In der abschließenden Rhapsody ging dann auch der anfängliche Reiz des Spiels mit „kulturellen Baukästen“ verloren. www.musikfabriknrw.de [neue Initiative in Düsseldorf: musik 21] In Düsseldorf ist eine neue Initiative zur Förderung zeitgenössischer Musik entstanden. Zu Jahresbeginn wurde von Musikern und Komponisten der Verein musik21 gegründet und im Juli/August trat er mit konkreten Veranstaltungen an die Öffentlichkeit. Die Überschreitung üblicher Gattungen und Konzertsituationen ist Programm und spiegelt sich bereits in den ersten Konzerten. Vom klassischen Instrumentalkonzert über Elektronik und Video bis zur Performance ist alles möglich. Austragungsort ist ein völlig entkernter Raum in Oberkassel, der bereits eine bewegte Geschichte als Kino und Supermarkt hinter sich hat und auf seine Verwandlung in schicken Wohnraum wartet. Bis es soweit ist, darf die Kunst Einzug halten. Das bisher Gebotene wird dem grenzübergreifenden Anspruch durchaus gerecht. Am 13.7. war Johannes S. Sistermanns mit seiner Folienperformance durchhören zu Gast. Transparente Folien spannen sich quer durch den Raum, eingearbeitete Piezolautsprecher geben leise Geräusche von sich, die vom Publikum aktiv erkundet werden können. Wer sein Ohr auf die Folien legt, kann in die eben noch fernen Klänge eintauchen und sie erspüren. Was sich so zart und behutsam anhört, erfährt jedoch eine ungeahnte Intensivierung, wenn Sistermanns selbst zur Tat schreitet. Er spannt eine weitere Folie quer durchs Publikum, das er aber kaum wahrzunehmen scheint. Dann umfängt und verfängt er sich in den Plastikplanen, scheint mit ihnen zu verschmelzen, setzt sein Gesicht skurrilen, gleichzeitig faszinierenden und irritierenden Verformungen und Metamorphosen aus. Was eben noch unverbindliches Spiel schien, erfährt eine Verdichtung, die gleichzeitig anzieht und abstößt. Die dünne, verletzliche Folie wird unversehens selbst zur Bedrohung – bis das Maß überspannt ist und sie reißt. Aus. Flankiert wurde Sistermanns eindrucksvolle Performance durch Musik von Olaf Pyras. Mit ungewöhnlichen Materialien wie Holzstämmen, Steinstelen, Maurerkellen und Fugeisen erzeugt er erstaunlich zarte Klänge, die in dem nackten Raum eine fast meditative Atmosphäre schaffen. Am 20.7. baute das Elektronik-Duo dis.playce (Maximilian Marcoll und Hannes Galette Seidl) seine Laptops auf und erfüllte den Raum mit einem knisternden-schnatternden-raschelnden elektronischen Urwald. Das dem Soundmaterial teilweise konkrete Klänge, zum Beispiel Aufnahmen aus dem Stadtgebiet Karlsruhe, zugrunde liegen, konnte man oft nur erahnen. Aber allein dieses Wissen erzeugte bei mir den Effekt, dass in meiner Wahrnehmung die vielfältigen Klänge mit dem Alltagsleben der Belsenstraße, die hinter der breiten Fensterfront im Rücken der Musiker vorbeifließt, zu einer Einheit verschmolzen, aus der sich manchmal erstaunliche Koinzidenzen ergaben. Das war wohl nicht intendiert, aber wie wir wissen, haben produktive Missverständnisse der Kunst schon öfters aufgeholfen. Am 27.7. spielten Verena Wüsthoff und Eva Zöllner Musik für Blöckflöten und Akkordeon. Das Akkordeon wird auch am 3.8 wieder mit dabei sein, diesmal im Dialog mit Kerry Lannas Trompete. Danach stehen verschiedene Kombinationen aus Instrumental- und elektronischer Musik auf dem Programm, jeden Donnerstag im August, jeweils um 20 Uhr, Belsenstr. 20. Am besten selber mal reinklicken: www.musik21.de/ www.sistermanns.eu www.olafpyras,de http://dis.payce.info [Sonst noch:] Auch beim Klavier-Festival Ruhr gibt es etwas zu feiern. Am 9.8. findet in der Historischen Stadthalle Wuppertal ein Konzert zum 75. Geburtstag von Alfred Brendel statt, in dem sich sein Sohn Adrian Brendel am Cello und Till Fellner am Klavier neben Bach und Beethoven Werken von Kurtág und Birtwistle (UA) widmen. www.klavierfestival.de Im Düsseldorfer Klangraum erklingen am 13.8. Windstücke für elektrische Tischharmonien von André O. Möller: am Nachmittag windspiel als Installation, am Abend windstille, windsbraut und windschief im Konzert. Ergänzend zu den Musikveranstaltungen im Klangraum auf der Himmelgeisterstraße gibt es seit kurzem die Reihe sprachklang, die sich unterschiedlichen Texten widmet. So stand bereits Lucretius De rerum natura auf dem Programm. Am 24.8 kann man George Brechts hsin hsin ming lauschen (Ort: Kaiserwellen, Lichtstraße 52). www.wandelweiser.de/klangraum.html Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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