|
||
|---|---|---|
Gazette: Neue Musik in NRW - Ausgabe vom September 2006 |
||
| (möchten Sie diese Gazette monatlich neu per e-mail erhalten?
Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 31.08.2006, 14:32, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
|
||
| [NM September 2006]
Gewesen: Fritsch und musikFabrik-Jubiläen Angekündigt: Opern in Bonn, Köln und MG – Altstadtherbst – Beethovenfest – Earport u.a. [65 Jahre Johannes Fritsch] Gleich zwei Jubiläen beging die musikFabrik im August: am 20.8. den 65. Geburtstag von Johannes Fritsch in der Kunst-Station Sankt Peter und am 27.8. ihr eigenes 15-jähriges Bestehen. Fritsch ist fester Bestandteil der Neuen Musik Szene in Köln und darüber hinaus. Einst Mitglied des Stockhausen-Ensembles nabelte er sich schon früh ab und entwickelte eigene Aktivitäten. 1970 gründete er das Feedback Studio, das nach wie vor in seiner dreifachen Funktion als Studio, Veranstaltungsraum und Verlag fungiert. Hier haben schon die Ardittis Platten aufgenommen und insbesondere für elektronische Kompositionen wird es gerne genutzt. Direkter Kontakt zum Publikum entsteht bei den Hinterhausmusiken, die in unregelmäßigen Abständen auch weniger vertraute Pfade erkunden. Beim Geburtstagskonzert trafen Fritschs eigene Kompositionen auf Musik von Morton Feldman und Oxana Omeltschuk, einer jungen Komponistin aus Weißrussland, die seit 2002 in Fritschs Kompositionsklasse an der Kölner Musikhochschule studiert. Der Auftakt war ungewöhnlich. In Fritschs Tubae aus dem Jahre 2000 werden zwei Tubaspieler auf Rollstühlen in weitem Bogen durch den Raum geschoben. Die seltsame Anmutung tritt schnell in den Hintergrund, stattdessen dominieren die satten, vollen den Kirchenraum füllenden Klänge. Auch Quintett (2003) ist ein ruhiges, angenehm schlichtes Stück. Kleine einfache Floskeln und Strukturen lösen sich auf, verunklaren sich durch ungewöhnliche Spielweisen, Abgleiten ins Tonlose, Verwischen der Tonhöhe. Dazu passt Feldmans The viola in my life II mit seinem schlichten Bratschengesang. Ganz andere Töne werden nach der Pause bei den beiden Uraufführungen angeschlagen. Omeltschuk serviert ein launiges Quodlibet geprägt von davongaloppierenden Rhythmen und Zitatfetzen. Fritschs 8 Spuren im Spiegel ist als Dialog zwischen Tonband und Instrumenten, als Spiel mit Bewusstseins- und Erinnerungsspuren konzipiert. Melodiefloskeln, Zitate, motivische und rhythmische Bruchstücke tauchen auf und ab, aber es gibt nichts was sie im Inneren zusammenhält, kein Bezugspunkt, der Erinnerung erst möglich macht. Zurück blieb bei mir ein Gefühl der Unentschiedenheit und Unverbindlichkeit. Noch mehr Fritsch gibt es im September. Am 8.9. richtet ihm die Kölner Gesellschaft für Neue Musik KGNM in der Alten Feuerwache ein Geburtstagskonzert aus und am 17.9. erklingt eines seiner Werke im Rahmen der Gerresheimer Orgeltage in der St. Margareta-Basilika in Düsseldorf. Im Theater im Ballsaal in Bonn wird am 24.9 Fritschs Komposition damals aufgeführt, die ursprünglich als Schauspielmusik zu dem gleichnamigen Text von Samuel Beckett entstand. (damit wird gleichzeitig des 100. Geburtstags von Beckett gedacht). Den Monat beschließt am 30.9. ein Konzert in Fritschs Feedback Studio. http://genterstr.hypermart.net/events.html www.altefeuerwachekoeln.de/ www.kgnm.de www.theater-im-ballsaal.de/ [15 Jahre musikFabrik] Das Konzert zum 15-jährigen Bestehen der musikFabrik war gleichzeitig das 15. in der Reihe musikFabrik im WDR. Im Mittelpunkt stand die Uraufführung von Mauricio Sotelos Wall of light black für Saxophon und Kammerensemble mit Marcus Weiss als Solisten. Das Werk ist dem Maler Sean Scully gewidmet und bezieht sich im Titel auf eines seiner Bilder. Scully und Sotelo verbindet eine enge Freundschaft und die Erfahrung künstlerischer Zusammenarbeit. 2003 entstand mit Sonetos del amor oscuro eine Art Requiem für Sotelos einstigen Lehrer Luigi Nono, zu dem Sotelo die Klänge und Scully die Bilder beisteuerte. Natürlich geht es Sotelo in seinem neuen Stück nicht um eine Vertonung von Bildern und die von den Kunstwerken ausgelösten Stimmungen sind durchaus verschieden. Während Scullys Gemälde durch ihre Konzentration auf Streifen und eine zurückgenommene (aber gerade dadurch intensive) Farbigkeit Ruhe ausstrahlen, ist Sotelos Musik ausgesprochen energiereich und dynamisch. Nicht umsonst stellt der traditionelle Flamenco-Gesang eine wichtige Inspirationsquelle dar, wobei Sotelo sich von dessen Rhythmen und Strukturen anregen lässt und auf jede folkloristische Anmutung verzichtet. Die Musik hebt dunkel und schwer an und schraubt sich in immer höhere Register und Geschwindigkeiten hinauf. Dieser Wechsel zwischen Beschleunigungs- und Kulminationsphasen und Phasen des Innehaltens bestimmt den weiteren Verlauf und sorgt für Lebendigkeit und Dynamik. Einen weiteren Schwerpunkt des Abends bildete die Musik Luc Ferraris, der vor fast genau einem Jahr verstarb. Bekannt wurde er durch seine Tonbandstücke, in denen er im Gegensatz zur Musique concrète Pierre Schaeffers die Wiedererkennbarkeit des Ausgangsmaterials bewusst einsetzte, um den Hörer zum Imaginieren eigener Bilder und Geschichten zu animieren. Den beiden aufgeführten Stücken Presque Rien avec Instruments (2001) und Après Presque Rien (2004) liegen die Presque-Rien-Tonbänder zugrunde, die über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten entstanden und sich teilweise durch eine sehr reduzierte Klanglichkeit auszeichnen. In den genannten Werken dominiert denn auch die instrumentale ‚Überschreibung’, aber der Funke wollte bei mir nicht überspringen: zu konturlos, zu zusammengewürfelt und vor allem im Falle von Après presque rien (dessen Uraufführung Ferrari nicht mehr erlebte) zu lang. Nicht abstrakt genug, um meinen musikalischen Sinn zu befriedigen, und nicht konkret genug, um meine bildliche Imagination anzustacheln. www.musikFabrik.org Weiter geht es mit der musikFabrik im September. Am 20.9. bringt sie in der Reihe Bonn Chance in der Kunst- und Ausstellungshalle die Oper Jenseits der Schatten von Vladimir Tarnopolski zur Uraufführung. Der 1955 geborene Russe ließ sich von Platons und Plinius’ Schattenmythen inspirieren und überführt sie in ‚lichtere Zukunft’. Visualisiert wird das Ganze von der Palindrome Inter.media performance Group. www.theater-bonn.de Die Aufführung ist in das Bonner Beethovenfest integriert, das in diesem Jahr den Schwerpunkt Russland hat und auch ein paar neuere Klänge einstreut. Neben ein bisschen Gubaidulina, Reimann, Schnittke und Höller erklingen Matthias Pintschers Hérodiade-Fragmente (31.8.) sowie als Uraufführungen Beethoven-Skizzen von Johannes Harneit (12.9.), ein Klarinettenquartett von Tarnopolski (22.9.), Horizont Architektur Kern von HP Platz (27.9.) und Michael Gordons ‚Neuschreibung’ von Beethovens 7. Symphonie (30.9.), www.beethovenfest.de Neue Musik beim WDR spielt am 23.9. das kammerensemble neue musik berlin in zwei Konzerten mit Musik von Beat Furrer und Volker Heyn. www.wdr.de/radio/orchester/veranstaltungen/veranstaltungskalender/september06.html Im Rahmen des Düsseldorfer altstadtherbst realisiert die musikFabrik eine neue Arbeit von Marc André, die Teil der Konzertreihe Der Blick des Komponisten des Siemens Arts Program ist. Die zugrundeliegende Idee sieht vor, inspiriert von bildender Kunst für eine bestimmte Museumsarchitektur ein musikalisches Raumkonzept zu entwickeln. André bespielt das Düsseldorfer Stadtmuseum und befasst sich, angeregt von einer Videoarbeit Beat Streulis, mit menschlicher Bewegung, die vom entspannten Flanieren bis zum ziellosen Herumirren reichen kann. Der Besucher kann dies unmittelbar nachvollziehen, indem er sich sein ganz persönliches Werk im Museum erwandert. Neben so manchem bunten Event darf beim Altstadtherbst unter dem Motto Frischzelle am 21.9. und 22.9. in der Bergerkirche auch experimentiert werden (Eintritt frei) und am 25.9. unternimmt die Gruppe ‚arbeit’ eine etwas andere Reise in die Welt des deutschen Volksliedes. www.altstadtherbst.de www.siemensartsprogram.de Gleich an drei Orten sind im September Porträts der Komponisten Kunsu Shim und Gerhard Stäbler zu erleben: am 14.9. in der Krefelder Fabrik Heeder, am 15.9. im Düsseldorfer Eko-Haus und am 16.9. in ihrem eigenen Domizil im Duisburger Innenhafen. Das Programm ist wie immer vielfältig und erweist auch so manchem Ahnherrn wie Nam June Paik und den Dadaisten seine Referenz. www.earport.de/ www.eko-haus.de Apropos Nam June Paik: 2004 wurde der Förderpreis NRW im Rahmen des Nam June Paik Awards für eine Projektidee vergeben, die jetzt vom 15. bis 17. September im Museum für Angewandte Kunst Köln Gestalt annimmt. Maja Ilic’, Gleb Choutovs und Maxim Tyminkos digitale Oper Beguiling Orpheus kreiert eine opulente elektronische Bild- und Klangwelt, in der die klassische Opernstimme einer Sängerin als einziges nicht-virtuelles Relikt fungiert. www.museenkoeln.de/museum-fuer-angewandte-kunst/ In Mönchengladbach setzt man statt dessen aufs Analoge. Am 16.9. bringen die Vereinigten Städtischen Bühnen die Oper Das Frauenorchester von Auschwitz von Stefan Heuke zu Uraufführung. Das Libretto von Clemens Heuke entstand nach Motiven eines autobiographischen Romans von Fania Fénelon. www.theater-kr-mg.de In der Kölner Philharmonie ist am 11.9. das Ensemble Intercontemporain zu Gast. Unter dem Dirigat von Peter Eötvös spielt es dessen Chinese Opera. Am 17.9. trifft am gleichen Ort Stockhausens Stimmung auf den Chor der schreienden Männer. www.koelner-philharmonie.de/ In der Düsseldorfer Tonhalle kommt am 15.9. Manfred Trojahns Prolog zu Merlin zur Uraufführung und am 17.9. stellt Trojahn - Professor an der Robert-Schumann Musikhochschule in Düsseldorf - im Heine Haus Düsseldorf seine Schriften zur Musik vor. www.tonhalle-duesseldorf.de www.literaturmueller.de/lesungen2006.html Ansonsten: Das Krefelder Theater am Marienplatz begeht am 1.9. seinen 30. Geburtstag mit Jandl und Francesco Cangiullo. Herzlichen Glückwunsch! www.tamkrefeld.de Das KGNM-Mitgliederkonzert am 22.9. in der Alten Feuerwache bringt einen Querschnitt durch die Kölner Szene und vom 28.9. bis 1.10. dreht sich am gleichen Ort alles um die Stimme. „Stimme pur: mal extrem hoch, dann voll tönend und tief, spitz, gebrochen oder rund.“ Ian Magilton, Bettina Wenzel und Ralf Peters geben in Konzert, Vortrag und Workshop einen umfassenden Einblick. www.altefeuerwachekoeln.de/ In wechselnden Kombinationen ist der britische Saxophonist John Butcher zu erleben. Am 9. 9. improvisiert er in Peter Kowalds ort mit Phil Minton und Erhard Hirt und am 24.9. im Museum Bochum mit Wilbert de Joode und Martin Blume. www.kowald-ort.com/ www.martinblume.de Cembalo-Musik mit Elisabeth Frey-Bächli erklingt am 3.9. im Düsseldorfer Klangraum und neue Orgelmusik am 3.9. und 17.9. in der Kunst-Station Sankt Peter Köln. www.kunst-station.de/ www.wandelweiser.de/klangraum.html Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
|
|