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Gazette: Neue Musik in NRW - Ausgabe Oktober 2006 |
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Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 30.09.2006, 17:36, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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| [NM Oktober 2006 ]
Gewesen: Bonn chance! mit Tarnopolski – ensembl[:E:]uropa mit Heyn und Furrer Angekündigt: Soldaten in Bochum - Xenakis-Symposion in Köln – Musiknacht Köln – Klangzeit-Festival in Münster – Utopie jetzt! in Mühlheim – Fritsch-Festival in Köln – Kagel in Essen u.a. Sonstiges: Ensemblia Kompositionswettbewerb [Bonn chance! mit Tarnopolski] Nach der erfolgreichen Aufführung seines Opernerstlings Wenn die Zeit über die Ufer tritt im Rahmen der Münchner Biennale 1999 bekam der Moskauer Komponist Vladimir Tarnopolski nun erneut die Gelegenheit, eine deutsche Musiktheaterbühne zu bespielen. Der Auftrag kam diesmal aus Bonn, wo seine neue Oper Jenseits der Schatten in der Reihe Bonn chance! am 20.9. Premiere hatte. Tarnopolski ist neben seiner Tätigkeit als Kompositionsprofessor am Moskauer Tschaikowskij-Konservatorium Gründer des ersten Zentrums für Zeitgenössische Musik in Russland und damit eine Speerspitze der russischen Musikavantgarde. Was man von ihm zu hören bekommt, ist weit entfernt von so manchen historisierenden oder religionsseligen Klängen, die gelegentlich aus dem Osten zu uns herüberwehen. Bei seinem neuen Werk ließ er sich gemeinsam mit seinem Librettisten Ralph Günther Mohnnau von Platons Höhlengleichnis inspirieren. Der Kampf zwischen Licht und Dunkel, Wahrheit und Schein hat es ihnen angetan. Aber was in schlichter Schwarz-Weiß-Malerei enden könnte, entpuppt sich als äußerst komplex. Bei Platon muss sich die Kunst des Vorwurfs erwehren, nur Mimesis zu liefern, uns durch das Abbilden der Abbilder dem wahren Sein der Ideen noch weiter zu entfremden und im Schatten der Unkenntnis verharren zu lassen. Plinius d. Ä. dagegen nobilitiert den Schatten zum Geburtshelfer der Malerei und damit der Künste, denen in Tarnopolskis Version eine befreiende Funktion zukommt. Auch in unsere Gegenwart reichen die Assoziationsstränge, denn mehr denn je ersetzt das von Fernsehen und Computer vermittelte Bild der Welt eine Realität, die sich kaum noch definieren, geschweige denn fassen lässt. Wie lässt sich dieser komplexe, assoziationsreiche und in der abendländischen Kulturgeschichte schon tausendmal umgegrabene Gedankenberg auf eine Opernbühne bringen? Eigentlich gar nicht und das ist gut so, denn auf der Bühne ziehen zum Glück die Klänge und Bilder in ihren Bann. Tarnopolski wollte nach eigenen Angaben eine interessante und leidenschaftliche Musik machen, und tatsächlich habe ich mich nicht gelangweilt zwischen schwebenden Streicherklängen, wuchtigen Schlagzeugattacken, schrillen Gesangspartien, eindringlichen Chorpassagen und bewegtem Instrumentalpart. Die Musiker der musikFabrik unter Leitung von Wolfgang Lischke ließen nichts zu wünschen übrig, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass die Partitur erst in letzter Minute vorlag. Für die visuelle Umsetzung sorgte die Nürnberger Künstlergruppe Palindrome, deren Spezialität die Arbeit mit computergestützten Echtzeitperformancesystemen ist. Die Bühne beherrscht eine riesige horizontal gerasterte Figur, die wie ein Rieseniglu in den Raum ragt und als Projektionsfläche für Schattenspiele und Videobilder dient. Hier agieren die drei Gefangenen und die drei Künste, letztere zu Beginn in drei mächtigen Säulen aus Gaze verborgen. Das Echtzeitsystem erlaubt es, die Bewegungen der Darsteller unmittelbar oder zeitversetzt in Videoprojektionen zu transformieren, wodurch phantasievolle, stimmige und eindringliche Bilder entstehen. Die Zeiten, als die Beherrschung der neuen Technik 99 \\\\\\\\% des kreativen Potentials vereinnahmte und blutleere Kunstprodukte zurückließ, scheinen sich langsam dem Ende zu nähern. Am wenigsten überzeugt hat mich die Choreographie, die den Sängern sowie zwei Tänzern auferlegt wurde und die ich als teilweise holprig, teilweise langatmig bis langweilig empfand. Der Versuch, den im Programmheft skizzierten vagen Handlungsstrang umzusetzen, führte oftmals zu einer bedeutungsschwangeren aber aufgesetzt wirkenden Gestik, die letztlich nichts erklärte. Man könnte der Aufführung vorwerfen, dass durch die Dominanz der Klänge und Bilder der philosophische Überbau in den Hintergrund geriet (zumal der Text ob seiner Unverständlichkeit keine Schützenhilfe leitstete). Doch alles andere hätte wahrscheinlich zu einer völligen Überfrachtung geführt. So habe ich trotz der genannten Einschränkungen nach 70 Minuten Spielzeit das Geschehen zufrieden verlassen, voller Klänge und Bilder und mit genug Stoff für nachwirkende Gedanken- und Assoziationsspiele. www.theater-bonn.de www.tarnopolski.ru/ [ensembl[:E:]uropa mit Heyn und Furrer] Am 23.9. startete der WDR unter dem Titel ensembl[:E:]uropa eine neue Reihe mit zeitgenössischer Musik, deren Anliegen es ist, in den nächsten Monaten Ensembles aus ganz Europa auf das Podium im Funkhaus Wallrafplatz zu bringen. Den Auftakt machte das Kammerensemble Neue Musik Berlin, das in zwei Konzerten Werke von Volker Heyn und Beat Furrer vorstellte. Volker Heyn wurde 1938 in Karlsruhe geboren, doch während seine Altersgenossen bereits an ihrer Karriere bastelten, zog er es vor, 1960 erst einmal nach Australien auszuwandern. Dort bescherte ihm ein Job in der Stahlindustrie neben dem Geld zum Überleben auch die Begegnung mit der Kraft und Schönheit rauer, metallischer Klänge. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1971 führte er zwar die in Australien begonnenen Gitarren- und Kompositionsstudien an der Musikhochschule Karlsruhe zu Ende, seine Querständigkeit hat er sich und seiner Musik jedoch bis heute bewahrt. Schrill und insistierend agieren Violine, Kontrabass, Schlagzeug und Klavier in K`ten (2006). Sperrige, raue, kratzbürstige Klänge vorzugsweise im tiefen Register bestimmen Reb David, Wife und Wolf (1986-87). Dabei ergötzt die Musik sich nicht an purer Geräuschhaftigkeit um ihrer selbst willen, sondern erzeugt diffizile Momente voll herber Poesie. In Resurrection Nr. 1 (2000) reagieren ein präpariertes Klavier und ein teilweise mit zwei Bögen bearbeiteter Kontrabass auf ein Tonband, das die Destruktion einer Stahlskulptur wiedergibt, und lassen sie so gleichsam wieder auferstehen. In Graffiti; Risse. (1998-1999) ließ sich Heyn vom virtuosen und expressiven Wirken der Graffitikünstler inspirieren, indem er unter Zeitdruck traktierte Blätter als Ausgangspunkt für die Partitur verwendete. Welten prallten aufeinander in dem kurzen Interview, dass der Moderator mit Heyn (bzw. an ihm vorbei) führte: Windschnittiges unnahbares Dauerlächeln, auf das man heutzutage nicht einmal im Radio verzichten mag, traf auf Heyns inbrünstiges Bekenntnis. „Ich finde die kaputten Anteile des Geräuschs prima“. Ich auch! In eine ganz andere aber nicht weniger faszinierende Klangwelt entführte das zweite Konzert, das ganz dem Streichquartett Nr. 3 von Beat Furrer gewidmet war. Das 2004 in Witten uraufgeführte Werk, das trotz anfänglicher Brüche, Widerhaken und Überlagerungen eine ruhige Unbeirrbarkeit ausstrahlt, hat mich schon damals beeindruckt (s. Gazette Mai 2004). www.tremediamusicedition.com/komponisten/heyn.htm www.wdr.de [Volles Programm im Oktober] Im Rahmen der Ruhrtriennale haben am 5.10. in der Bochumer Jahrhunderthalle Bernd Alois Zimmermanns Soldaten Premiere. Das einst als unspielbar geltende Werk ist auch heute noch eine Herausforderung und wird daher viel zu selten aufgeführt. Diesmal ist es erstmals außerhalb eines traditionellen Opernhauses zu erleben. Die Regie hat der britische Regisseur David Pountney. Es spielen die Bochumer Symphoniker unter Steven Sloane. www.ruhrtriennale.de Das elektroakustische Werk von Iannis Xenakis steht im Mittelpunkt eines Symposions, das vom Musikwissenschaftlichen Institut der Universität zu Köln ausgerichtet wird. Vom 11. bis zum 14.10. stehen Vorträge und Diskussionen von und mit internationalen Wissenschaftlern auf dem Programm. In fünf begleitenden Konzertveranstaltungen werden alle elektroakustischen Werke Xenakis in teilweise multimedialer Form präsentiert. http://xenakis.uni-koeln.de Die freie Musikszene Köln, zusammengeschlossen im Initiativkreis Freie Musik (IFM), zeigt am 14.10. in der zweiten Kölner Musiknacht erneut, über welches Potential sie verfügt. Mehr als 300 Musiker an 26 verschiedenen Orten in 100 Konzerten machen die Wahl schwer, weshalb ich an dieser Stelle auf besondere Hervorhebungen verzichten möchte. Um 20 Uhr geht’s los! Jeweils zur vollen Stunde beginnen die Konzerte und dazwischen bleibt Zeit für einen Ortswechsel, so dass man bei dieser Gelegenheit auch diverse (vielleicht bis dato noch unbekannte) Lokalitäten erkunden kann. www.koelner-musiknacht.de Am 25.10. beginnt das diesjährige KlangZeit-Festival der Gesellschaft für neue Musik Münster. „Grenzgänge“ heißt das Motto und dabei hat man sich etwas gedacht. Da Grenzen sich nur überschreiten lassen, wenn sie existieren, soll dem grenzenlosen Einheitsbrei einer globalisierten Weltmusik eine Absage erteilt oder vielmehr die Vielfalt des Möglichen entgegengestellt werden. Auf dem Programm stehen eine Hommage an Peter Kowald, Uraufführungen asiatischer Komponisten, neue Musik auf alten Instrumenten, der ehemalige Arditti-Cellist Rohan de Saram im Dialog mit Rajesh Mehta und vieles mehr. www.gnm-muenster.de/ Spannend wird es auch in Mühlheim an der Ruhr, wo vom 26. bis 29. Oktober das Festival Utopie jetzt! bereits zum siebten Mal an den Start geht und diesmal den „Blick zurück nach vorn“ richtet. Dabei treffen Bruckner und Mozart auf Scelsi, Feldman, Rihm und Haas. Neue Werke werden beigesteuert von Rupert Huber, dem Chefdirigenten des WDR Rundfunkchors, und Sven-Ingo Koch. Das Auftaktkonzert mit dem Rundfunkchor ist am 29.10. noch einmal in Köln im Funkhaus Wallrafplatz zu erleben. www.utopie-jetzt.de www.wdr.de Am 13.10. wird die Reihe musikFabrik im WDR mit Musik von Wolfgang Rihm und einer Uraufführung von Mark André fortgesetzt. www.musikFabrik.org Die Geburtstagsveranstaltungen für Johannes Fritsch erreichen im Oktober die Kölner Hochschulen. Die Musikhochschule Köln feiert ihren Professor vom 6. bis 8. Oktober mit zwei Konzerten und einer Sonntagsmatinee im Rahmen des Festivals „Fritsch 65 – Feedback 35“. Am 27.10. legt das Musikwissenschaftliche Institut der Universität Köln nach und präsentiert elektronische Kompositionen. Das man sich auch an der Musikhochschule auf Elektronik versteht, beweist das vom Studio für elektronische Musik unter Leitung von Prof. Hans Ulrich Humpert veranstaltete Aulakonzert am 20.10. www.mhs-koeln.de www.uni-koeln.de/phil-fak/muwi/events/raum.html Die Philharmonie Essen hat für ihre neue Saison Mauricio Kagel zum composer in residence gewählt. Im Auftaktkonzert am 27.10. spielt das Schönberg Ensemble Amsterdam seine Werke Doppelsextett, Norden und Westen für Salonorchester und Divertimento? Farce für Ensemble. www.philharmonie-essen.de Das Kairos Quartett, unterstützt von Bernhard Wambach (Klavier) und Ellen Aagaard (Stimme), lässt in zwei Konzerten neue Musik von Gerhard Stäbler auf Schumann und Schubert treffen (am 26.10. in der Duisburger Haniel Akademie und am 27.10. in der Düsseldorfer Tonhalle). www.tonhalle-duesseldoref.de www.duisburger-philharmoniker.de/ 4 \\\\\\\\% Frauenanteil im Bereich Komposition und Dirigieren, 17 \\\\\\\\% im Solobereich Instrumentalspiel und 24 \\\\\\\\% im Orchesterbereich, diese Zahlen lassen den Landesmusikrat NRW nicht ruhen. Daher werden bereits seit einigen Jahren Konzerte mit Werken von Komponistinnen aus NRW speziell gefördert, so zum Beispiel eine Veranstaltung in der Flügelhalle Klaviere Then in Köln. Dort stellt das Neue Musik Ensemble Aachen am 29.10. Musik von Viola Kramer, Noriko Kawakami, Shoko Shiola u. a. vor. Nähere Informationen zum Förderprojekt unter: www.musikprojekte-so.de www.lmr-nrw.de/ (s. Termine) Im Pact Zollverein ist am 11. und 12.10. Heiner Goebbels pyromanisches Ein-Mann-Stück Max Black zu erleben. www.pact-zollverein.de Das Ensemble RuhrKlang beginnt am Sonntag, den 8.10. seine zweite Spielzeit der „sound samples“. In den Veranstaltungen in der Werdener Musikschule wird jeweils ein zeitgenössisches Werk aufgeführt und erläutert. Den Auftakt macht Five von John Cage. Weiter geht es am 12.11. mit Engel der Geschichte von Wolfgang Hufschmidt und am 3.12. mit Mort subité von Brian Ferneyhough. www.ensemble-ruhrklang.de Last but not least möchte ich auf das Kölner Loft hinweisen, das im Oktober ein besonders reichhaltiges Programm bietet. Am 10.10 wird in einer KGNM Werkstatt Volker Staub vorgestellt und vom 31.10. bis 2.11. widmen sich drei Konzerte dem 50. Geburtstag Georg Graewes. www.loftkoeln.de [Kompositionswettbewerb Ensemblia] Aus Anlass des Festivals Ensemblia 2007 schreibt die Stadt Mönchengladbach einen internationalen Kompositionswettbewerb aus. Neben einer Preissumme von bis zu 7500 € winkt die Uraufführung während des Festivals. Zusätzlich wird ein Publikumspreis vergeben. Einzelheiten unter: www.ensemblia.de Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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