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Gazette: Neue Musik in NRW - Ausgabe Dezember 2006 |
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Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 27.11.2006, 16:39, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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| NM Dezember 2006/Januar 2007
Gewesen: november music 2006 in Essen Angekündigt: Henze-Festival im Konzerthaus Dortmund - Rausch und Ratio beim WDR – sonstiges [november music 2006 in Essen] Vom 16. bis 18.11.2006 veranstaltete die Folkwang Hochschule in Essen das Festival november music 2006. Dem einen oder anderen mag der Name bekannt vorkommen und wer das Stichwort im Internet sucht, kann leicht in einer anderen Ecke landen. November Music nennt sich nämlich auch ein länderübergreifendes Festival, das in Belgien, den Niederlanden und Deutschland zu Hause ist und in der Vergangenheit verschiedene Kooperationen eingegangen ist. Letztes Jahr gab es eine Zusammenarbeit mit dem inzwischen eigenständigen, unter der künstlerischen Leitung von Karl-Heinz Blomann stehenden Festival open systems, das ebenfalls im Ruhrgebiet angesiedelt ist. Dieses will sich jetzt auf einen Zweijahresrhythmus einpendeln, hat als nächsten Termin allerdings erst den November 2008 angepeilt. Wer in diesem Jahr auf das Stichwort Deutschland klickt, landet beim KlangZeit-Festival, das Ende Oktober in Münster über die Bühne ging. Davon unabhängig hat die Folkwang Hochschule inzwischen ihre eigene November Music und setzt dabei vorzugsweise auf eigene Kräfte. Drei sehr unterschiedliche Konzerte standen auf dem Programm. Die Auftaktveranstaltung, die für mich die interessanteste war, stellte den Einsatz von Medien (hier insbesondere Computer und Videoprojektionen) in den Mittelpunkt. Zunächst wurden zwei ältere Werke etablierter Komponisten zu Gehör gebracht. Magnus Lindberg setzt in Ablauf (1983/88) die harte Unerbittlichkeit zweier großer Trommeln gegen die flinke Unberechenbarkeit der Klarinette. Auch in Younghi Pagh-Paans Tsi-Shin-Kut (1993/94), das auf uralte koreanische schamanistische Rituale Bezug nimmt, bilden Schlagzeuger den Ausgangspunkt. Aus verschiedenen Richtungen kommend prasselt äußerst differenzierter Perkussionshagel auf die Zuhörer herab und verschmilzt mit Computerklängen zu einem an- und abschwellenden Gewitterregen von unmittelbarer sinnlicher Wirkung, dem auch magisch-rituelle Momente innewohnen. Dies wirkte jedoch wie ein lauer Sommerregen im Vergleich zu dem Unwetter, das Dietrich Hahne über das Publikum hereinbrechen ließ. Sein Stück OutOfTheCar setzt sich mit der Darstellung von Gewalt auseinander. Entsprechende Filmsequenzen (aus Terminator und GoodFellas) werden aus dem Zusammenhang gerissen und als frei verfügbare Objekte behandelt, die nach rein musikalisch-kompositorischen Gesichtspunkten aneinandergeschnitten werden. Dadurch erscheinen sie einerseits verfremdet und ästhetisch überhöht, andererseits wird, verstärkt durch turbulente Schlagzeugattacken und vorwärtspeitschende Rhythmen, ihre Bedrohlichkeit durch eine diffuse Ungreifbarkeit noch verstärkt. Dazwischen agiert ein Selbstspielklavier, das das Gefühl der Unkontrollierbarkeit und des Ausgeliefertseins noch steigert. Das Stück ging zweifellos unter die Haut, wirkte streckenweise aber doch etwas holzschnittartig und plakativ. Überzeugender fand ich das teilweise mit ganz ähnlichen Mitteln arbeitende Werk ON GO von Philipp Ludwig Stangl, für mich das Highlight des ganzen Festivals. Auch er verwendet unterschwellig gewaltgesättigte Videoeinspielungen – u.a. werden diffus-verschwommene Boxszenen ahnbar. Davor platziert er den Posaunisten Mike Svoboda und den Perkussionisten Manfred Kniel, die manchmal wie ferngesteuert wirken und mit reduziertem geräuschlastigem, teils sich bedrohlich verdichtendem, teils fast verstummendem Klangmaterial eine enorm intensive Atmosphäre schaffen. Den zweiten Abend, der in der Essener Philharmonie stattfand, bestritt das sich erstmals präsentierende neu gegründete Ensemble für Neue Musik der Folkwang Hochschule. Auf dem Programm standen Werke bekannter Komponisten aus den 70erJahren. Damals war politisch ambitioniertes Komponieren en vogue, was allerdings zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führte. Nicolaus A. Huber verwendet in seinen Sechs Bagatellen eine mit Zitaten angereicherte avancierte Musiksprache, Kagel setzt in Der Tribun auf theatralische Mittel und Louis Andriessen verwendet in seiner Vertonung von Platons Staat, in dem er besonders die von Platon verpönten Frauen in lydischer Tonart zu Wort kommen lässt, repetitive Elemente, wobei ihm durchaus interessante Zusammenklänge gelingen. Nicht ganz zum Motto passten die etwas trockenen Drei Asko Stücke von Gottfried Michael König, der persönlich anwesend war. Den von Rektor Martin Pfeffer im Programmheft beschworenen „deutlichen Akzent auf innovative Kunstformen und Konzepte“ konnte ich am wenigsten im Abschlusskonzert spüren, obwohl die Besetzung – bis zu 12 Saxophonisten aus der Jazzklasse – zunächst ganz vielversprechend klang. Während die kleinen Stücke von Folkwangprofessor Wollie Kaiser noch einen gewissen jazzigen Drive hatten, boten die Werke der mir ansonsten zum Glück unbekannten Komponisten William Karlings und Walter S. Hartley nur schwerfälligen Klangbrei. Am weitesten vor wagte man sich mit Musik des Berliners Rainer Rubbert und des Niederländers Chiel Meijering, aber auch hier gilt: Der schon oft erprobte dritte Weg zwischen Jazz und Neuer Musik erobert nur selten Neuland. http://icem-www.folkwang-hochschule.de/Infos/nov_mus_gesamttext.html www.novembermusic.net/ [Henze-Festival im Konzerthaus Dortmund] Im Juli 2006 hat Hans-Werner Henze seinen 80. Geburtstag gefeiert, das Konzerthaus Dortmund gratuliert vom 1. bis 4.12. mit einem kleinen Festival. Im Zentrum stehen Henzes Bassariden in der aktuellen Produktion der Oper Köln. Außerdem sind das Ensemble Modern, das Scharoun Ensemble und die Bochumer Symphoniker mit von der Partie. Neben Henze stehen Werke von Richard Wagner, George Benjamin, Oliver Knussen und Franz Schubert auf dem Programm. www.konzerthaus-dortmund.de/language=de/taps=468/149963 [Rausch und Ratio beim WDR] Vom 7. bis 9.12. widmet der WDR in Köln sechs Konzerte dem unerschöpflichen Thema Rausch und Ratio in der Musik. Entfesselung, Ekstase, Entzücken treffen auf Konstruktion, Konzentration, Konkretion – exemplifiziert anhand von Uraufführungen von Nikolaus A. Huber, Jorge E. Lopez, Emilio Pomàrico, Arnulf Hermann, Isabel Mundry und York Höller. Sollte bei irgendjemandem der ekstatische Funke nicht überspringen, so könnte es an übermäßiger Bildung liegen, denn nach Eduard Hanslick gilt: „Der Laie fühlt bei Musik am meisten, der gebildete Künstler am wenigsten.“ www.wdr.de/radio/wdr3/specials_uebersicht.phtml?serienid=623041 An eben diese Laien richtet sich eine Begleitveranstaltung der Karl-Rahner-Akademie, bei der hans w. koch am 8. und 9.12 unter dem Motto „Happy New Ears“ in die Neue Musik einführt. Dass einem dabei die Empfänglichkeit für Rausch und Entzücken ausgetrieben wird, ist aber wohl nicht zu befürchten. www.karl-rahner-akademie.de [weitere Tipps für die Vorweihnachtszeit] Wie fast immer, wenn sie im Lande sind, veranstalten Kunsu Shim und Gerhard Stäbler Konzerte in Duisburg und Umgebung, so zum Beispiel am 11.12. im dortigen Theater. Von den Klangskulpturen der Sammlung Wilhelm Lehmbruck Museum haben sie sich zu Musik inspirieren lasen, die am 8.12. eben dort zur Aufführung kommt. Am 7.12. wird die Reihe MusicParadise im Forum für Kunst und Architektur am Kopstadtplatz in Essen fortgesetzt (u.a. mit Musik von David Tudor und Anton Lukoszevieze). www.earport.de In der Reihe sound samples wird am 17.12. in der Werdener Musikschule Brian Ferneyhoughs Mort Subité unter die Lupe genommen. www.ensemble-ruhrklang.de/home/rk.htm Das Düsseldorfer notabu-Ensemble widmet sich in dieser Saison ebenfalls Hans-Werner Henze und stellt seine Musik am 8.12. Werken von Günther Becker und einer Uraufführung von Anno Schreier gegenüber. Den Auftakt im nächsten Jahr macht das Konzert am 19.1.07 mit Werken von Henze, Hölsky, Andriessen und Hauke Berheide. www.notabu-ensemble.de/ Das japanische Kulturinstitut in Köln präsentiert am 12.12. in Kooperation mit der Kölner Gesellschaft für Neue Musik den 1931 in Osaka geborenen Makoto Shinohara, der auch anwesend sein wird, um über sein Werk Auskunft zu geben. www.jki.de Wer sich für zeitgenössischen Jazz und improvisierte Musik interessiert, ist nach wie vor in Wuppertal und Köln gut aufgehoben. Der Newsletter der Wuppertaler Jazz AGe informiert regelmäßig über aktuelle Termine. So zum Beispiel über das Gesprächskonzert mit Peter Brötzmann und Bernd Köppen am 13.12. im Sparkassenforum Wuppertal-Elberfeld, wo noch bis zum 12.1.2007 die Ausstellung „sounds like whoopataal – Wuppertal in der Welt des Jazz“ stattfindet. Daneben sind die Veranstaltungen in Peter Kowalts ehemaligem Domizil ort (Konzerte und CD-Präsentationen am 1., 5. und 21.12.) sowie die des Vereins unERHÖRT (mit talking horns am 15.12.) feste Größen. In Köln tut sich vor allem das Loft hervor, wo sich bewährte Namen (z.B. Alexander von Schlippenbach, Evan Parker und Paul Lovens am 5.12.) neben allerlei Neuentdeckungen einfinden. Martin Blume, Johannes Bauer, Luc Houtkamp und Dieter Manderscheid sind ebenfalls im Dezember dort zu Gast. Ruhrgebietler können aber auch bis zum 10.12. warten und dieselbe Besetzung im Museum Bochum erleben. www.jazzage.de www.kowald-ort.com/ www.martinblume.de www.loftkoeln.de Da die nächste Gazette voraussichtlich erst Ende Januar erscheint, hier schon mal ein kleiner Ausblick ins neue Jahr: Vom 26. bis 28.1.2007 bietet das Musikwissenschaftliche Institut der Universität zu Köln die Gelegenheit zur Begegnung mit Mauricio Kagel und seinem Werk mit Konzerten, Filmvorführungen und Diskussionen. www.uni-koeln.de/phil-fak/muwi/events/index1.html Kagel ist in diesem Jahr auch in-Residence-Künstler der Essener Philharmonie. Am 17.1. spielt die musikFabrik Kagel-Werke aus den 70er Jahren, u.a. seine Kammersymphonie für 13 Solisten in zwei Sätzen. www.philharmonie-essen.de/ Im Rahmen der vom Landesmusikrat NRW geförderten Konzerte mit Werken von Komponistinnen präsentieren sich im Januar Anne Hartkamp in Düren (20.1.), Hae-Kyung Choi in Köln (21.1.) und Anna Ikramova in Bielefeld (28.1.) www.lmr-nrw.de/uploads/pics/Flyer_Konzerte_2006.pdf Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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