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Gazette: Neue Musik in NRW - Ausgabe Februar 2007 |
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Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 27.01.2007, 15:29, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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| NM Februar 2007
Gewesen: Rausch und Ratio beim WDR Angekündigt: WDR – Tonhalle – Notabu – Schiphorst in Siegen u.a. [Rausch und Ratio beim WDR] Zum Jahresauftakt zunächst ein Rückblick in den Dezember: Rausch und Ratio war das Leitmotiv eines Konzertwochenendes beim WDR in Köln, an dem vom 7. bis 9.12.2006 sechs Konzerte präsentiert wurden. Mit diesem Begriffspaar wird ein wahrhaft weites Feld aufgespannt, an dem sich die abendländischen Geistesgrößen schon seit Jahrhunderten abarbeiten. In der Regel einigte man sich darauf, dass das dionysische und das apollinische Moment am besten gemeinsam als Geburtshelfer fungieren. Dabei erschien die Musik als jene Kunstform, der das Zusammenwirken der Gegensätze besonders gut gelingen könne, da sowohl die strenge Konstruktion als auch die entgrenzende Ekstase ihr nicht fremd sind. Die notationsfixierte westliche Klassik und in besonderem Maße die Neue Musik stehen allerdings in dem Ruf, mehr der Ratio verpflichtet zu sein. Noch heute treibt das Schreckgespenst des Serialismus so manchem Schauer über den Rücken. Auch an diesem Wochenende war, wie Michael Struck-Schloen bereits im Vorwort einräumt, „der entgrenzende Rausch nicht das Kernthema“. Bei der Gegenüberstellung der Väter und Urväter der Neuen Musik mit den Uraufführungen konnte man sich sogar des Eindrucks nicht erwehren, dass wir in einer besonders rauscharmen Zeit leben. Xenakis Dikhthas für Violine und Klavier aus dem Jahr 1979 kam gewohnt energievoll daher mit sich jagenden, stürzenden, taumelnden Glissandi. Rihm lässt in seiner Musik für drei Streicher (1977) kratzbürstige, aufgeladene und hochexplosive Passagen auf solche von ätherischer Schönheit treffen und auch bei Lachenmann (Tableau 1988-89) ist bei aller Präzision das sinnliche Element stets präsent. Dagegen zeigte sich bei einigen Uraufführungen einmal mehr der Trend, in Ermangelung eigenen Feuers ein paar Funken aus dem Bestand zu stibitzen, wobei sich besonders viele Hoffnungen auf den „späten Beethoven“ richten. Jorge E. Lopez arbeitet sich in Disparates an den Bagatellen op. 126 ab, wobei er sie ordentlich durch den Fleischwolf dreht. Der zur Schau gestellten Attitüde eines „schlechten Gewissens der Neuen Musik“ (O-Ton: „Ich habe mit der Neuen Musik wirklich nichts zu tun.“) wird er aber in keiner Weise gerecht. Manuel Hidalgos überflüssige Beethoven-Instrumentierungen übergehe ich am besten mit Schweigen. Bei Bernhard Langs DW 12 – Cellular Automata geistert Beethoven nur noch im Hintergrund herum. Im Vergleich zu anderen Stücken aus dem Werkzyklus Differenz/Wiederholung gefiel mir DW 12 für Klavier, bei dem der mechanisch-automatenhafte Grundduktus zunehmend durch Stottern, Stocken, Innehalten aufgebrochen wird, sogar ganz gut. Eine besondere Entdeckung war die mir noch unbekannte amerikanische Pianistin Heather O’Donnell, auf deren Programm außer Lang und The Celestial Railroad von Charles Ives noch die Uraufführung von Arnulf Herrmanns Privatsammlung stand, ein munter dahinperlendes Tastenspiel mit einigen dramatischen Einschlägen und Aufwallungen. Schließlich kamen noch vier weitere, ganz passable Uraufführungen zu Gehör: Bei York Höllers Fluchtpunkten werden sich umschlingende Bläserlinien von Klavier und Schlagzeug attackiert, ein stimmiges Stück mit Schwung und energievollen Zuspitzungen. Isabel Mundrys Sandschleifen lassen ihren komplizierten Ausgangspunkt (ein Text, der sich wiederum auf ein Bild bezieht) schnell vergessen. Behutsam tastende, geheimnisvolle Passagen wechseln mit quirligen Stellen, bei denen sich Klavier und Schlagzeug gegenseitig hochschaukeln. Mathias Spahlingers gegen unendlich (für Bassklar., Pos., Vc.,Kl.) hebt an mit kargen, gebrochenen, erstickten Klängen, die plötzlich ausbrechen, sich in einem Rhythmus festhaken und schließlich ins Leere laufen. Nicolaus A. Hubers Orchesterstück Weisse Radierung lebt von dem Kontrast aus hauchzartem, fast gänzlich ausgedünntem Klangmaterial und scharfen, präzise platzierten Attacken. Insgesamt war die Ausbeute also gar nicht so schlecht, wenn auch von Rausch nicht viel zu spüren war und das Motto somit (wie so oft) als beliebig füllbare Hohlform diente. www.wdr.de ..und nun die Vorausschau auf den Februar: Im Februar wird die WDR-Reihe ensembl[:E:]uropa fortgesetzt. Am 9.2 ist Windkraft Tirol zu Gast, die „erste Blaskapelle für Neue Musik“. Unterstützt von Christian Dierstein am Schlagzeug und Marcus Weiss am Saxophon werden Uraufführungen von Johannes Maria Staud und Casper Johannes Walter sowie Werke von Sarunas Nakas und Harrison Birtwistle zu Gehör gebracht. Zwei Tage später spielt am gleichen Ort die musikFabrik Musik von Pierre Boulez und Michel van der Aa. www.wdr.de/radio/wdr3/veranstaltungen.phtml www.musikfabriknrw.de/ Als Auftragswerk der Düsseldorfer Symphoniker wird am 2.2. in der Tonhalle das Triple Concerto (für drei Vionloncelli solo und Orchester) von Tatjana Komarova aus der Taufe gehoben. Komarova wurde 1968 in Brest geboren und wuchs in Moskau auf, wo sie Klavier und Komposition studierte. www.tonhalle-duesseldorf.de www.schott-musik.de/shop/artists/1/show,10547.html Uraufführungen von Yasuko Yamaguchi und David Graham stehen im Konzert des Notabu-Ensembles am 23.2. in der Clara-Schumann Musikschule in Düsseldorf auf dem Programm. Daneben ist Sven-Ingo Koch mit gleich drei Werken vertreten. www.sven-ingo-koch.de/ www.notabu-ensemble.de/ Am gleichen Abend widmet sich ein Konzert im japanischen Kulturinstitut in Köln den wechselseitigen Beeinflussungen zwischen europäischen und asiatischen Komponisten. Im Mittelpunkt stehen zwei neue Stücke der in Köln lebenden Komponistin Shôko Shida eingebettet in Musik von Scelsi, Cage und Yoriaki Matsudaira. www.jki.de/ Auch in Siegen erklingt am 23.2. eine Uraufführung. Zu ihrem 50-jährigen Bestehen hat die Philharmonie Südwestfalen bei Iris ter Schiphorst ein neues Werk für Orchester und Live-Elektronik in Auftrag gegeben. www.theatersiegen.de/ ChorWerk Ruhr und Ensemble Resonanz widmen sich auch 2007 noch dem 250. Geburtstag Mozarts. Dabei erklingt am 27.2. in der Essener Philharmonie neben einem neuen Werk des Dirigenten Rupert Huber Musik von Iannis Xenakis und Jani Christou. www.philharmonie-essen.de Am 9.2. ist in der Rudolf-Steiner-Schule in Düsseldorf die Weltpremiere von Amy Wurtz Message from the Soul zu erleben. Die zur Zeit in Köln lebende, amerikanische Komponistin arbeitet bereits seit 2005 an ihrem jüngsten Projekt, an dem neben Kammerorchester, Chor fünf Solisten und Sprecher auch die kanadische Choreographin Dawan Dryhorub mitwirkt. www.mtoshahmaghsoudi.org/Msg_soul/de/konzert.html Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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