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Gazette: Neue Musik in NRW - Ausgabe März 2007 |
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| (möchten Sie diese Gazette monatlich neu per e-mail erhalten?
Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 25.02.2007, 16:30, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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| NM März 2007
Gewesen: notabu-Konzert mit Preisträgern – musikFabrik mit Michel van der Aa Angekündigt: Nozart – Forum neuer Musik beim DLF – e-mex neue musik ensemble – etc. [notabu-Konzert mit Preisträgern] In seiner Konzertreihe an der Düsseldorf Clara-Schumann-Musikschule stellte das notabu.ensemble neue musik am 23.2. Preisträger der Stadt Düsseldorf vor. Im Zentrum stand Sven-Ingo Koch, der im vergangenen Jahr den Musikförderpreis der Stadt erhielt. Koch wurde 1974 in Hagen geboren, studierte u.a. an der Essener Folkwang Hochschule bei Nikolaus A. Huber und lebt nach einem vierjährigen USA-Aufenthalt inzwischen wieder in Deutschland mit Schwerpunkt Düsseldorf. Das Wandeln zwischen den Welten hat ihn sensibilisiert für Kontraste. Als Schlüsselerlebnis erwähnt er eine Erfahrung, die er auf dem Campus der Universität von San Diego machte: In den von Rockmusik beherrschten Umgebungssound mischte sich plötzlich aus der Ferne ein zwöftönig-erklingendes Glockenspiel. Die musikalische Umsetzung, das Aufeinandertreffen von Disparatem erfolgt in Kochs Musik allerdings auf sehr viel subtilere Weise. Der Hörer wird nicht, wie der von Koch verwendete Terminus der ‚dissonanten Montage’ vermuten ließe, mit Schockeffekten überrumpelt oder mit unvermittelt aufeinandertreffenden Fragmenten konfrontiert, sondern die verschiedenen Welten entfalten ihre spannungsreiche Wirkung eher subkutan und treten in einen subtilen Dialog. In den beiden Miniaturen für Akkordeon, Harfe und Cello Stank, EzK!, die mit dem größtmöglichen zeitlichen Abstand gespielt werden sollen und daher den Konzertabend rahmten, sind Cello einerseits und Harfe und Akkordeon andererseits an entgegengesetzten Enden des Podiums platziert. Das Cello geht zunächst unbekümmert seinen Weg, während Harfe und Akkordeon subtile Akzente setzen. Erst im zweiten Teil ist das Cello zunehmend bereit, innezuhalten und sich auf einen diffizilen Dialog einzulassen. In oznek, einem auf Wunsch der Uraufführungsinterpretin „duftenden“ Stück für Akkordeon, dessen Titel sich daher einem Parfumnamen verdankt, findet der Dialog innerhalb eines Instrumentes statt. Fein ausgehörte, komplexe Zusammenklänge, die teilweise zwischen extremen Registern vermitteln, stellen hohe Anforderungen an den Interpreten und wirken trotzdem ganz unangestrengt. Domes für Klarinette, Cello und Akkordeon entstand im Rahmen des Kulturprogramms der Fußballweltmeisterschaft, aber auch hier muss nicht mit Getöse gerechnet werden. Im Gegenteil: Die auf- und abwogende Musik verebbt. Im Mittelteil, wenn nur noch das Akkordeon zurückbleibt – das bald darauf ebenfalls versiegt -, wird das Knacken und Knistern von Naturmaterialien hörbar. Einen schöneren Kontrast zum Fußballspektakel kann man sich kaum denken. Die Förderpreisträgerin des Jahres 2005, Yasuko Yamaguchi, die an der Robert-Schumann-Hochschule studierte und heute ebenfalls in Düsseldorf lebt, war mit der Uraufführung ihres bereits 2004 entstandenen Werkes Irregehen vertreten. Das Stück für Bassklarinette und Kontrabass entstand unter dem Eindruck eines Spaziergangs im Sauerland, der offenbar in die Irre führte, und auch die Musik verläuft nicht geradlinig. Beherzt vorwärtsschreitende Passagen wechseln mit vorsichtig innehaltenden und zaghaft tastenden bis hinzu bedrohlichen Verdichtungen. Das e-mex neue musik ensemble wird Yamaguchi im Rahmen einer neuen Konzertreihe in Dortmund am 29.5. ein Porträtkonzert widmen (s.u.). Schließlich gab David Graham in einer weiteren Uraufführung (Floating, Falling) einen Vorgeschmack auf sein aktuelles Projekt, in dem er sich mit der schottischen Atlantikinsel Sankt Kilda auseinandersetzt. Diese wurde 1930 von ihren Einwohnern verlassen, nachdem sie sich dort über Generationen vor allem von Seevögeln ernährten. Das aufwendige Gesamtwerk soll im kommenden Sommer gleichzeitig, vermittelt über Satellitenschaltung, auf eben dieser Insel sowie in fünf europäischen Städten (u.a. Düsseldorf) erklingen. Graham ist außerdem Leiter einer Kompositionsklasse für Kinder und Jugendliche an der Clara-Schumann-Musikschule. Was dort so entsteht, kann im nächsten notabu-Konzert am 24.3. erlebt werden. www.notabu-ensemble.de/ www.sven-ingo-koch.de/ [musikFabrik mit Michel van der Aa] Um Dialoge und Grenzgänge ging es auch im Konzert der musikFabrik beim WDR in Köln am 11.2. Dem Altmeister Pierre Boulez wurde der 1970 in den Niederlanden geborene Michel van der Aa gegenübergestellt, der neben einem Kompositionsstudium auch Filmregie-Studien in New York absolvierte. Eigene Filme oder Videoprojektionen sowie die Zusammenarbeit mit Filmemachern spielen in seinem Werk daher eine wichtige Rolle. In seinen Kompositionen spiegelt sich dies wieder in der Aufnahme visueller bzw. theatralischer Elemente. In Wake stehen zwei Schlagzeuger auf der Bühne, doch während der eine ein wahres Perkussionsfeuerwerk entfacht, agiert der zweite nur pantomimisch, wobei er sich zunehmend von seinem hörbaren Partner emanzipiert. Der Reiz des Stückes entsteht aus eben diesem Kontrast zwischen Hörbarem und Sichtbarem sowie der weiteren Ebene des Imaginierbaren. In der Uraufführung des Abends Mask wird das Ensemblespiel mit elektronisch zugespielten Klängen konfrontiert, die es phasenweise überlagern, gewissermaßen maskieren. Hinzutreten auch hier szenische Elemente und akustische Fremdkörper: Klebebänder werden abgezogen und ein Metronom durch zunehmende Verhüllung zum Verstummen gebracht. So recht will sich das aber nicht zu einem Ganzen fügen. Die Musik bewegt sich teilweise in recht konventionellen Bahnen, wodurch die verfremdenden Einwürfe etwas aufgesetzt wirken. Von Boulez wurde das umfangreiche Ensemblewerk Dérive 2 gespielt sowie Dialogue de l’ombre double in einer von Helen Bledsoe erarbeiteten Fassung für Flöte und Tonband. www.musikFabrik.org Im März stehen einige spannende Konzerte auf dem Programm: [Nozart] Gleich am ersten Märzwochenende (2. und 3.3.) lädt das Nozart-Festival in die Katakomben der Kölner Christuskirche, um den Frühling mit „zeitgemäßen Radikalimprovisationen“ einzuläuten. Wie üblich treffen alte Hasen auf neue Namen, gerne auch in neuen und eigenwilligen Kombinationen. Die Protagonisten der Formation Steamboat Switzerland zum Beispiel gehen diesmal ganz eigene Wege: Der E-Bassist Marino Pliakas wirkt in Michael Wertmüllers SWLABR-Projekt mit (nach She Walks Like A Bearded Rainbow nach einem Cream-Song), der Drummer Lucas Niggli hat sich mit dem Sheng-Spieler Wu Wei zusammen getan und Dominik Blum an der Hammondorgel holt sich die Sängerin Cäcilia Schüeli und den „Turboschlagzeuger“ Pez C. Zumthor ins Boot. Jeweils vier Acts pro Abend werden die Ohren sicherlich noch lange nachklingen lassen. www.nozart.de Ebenfalls am 3.3. ist beim WDR in Köln in der Reihe ensembl[:E:]uropa Alter Ego aus Rom zu Gast. Im Gepäck befinden sich neben Uraufführungen von Emanuele Casale und Harald Muenz Werke von Jennifer Walshe, Salvatore Sciarrino, Stefano Scodanibbio u.a. www.wdr.de Auch in der Düsseldorfer Tonhalle erklingt im März Zeitgenössisches aus Italien. Am 15.3. spielt das Musica d’Insieme Ensemble aus Mailand unter dem Dirigat von Robert HP Platz Musik von Casale, Netti, Gervasoni, Romitelli und Donatoni. Auf der Suche nach dem neuen Ton hat sich die Tonhalle mit der aktuellen elektronischen Clubmusik verbündet. In der Reihe Tonfrequenz bitten Plattenaufleger regelmäßig in der Rotunde zum Tanz. Jetzt geht man noch einen Schritt weiter und arrangiert ein Zusammentreffen der Gruppe Phoneheads mit den Düsseldorfer Symphonikern. Die Pianistin Heike Beckmann wird die Musik für alle Instrumente schreiben und die Aufführung dirigieren, während die Phoneheads mit Synthesizern, Effektgeräten, Computern und Plattenspielern für die authentische Repräsentation ihres Sounds sorgen. Das Ergebnis ist am 14.3. in der Tonhalle zu erleben. www.tonhalle-duesseldorf.de [Forum neuer Musik beim DLF] Der Deutschlandfunk richtet mit seinem Forum neuer Musik vom 23. bis zum 25.3. seinen Focus diesmal auf den Balkan. Das Konzertwochenende wird mit Musik aus Serbien eröffnet. Anschließend stellt das holländische Ensemble Insomnio unter dem Motto expatriats Werke von Komponisten vor, die ihre Heimat verlassen haben und heute in Westeuropa leben. Nach zwei Klavier-Recitals mit neuer Musik aus Rumänien und Griechenland präsentiert das Abschlusskonzert Marco Cicilianis Multimediastück Map of Marble in deutscher Erstaufführung. www.dradio.kulturkurier.de/veranstaltung.php?id=62049 [e-mex neue musik ensemble] Das e-mex neue musik ensemble startet am 27.3. eine neue Konzertreihe im Dortmunder domicil und möchte damit das östliche Ruhrgebiet verstärkt der zeitgenössischen Musik erschließen. Zum Auftakt wurde ein Kompositionsauftrag an den amerikanischen Komponisten Gene Coleman vergeben. Coleman ließ sich in seinem Werk ANDOLANGEN von Tadao Andos Gebäude für die Langen Foundation in Neuss inspirieren und versucht die Architektur, die zusätzlich in einer Video-Projektion präsent ist, in musikalische Strukturen zu transformieren. Neben dem e-mex neue musik ensemble wirkt das japanische N_JP-Ensemble mit, das mit den traditionellen japanischen Instrumenten Koto, Sho und Shamisen besetzt ist. Im Laufe des Jahres sind drei weitere Konzerte geplant. Als nächstes steht am 29.5. ein Porträt Yasuko Yamaguchis (s.o.) auf dem Programm. www.e-mex.de www.domicil-dortmund.de www.soundfield.org/genecoleman.html Eine weitere Begegnung zwischen Ost und West findet am 29.3. im Museum Bochum statt. Der Schlagzeuger Martin Blume trifft auf die chinesische Guzheng-Spielerin Xu Feng Xia. Das ehemalige Mitglied der ersten Frauen-Rockband von Shanghai lebt seit 1991 in Deutschland und hat hier unter anderem mit Peter Kowald zusammengearbeitet. www.bochum.de/museum/frame03.htm www.xufengxia-music.de/ www.martinblume.de Apropos Kowald: An seiner ehemaligen Wirkstätte ort in Wuppertal gibt am 31.3. der Saxophonist Hartmut Dorschner als "Artist in Residence" seinen Einstand. Bereits am 2.3. präsentiert die Gruppe ‚Arnie Bolden’ experimentelle Musik. www.kowald-ort.de In der reihe bonn chance! kommt am 15.3. die Oper Powder Her Face von Thomas Adès in der Inszenierung von Werner Schroeter in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle auf die Bühne. Das 1995 uraufgeführte Werk handelt von Aufstieg und Fall der Herzogin von Argyll, einer authentischen Figur des vergangenen Jahrhunderts. www.bundeskunsthalle.de/ www.oper.bonn.de/ Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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