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Gazette: Neue Musik in NRW - Ausgabe April 2007 |
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| (möchten Sie diese Gazette monatlich neu per e-mail erhalten?
Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik) Düsseldorf, 29.03.2007, 13:24, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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| NM April 2007
Gewesen: Nozart-Festival in Köln Angekündigt: musikFabrik – Kagel – Witten – ort – Ohren auf Europa –Musiktriennale Köln [Nozart] Am 2. und 3. März ging in den Gewölben unterhalb der Kölner Christuskirche bereits zum 11. Mal das Nozart-Festival über die Bühne. Das Festival widmet sich mit beachtlicher Konsequenz der freien Improvisationsszene und ist in seiner Art einmalig in unserer Region. Selbstbewusst kündigten die Macher Peter Schöndorf und Peter Henseleit ein Programm an, das nur Höhepunkte kennt, und auch wenn nicht alle Punkte gleich hoch waren, bin ich voll auf meine Kosten gekommen. Den Auftakt gestalteten die drei Kölner Musiker Frank Schulte (Live-Elektronik), Norbert Scholly (Gitarre) und Thomas Heberer (Trompete) noch recht zart und beschaulich. In elektronischem Glucksen und Wogen zog die Trompete geruhsam ihre Bahn: Eine Klangmatratze, auf der man sich wohlig treiben lassen konnte. Doch schon beim folgenden Musikerpaar wurde man schnell wieder munter. Die chinesische Mundorgel Sheng auf die geballte Schlagzeugpower eines Lucas Niggli (Steamboat Switzerland) treffen zu lassen, scheint ein gewagtes Unterfangen. Aber Wu Wei kann es an Elan mit Niggli durchaus aufnehmen. Neben der Sheng brachte er weitere chinesische Blas- und Saiteninstrumente zum Einsatz und strotzte nur so vor Virtuosität und Energie. Niggli im Gegenzug zeigte, dass er nicht nur draufhauen kann, sondern bei Bedarf auch äußerst feinfühlig und nuancenreich ans Werk geht. Besonders beeindruckte das (erstmalige!) Zusammenspiel der beiden. Soviel Hör- und Blickkontakt ward selten. Der Faden zwischen den beiden riss nie und so entstand vom Einzelton bis zum großen Spannungsbogen ein stimmiges Ganzes. Es blieb kaum Zeit Atem zu schöpfen, da betraten bereits zwei weitere gewichtige Persönlichkeiten die Bühne. Der Oberhausener ‚Koloss’ Achim Jaroschek am Piano traf auf das holländische Schlagzeuger-Urgestein Han Bennink. Die beiden boten auch eine optisch eindrucksvolle Performance und traktierten ihr Instrumentarium mit Hand und Fuß. Man traut seinen Augen und Ohren kaum, wenn Jaroschek mit seinen Wurstfingern die Tasten zum Perlen bringt, so dass selbst schlichtes musikalisches Material (einfache Läufe, melodische Floskeln, geläufige Themen) Funken schlägt und Klangkaskaden zu Sturzbächen werden. Den Abschluss des ersten Abends bildete Michael Wertmüllers neues Projekt SWLABR. Der kryptische Name bezieht sich auf den Cream-Song She Walks Like A Bearded Rainbow. Geboten wurde schräg recycelte Rockmusik, an der Publikum und Protagonisten, neben Turboschlagzeuger Wertmüller u.a. Marina Pliakas (E-Bass, Steamboat Switzerland) und Marian Gold (Sänger der Popgruppe Alphaville), sichtlich ihr Vergnügen hatten. Lediglich Ex-Can Schlagzeuger Jaki Liebezeit wirkte streckenweise etwas deplaziert und unbeholfen, als habe er seinen Einsatz verpasst. Wir wollen hoffen, dass es nur schlechte Tagesform war. Dem Gesamtergebnis tat dies aber keinen Abbruch. Den zweiten Tag eröffnete ein weiteres Duo bekannter Namen, das mich jedoch nicht restlos überzeugte. Der Schlagzeuger Chris Cutler (Ex-Henry Cow) traf auf den Bassisten Hugh Hopper (Ex-Soft Machine). Hopper sorgte mit seinem Bass für erdige Bodenhaftung und ließ den Klang hin und wieder zu rhythmischen und melodischen Formen kondensieren. Allerdings ging er dabei recht egomanisch ans Werk und konnte gar kein Ende finden. Cutler versuchte irgendwie dazwischenzukommen und auf den Zug aufzuspringen. In den energiegeladenen Passagen funktionierte es noch ganz gut, aber bei den ruhigeren Stellen ging streckenweise die Luft aus. Als nächstes stand eine ungewöhnliche Einlage auf dem Programm. Das Exzentrische Filmorchester aus Berlin spielte zu einem Stummfilm des weitgehend unbekannten russischen Regisseurs Dimitri Krisanoff. Die dramatische Handlung kreist mit ausdrucksstarken Schwarzweißbildern um Mord, Eifersucht und Verrat. Dazu kreierte der Bassklarinettist Heiner Reinhard ruhige melodiöse Linien, während der Pianist Jürgen Kurz und der Schlagzeuger Willi Kellers sich mit extravaganteren Spielweisen in die Materie wühlten. Erfahrungsgemäß ziehen Bilder Aufmerksamkeit von der Musik ab, aber diese konnte dadurch um so intensiver ihre unterschwellige Wirkung entfalten und so für weiteren Spannungsanstieg sorgen. Nach 40 Minuten hatten es Bilder und Klänge gemeinsam geschafft, in ihren Bann zu ziehen. Es war wie ein Auftauchen aus einer anderen Welt. Einer der wirklichen Höhepunkte war für mich der Auftritt des Joe McPhee Trios aus Chicago. McPhee (Saxophon und Trompete), Fred Lonberg-Holm (Cello) und Michael Zerang (Schlagzeug) boten ‚für einen Dollar Krach und Wonne’ vom Feinsten und hüllten den Raum in einen wunderbaren Lärmkokon, der bis in die kleinste Faser präzise austariert war. Das wahre Gelingen solcher Aktionen zeigt sich oftmals in den ruhigeren Passagen (s. Cutler/Hopper). Gelingt es die Spannung zu halten? In diesem Fall wurde es keine Sekunde langweilig und die Musik behielt ihre Sogkraft bis zum Schluss. Als Rausschmeißer gab es dann noch einen Höhepunkt ganz anderer Art und zwar einen an Lautstärke. Als letzter aus der Streamboat Switzerland-Riege durfte natürlich Dominik Blum mit seiner vorsintflutlichen voluminösen Hammondorgel nicht fehlen, diesmal im Trio mit Schlagzeuger Pez. C. Zumthor und Sängerin Cäcilia Schüeli. Die Ankündigung ‚ein einziges Toben, Brüllen, Wüten’ war nicht zuviel versprochen. Wahre Lärmkaskaden ergossen sich zu später Stunde über das schon etwas gelichtete Publikum, dazu sorgte die Sängerin mit grimmigem Blick und entsprechendem Outfit für Geisterbahnstimmung. Das Erlebnis war eher ein körperliches als ein musikalisches. Vor mehr als 25 Jahren im Ratinger Hof konnte ich mich solchen Attacken noch uneingeschränkt hingeben, heute hat sich eine gewisse innere Distanz eingestellt. Auch wenn Faszination an soviel Gnadenlosigkeit geblieben ist, war ich doch froh, meinen Ohren in der frischen Nachtluft Erholung gönnen zu können – am Himmel über uns die letzten Ausläufer der Mondfinsternis! [musikFabrik] Im April stehen eine ganze Reihe von Terminen der musikFabrik auf dem Programm. Mit Martín Matalons Musik zum Fritz Lang Film Metropolis ist sie am 4.4. in der Düsseldorfer Tonhalle und am 30.4. in der Stadthalle Gütersloh zu Gast. Am 15.4. steht Jonathan Harvey unter anderem mit einer Uraufführung im Zentrum der Reihe musikFabrik im WDR (ergänzt durch ein Werk von Kaija Saariaho). Im Rahmen der Initiative der Kölner Philharmonie, die heiligen Hallen zu verlassen und in die Stadtviertel auszuschwärmen (Philharmonie Veedel Trip), spielt die musikFabrik am 20.4. im Alten Wartesaal Musik von Thierry de Mey, Crumb und Stockhausen. Hinzu kommen noch zwei ‚offizielle’ Termine: am 16.4. ein Festakt für Gerhard Richter in Köln und am 26.4. die Fachkonferenzeröffnung der UNESCO im Europasaal der Essener Messe. www.musikFabrik.org [Kagel in Essen] Mauricio Kagel ist bekanntermaßen in dieser Saison Composer in Residence der Essener Philharmonie. Am 14. und 15.4. moderiert er unter dem Motto Monologe und Dialoge mit Kammermusik zwei Konzerte mit dem Liszt Trio Weimar, die ausschließlich seiner Musik gewidmet sind. www.philharmonie-essen.de [Wittener Tage für neue Kammermusik] Die Wittener Tage für neue Kammermusik sind wahrscheinlich in allen einschlägigen Kalendern längst vermerkt. Diesmal ist vom 20. bis 22.4. dem griechisch-französischen Komponisten Georges Aperghis ein Schwerpunkt gewidmet. Daneben gibt es neben vielen Altbekannten auch eine Reihe von Witten-Debütanten: Oliver Schneller, Klaus Ospald, Márton Illés, Sun Young Pahg, Bruno Mantovani, Jérôme Combier, Paul Usher und Hans Thomalla. www.wittenertage.de [ort in Wuppertal] Leider fast genau zum gleichen Zeitpunkt, vom 18. bis 21.4., wird an der ehemaligen Wirkungsstätte Peter Kowalds in Wuppertal das kleine Festival „4 Tage vor ort“ veranstaltet. Beleuchtet wird die Entwicklung der improvisierten Musik in der ehemaligen DDR und dem was daraus geworden ist. Als Vertreter verschiedener Generationen sind Günter „Baby“ Sommer und das „Sächsische Improvisationsensemble SIE“ mit Hartmut Dorschner zu Gast, der im April auch als Artist in Residence fungiert. www.kowald-ort.com Ende April starten zwei Festivals, die uns noch weit in den Mai hinein begleiten werden: [Ohren auf Europa an der Düsseldorfer Tonhalle] Die Düsseldorfer Tonhalle und das notabu.ensemble richten erneut die Ohren auf Europa. Das alle zwei Jahre stattfindende kleine Festival wird jeweils von einer Persönlichkeit des Musiklebens kuratiert. In diesem Jahr zeichnet Lukas Ligeti, der Sohn von György Ligeti, für die Auswahl der Werke verantwortlich. Den Auftakt macht das Konzert am 27.4. mit Werken von Varèse, Grisey und anderen. Weiter geht es am3., 16. und 23. Mai. www.ohren-auf-europa.de www.tonhalle-duesseldorf.de [MusikTriennaleKöln] Ungleich größer dimensioniert ist die MusikTriennale Köln, die ebenfalls am 27.4. beginnt und bis zum 20.5. eine Vielzahl von Veranstaltungen quer durch Köln beschert. Das Studium des umfangreichen Programmheftes überlasse ich jedem selbst. Aushängeschild ist diesmal Luciano Berio. Daneben gibt es einen interessanten China-Schwerpunkt, aber auch die Improvisationsszene ist mit einigen spannenden Konzerten vertreten. www.musiktriennalekoeln.de Neben all den Großereignissen zum Schluss noch ein paar Tipps am Rande: Zum Ausklang der WDR-Reihe ensembl[:E:]uropa ist am 14.4. das Pariser Ensemble Court-Circuit zu Gast und beleuchtet in zwei Konzerten vor allem die französische musique spectrale (u.a. Griseys Vortex Temporum). www.wdr3.de In der Düsseldorfer Neanderkirche führt das ars-nova-ensemble Berlin am 21.4. neue Werke für Stimmen u. a. von C. Seither und G. Becker auf. www.neandermusik.de Das neue Stück von Manos Tsangaris Botenstoffe.Orestie holt am 27. und 29.4. die Mythologie in die Kölner Innenstadt. Das Publikum wandert von Spielort zu Spielort, um sich schließlich zum großen Finale im Kölner Schauspielhaus zu versammeln. www.buehnenkoeln.de Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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