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Gazette: Neue Musik in NRW - Ausgabe Juli/August 2007 |
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Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik oder tragen Sie sich hier ein: http://lists.kulturserver-nrw.de/cgi-bin/mailman/listinfo/neuemusik) Düsseldorf, 05.07.2007, 22:23, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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Gewesen: Kompositionswettbewerb der Ensemblia in MG Angekündigt: Stockhausen-Kurse – Portugal in Essen – Klangraum Düsseldorf –Ensembles Reflexion K, e-mex, musikFabrik, Caetitu [Kompositionswettbewerb der Ensemblia in Mönchengladbach] Sieben Komponisten hatten es ins Finale des Internationalen Kompositionswettbewerbs geschafft, der im Rahmen der diesjährigen Mönchengladbacher Ensemblia ausgeschrieben worden war. Dem ging eine Menge Arbeit voraus. Über 400 Einsendungen musste die Jury, bestehend aus den Komponisten Carola Bauckholt und Sidney Corbett sowie Frank Hilberg (WDR), Graham Jackson (Generalmusikdirektor Mönchengladbach) und Wolfgang Rüdiger (Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf), sichten und sie hat ihre Sache wirklich gut gemacht. Jede der vorgestellten Kompositionen befand sich auf hohem Niveau und ist ein paar Zeilen wert. Den Auftakt machte das Streichquartett Line of Wreckage des Amerikaners Evan Johnson (*1980). Er bürdete den Musikern des Cantus Ensembles aus Zagreb besondere Hemmnisse auf. Die Streicherbögen sollten mit möglichst wenig Kolophonium behandelt und nur locker gespannt werden. Den Musikern oblag es nun mit „vergeblicher Energie“, so eine Vortragsbezeichnung, ihren Instrumenten ein dichtes Klanggewebe zu entlocken, aus dem manchmal einzelne Stimmen ausbrechen und das dann wieder fast ins Nichts sinkt. Die beiden folgenden vom Cantus Ensemble vorgetragenen Werke hätten unterschiedlicher nicht sein können. Lützhøft fragmenter des Dänen Lars Bagger (*1974) dauert gerade einmal drei Minuten, was genau der untersten im Rahmen der Ausschreibung vorgesehenen Grenze entspricht. Jeder Klang, Zusammenklang, Übergang erscheint wie unter dem Mikroskop, wirkt kostbar und unverbraucht. Der Mexikaner Edgar Arturo Barroso Merino (*1977) hingegen setzt in AION auf hohe Informationsdichte und geht auch in punkto Lautstärke und Dramatik an Grenzen. Doch es entsteht kein Chaos sondern ein nachvollziehbarer energievoller Klangfluss, der auch in den ruhigeren Passagen zu fesseln vermag. Die Bausteine seiner Musik hat Barroso aus der rhythmischen Analyse indigener Sprachen seines Heimatlandes gewonnen. Den zweiten Teil des Abends bestritt die musikFabrik, die ebenfalls sehr unterschiedlich gefordert wurde. Der Ungar Péter Köszeghy ließ sich zu seinem Stück Gegeben sei… von Werken Duchamps und Beuys inspirieren, wobei ihn bei letzterem vor allem die verwendeten Materialien interessierten. Die Musik nimmt unmittelbar darauf Bezug, ist mal dicht gewebt wie Fils, mal zäh fließend wie Honig, mal pulsierend wie Blut. Daraus entsteht eine abwechslungsreiche Musik voller Power. Ganz andere Saiten wurden bei dem Deutschen Thomas Stiegler (*1966) angeschlagen. Bereits früher ließ sich Stiegler, der in seinem „zweiten“ Leben als Arzt tätig ist, von der Prinzhornsammlung anregen. Zum Beispiel hat er die Textzeichnungen der schizophrenen Künstlerin Barbara Suckfülls (http://prinzhorn.uni-hd.de/galerie/barbara-suckfuell.shtml ) zum Ausgangspunkt eines Werkes für Sprecherin und 12 Stimmen gemacht. Das nun vorgestellte Streichquartett Und.Ging.Außen.Vorüber.IV/1 kann als dessen instrumentales Spiegelbild aufgefasst werden. Tatsächlich wird das Hecheln, Flüstern, Stottern, Wispern, Stammeln und Stocken, das Steckenbleiben und sich Überschlagen der Instrumente seinem Gegenstand gerecht, macht ihn geradezu physisch spürbar. Zum Schluss scheint die Musik zur Ruhe zu kommen, doch es ist eher ein Zustand der Erschöpfung. Dies wird unmittelbar erfahrbar, wenn die Musiker die Notenblätter zerknüllen und zu Boden fallen lassen – ein akustisch und optisch höchst stimmiger Moment, der berührt und die Vergänglichkeit und Vergeblichkeit des Unterfangens auf die Spitze treibt. Auch der Italiener Valerio Sannicandro (1971) widmet sich einem schwierigen Thema. In A book of ayres bilden eingesprochene Texte über den Tod von Emily Dickinson, Dylan Thomas, William Shakespeare und John Keats Fixpunkte. Die vorzugsweise dem tiefen Register angehörenden Instrumente (Kontrabass, Bassklarinette, Horn und Cello) sorgen für ein entsprechend düsteres Klangbild, das durch eine bewusst ritualhafte Anlage noch intensiviert wird. Lediglich Harfe und Röhrenglocken setzten dem lichtere Farben entgegen. Zum Schluss erklang Como el air e des 1976 in Brasilien geborenen Aurélio Edler Copês. Nach einem wuchtigen Auftakt verführt er in eine farbige Klanglandschaft voller zwitschernder Flöten, perlender Harfen und ritualartiger Gongs. Bei diesen Vorgaben war die Aufgabe der Jury nicht leicht. Schließlich entschied sie sich dafür, drei Preise zu vergeben. Der erste ging an Stiegler, der auch mein Favorit war, der zweite an Sannicandro und der dritte an Barroso. Damit war der Preisregen jedoch noch nicht erschöpft. Gestiftet vom Verein der Freunde und Förderer der Musik in Mönchengladbach e.V. wurde ein Publikumspreis ausgelobt, den Aurélio Copês erhielt. Der Preis ist gleichzeitig Symbol dafür, dass die Ensemblia, die in diesem Jahr zum 15. Mal durchgeführt wurde, längst bei den Bürgern der Stadt angekommen ist. Während sich in Witten vermutlich äußerst selten ein Einheimischer in eines der Konzerte verirrt und die Neue-Musik-Gemeinde ganz unter sich bleibt, ist es in Mönchengladbach genau umgekehrt. Das Festival geht unter die Leute und die Leuten kommen zu ihm. Dass dies nicht zu Lasten der Qualität gehen muss, hat das Abschlusskonzert gezeigt, das vor ausverkauften Reihen stattfand. www.ensemblia.de Termine für den Sommer: [Stockhausen in Kürten] Noch bis zum 15.7. finden in Kürten bei Köln die Stockhausen-Kurse statt. In den begleitenden Konzerten werden einige neue Bestandteile von Stockhausens aktueller Mega-Komposition Klang aus der Taufe gehoben. www.kuerten.de/die_gemeinde/stockhausen/stockhausen_broschuere2007.pdf [Sommer im Klangraum] Der Düsseldorfer Klangraum zeigt sich in der Sommerpause ausgesprochen aktiv. Vom 11. bis 15.7. findet eine Sommerakademie statt. Der Kunstraum wird in dieser Woche zu einem internationalen, interdisziplinären Arbeits- und Begegnungsraum für Künstler aus verschiedenen Sparten: Musik, Film, Video, bildende Kunst, Literatur. Den Schwerpunkt bildet dabei die Musik. Die Programmierung der einzelnen Veranstaltungen wird von den Teilnehmern vor Ort bestimmt. Weitere Konzerte und Installationen finden vom 18. bis 21.7. sowie am 27. und 28.7. statt. www.timescraper.de/ [Portugal in der Essener Philharmonie] In der Essener Philharmonie wird in der Reihe YOUrope together der Blick nach Portugal gerichtet. www.philharmonie-essen.de/ [Japan in Düsseldorf und Köln] Unter dem Titel Surroundings - Räume, Flächen und Momente spielt das Ensemble Reflexion K zeitgenössische und traditionelle Musik aus Japan und Deutschland. Aktuelle Werke von Peter Gahn, Gerald Eckert, Erik Janson, Yasuko Yui und Markus Bongartz werden eingerahmt von so genannten Choshi-Stücken aus dem Repertoire der Gagaku-Musik, die für die japanische Mundorgel Sho entstanden sind, diesmal jedoch von Eva Zöllner auf dem Akkordeon gespielt werden. Das Programm ist sowohl in Düsseldorf (19.7. im Buddha Bay Club) als auch in Köln (20.7. im Japanischen Kulturinstitut) zu erleben. www.musik21.de/ www.jki.de [Brasilien im Museum Bochum] Anlässlich der Ausstellung puntos de vista mit zeitgenössischer Kunst aus Lateinamerika im Museum Bochum stellt der Bochumer Schlagzeuger Martin Blume am 25.8. das deutsch-britisch-brasilianische Quartett Caetitu vor. Ihm gehören neben Blume die Brasilianer Yedo Gibson (Tenorsax und Klarinette) und Marcio Mattos (Konrabass) sowie der Brite Veryan Weston (Piano) an. Bereits am 24.8. ist die Truppe im Kölner Loft zu erleben. Caetitu, der dem Ensemble seinen Namen gab, ist in der Mythologie der brasilianischen Indios ein Geist, der Beschützer, König und Wächter des Regenwaldes ist. www.martinblume.de/ www.bochum.de/museum/index.htm www.loftkoeln.de/ [Neue Musik im Dortmunder domicil] In der Reihe neue musik im domicil in Dortmund spielt das e-mex-ensemble, das zuletzt beim Musikfest der Kölner Gesellschaft für Neue Musik ausgesprochen positiv in Erscheinung trat, neben Werken von Lachenmann und Sciarrino Gérard Griseys Vortex temporum. www.e-mex-ensemble.de/de/07_08_28Grisey_Vortex_temporum.domicil.html www.domicil-dortmund.de/ [musiFabrik in Köln und Bonn] Die Reihe musikFabrik im WDR wird am 18.8. fortgesetzt. Auf dem Programm steht neben Musik von Ives, Varèse und Nancarrow die Uraufführung eines neuen Werkes von Martin Smolka. Das Bonner Beethovenfest gratuliert mit mehreren Veranstaltungen Mauricio Kagel zum 75. Geburtstag. Beim Konzert am 31.8. im Forum der Kunst- und Austellungeshalle mit der musikFabrik und dem RIAS-Kammerchor steht auch die Uraufführung von Verborgene Reime für Stimmen und Schlagzeug auf dem Programm. www.musikfabriknrw.de/ www.martinsmolka.com/de/ www.beethovenfest.de Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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