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Gazette Neue Musik in NRW - Ausgabe September 2007 |
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Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik oder tragen Sie sich hier ein: http://lists.kulturserver-nrw.de/cgi-bin/mailman/listinfo/neue-musik Düsseldorf, 30.08.2007, 15:17, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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| Gewesen: YOUrope together in der Essener Philharmonie – musikFabrik mit Smolka-UA
Angekündigt: Bonn chance! – RuhrTriennale – Beethovenfest – Ensemble RuhrKlang – Marta schweigt – Lucerne und UK in Essen – Finnland in Köln – Frischzelle u.a. [YOUrope together in der Essener Philharmonie] 2006 startete die Essener Philharmonie ihr ehrgeiziges Projekt YOUrope together, dessen Ziel es ist, im Laufe mehrerer Jahre zeitgenössische Musik aus sämtlichen EU-Mitgliedsstaaten und Beitrittsländern sowie als ‚Zugabe’ aus der Türkei und der Schweiz auf die Bühne zu bringen (s. Gazette Mai 2006). In der Spielzeit 2005/2006 präsentierten sich die Türkei, Finnland und Belgien. In der gerade beendeten Spielzeit 2006/2007 standen Tschechien, Litauen und zuletzt Portugal auf dem Programm. Das besondere am Auswahlverfahren besteht darin, dass jeweils ein ganzes Konzertpaket eingekauft wird. Das bedeutet, dass sich nicht einzelne Komponisten und Musiker bewerben, sondern ganze Ensembles, die gleich ein komplettes Konzertprogramm im Koffer haben und auch den Komponisten benennen, der von der Philharmonie mit einem Kompositionsauftrag bedacht wird. Dieses Vorgehen hat den Nachteil, dass die Einflussmöglichkeiten des Veranstalters und Auftraggebers beschränkt sind. Es gibt nur ein Alles-oder-Nichts. Bei Entscheidung für einen bestimmten Komponisten muss man darauf bauen, dass das dazugehörige Ensemble auch ansonsten Interessantes zu bieten hat und umgekehrt. Hinzu kommt, dass auf diese Weise auf das betreffende Land nur ein sehr begrenztes Schlaglicht geworfen wird, das natürlich keinen repräsentativen Einblick in die zeitgenössische Musikszene liefern kann. Trotz dieser Einschränkungen ist das Vorhaben in jedem Fall interessant, wenn auch die Ergebnisse entsprechend ‚durchwachsen’ sind. Dies zeigte sich auch bei der Präsentation Portugals am 12.Juli im RWE Pavillon der Essener Philharmonie. Eingeladen war das Schlagzeug-Ensemble Drumming – Grupo de Percussão, das 1999 in Porto gegründet wurde und derzeit von dem Spanier Miquel Bernat geleitet wird. Grenzüberschreitungen und vielfältige Kooperationen werden gepflegt, was sich im Essener Programm darin niederschlug, dass die meisten der vorgestellten Werke auf die eine oder andere Art auf Rockmusikklassiker Bezug nahmen. Als kleiner Nachhilfeunterricht wurden die Originale von Jefferson Airplane, den Beatles u. a. zwischen den Stücken kurz angespielt, was zunächst etwas irritierte. In den Werken selbst war davon leider wenig zu spüren. Die Bezugnahme spielte sich meistens in jenen Tiefen des Kompositionsprozesses ab, die sich beim Hören kaum erschließen. Beispielhaft dafür ist Luís Antunes Pena Auftragskomposition Vermalung III – Batman. In früheren Werken hat er bereits Spiel mir das Lied vom Tod sowie Musik von Mozart ‚vermalt’. Das Ausgangsmaterial wird bis zur Unkenntlichkeit einer Computeranalyse unterzogen und Basis einer völlig neuen Komposition. Ingesamt kamen im günstigsten Fall farbige, virtuose, manchmal etwas plakative Schlagzeuggemälde zu Gehör (neben dem genannten von Luís Antunes Pena Deep Water Music von António Chagas Rosa), im ungünstigen etwas fade Spielereien (Rabbit von João Miguel Pais und Lâminas Liquidas von João Pedro Oliveira). Wenig ergiebig war das Laptop-Zwischenspiel des Duos @c (Pedro Tudela und Miguel Carvalhais). Darin tauchten zwar perkussive Elemente auf, ein wirklicher Dialog mit den Instrumentalisten wäre aber auf alle Fälle spannender gewesen. Mal sehen was die nächste Spielzeit bringt. Angekündigt sind Beiträge aus Großbritannien, Bulgarien, Schweiz, Italien und Estland. Wer nicht nach Essen kommen kann, dem kann das Radio weiterhelfen. Der Deutschlandfunk zeichnet die Konzerte auf und strahlt sie zu einem späteren Zeitpunkt aus. www.philharmonie-essen.de/ [musikFabrik mit Uraufführung von Martin Smolka] Die musikFabrik widmete sich in ihrem 20. WDR -Konzert musikalischen Außenseitern. Neben den Klassikern Ives, Nancarrow und Varèse stand eine Uraufführung von Martin Smolka auf dem Programm. Dieser zählt zwar auch nicht gerade zu den Newcomern, weilt aber immerhin noch unter den Lebenden. Smolka wurde 1959 in Prag geboren, studierte an der dortigen Akademie der Künste und hatte zusätzlich privaten Unterricht bei Marek Kopelent. Einst machte er mit einem Manifest des um-gestimmten Komponisten auf sich aufmerksam. Die Umstimmung bezog sich einerseits auf seine Beschäftigung mit Mikrointervallen und andererseits auf eine generelle Richtungsumkehr, eine Absage an unreflektiertes Fortschrittsdenken und Materialfetischismus. Parolen wie ‚Keine Revolutionen mehr in der Musik, bitte.’ und ‚Gebt ihr Frieden….Sie ist eine Frau!’ standen auf seinen Fahnen und verschafften ihm zeitweilig Gehör. Solche sich revolutionär gebärdenden Anti-Revolutions-Attitüden stimmen mich zunächst einmal skeptisch, aber inzwischen ist einige Zeit ins Land gegangen und letztlich hat die Musik das letzte Wort. Zur Uraufführung kam am 18.8. sein neues Werk für Ensemble Rush Hour in Celestial Street. Bildliche Assoziationen sind bei diesem ‚Stoßverkehr auf himmlischen Straßen’ durchaus legitim. Der Komponist selbst schildert poetische Visionen von „Engeln in ihren Wagen, die sachte ihre Jerichotrompeten-ähnlichen Fahrzeughupen drücken, elegant vorwärtseilen und sanft zusammenstoßen“. Diese Phantasien kamen ihm allerdings erst nach dem Komponieren, man muss also keine platte Programmmusik befürchten. Stattdessen erklingt Musik, die einer inneren nachvollziehbaren Logik folgt. Zu Beginn tauchen kleine zarte Motivgewächse auf, die immer wieder von dichten, teilweise aggressiv anmutenden Akkordschichtungen überlagert und überwuchert werden. Schließlich gewinnen sie an Boden, verselbständigen sich und fügen sich zu einem dichten, davon galoppierenden Muster, das schließlich still zu stehen scheint und in Einzeltönen verebbt. Alles in allem eine Musik, in die man gut eintauchen kann. www.martinsmolka.com/de/index.html www.musikFabrik.org Die Sommerpause geht zu Ende, der Veranstaltungskalender füllt sich wieder: [Ensemble RuhrKlang] Zu einem Kompositionsworkshop mit Konzert in der Reihe „yea! – your experience in art!“ unter der Leitung von Markus Stollenwerk lädt das Ensemble RuhrKlang ein. Jeder zwischen 0 und 100, der Spaß an Musik hat und zumindest grundlegende Fähigkeiten auf einem Instrument mitbringt, darf sich angesprochen fühlen. Der Workshop findet vom 07.09. bis zum 09.09.2007 in der Werdener Musikschule statt. Die Ergebnisse werden dann im Rahmen eines Abschlusskonzertes am 21.9. in der Marktkirche Essen zur Aufführung gebracht. www.ensemble-ruhrklang.de [Bonn chance!] Die Bonner Oper eröffnet die Saison mit einem neuen Beitrag der Reihe Bonn chance! - Experimentelles Musiktheater. FREMDVERSTÜMMELUNG 2007 – FREAX – Ein Diskurs über Behinderungen in der Oper lautet der reißerische Titel, der natürlich sofort an Tod Brownings Filmklassiker Freaks denken lässt. An ihm hat sich Hannah Dübgen, die für das Libretto verantwortlich ist, offenbar orientiert. Die Musik stammt von Moritz Eggert und für die Inszenierung der Uraufführung war Christoph Schlingensief vorgesehen. Scheinbar haben die Beteiligten den Titel etwas zu wörtlich genommen und sich zunächst einmal gegenseitig behindert. Letztendlich fand man nicht zusammen. Das Ergebnis ist eine ungewöhnliche Präsentationsform: Nach einer konzertanten Aufführung von Eggerts Oper folgt ein ‚szenischer Diskurs über das vorhandene Material’. Dazu liefert der Pressetext kryptische Schlingensief-Zitate, in denen er über das grundlegende Material der Selbstverstümmelung philosophiert. Das Ergebnis ist am 2.9. zu bestaunen. www.oper.bonn.de/neu_popup.php?termine_id=5473 [Beethovenfest] Freax wird gemeinsam mit dem Beethovenfest produziert, das noch einige andere zeitgenössische Akzente setzt. Am 8.9. bringt das Arditti Quartet gemeinsam mit dem Hilliard Ensemble ein neues Werk von John Clarke zur Uraufführung. Am 9.9. sind die Ardittis erneut zu hören u. a. mit Musik von Clarke, Harvey und Ferneyhough. Die Konzerte am 31.8., 19.9. und 20.9. sind Mauricio Kagel zum 75. Geburtstag gewidmet. www.beethovenfest.de [RuhrTriennale] Die RuhrTriennale geht in die nächste Runde. Ein Highlight ist sicherlich die Wiederaufnahme von Zimmermanns Soldaten in der spektakulären Inszenierung von David Poutney. Die Aufführungen sind allerdings längst ausverkauft. Aber es gibt auch Neues zu entdecken. Christoph Marthaler begibt sich unter dem Titel Sauser aus Italien. Eine Urheberei – eine Koproduktion mit den Salzburger Festspielen – in die noch immer geheimnisumwitterte Welt von Giacinto Scelsi. Jan Fabre zelebriert mit Requiem für eine Metamorphose eine theatralische Totenmesse und Jörn Arnecke führt in Unter Eis nach einem Theaterstück von Falk Richter in die unterkühlten Welten der Consulting-Firmen. Der Tänzer und Choreograph Xavier le Roy wagt sich an eine Umsetzung von Lachenmanns Salut für Caudwell. www.ruhrtriennale.de [Sonntag um 11 bei Bayer] So mancher erinnert sich bestimmt noch an die Ausstellungsmatineen, die Siegfried Palm von 1984 bis 2002 für die Bayer Kulturabteilung jeweils am Sonntag um 11 mit neuer Musik gestaltete. Ihm zu Ehren erfährt die Reihe jetzt in Zusammenarbeit mir der musikFabrik eine Neubelebung. An vier Sonntagen wird sie im Leverkusener Erholungshaus in die zeitgenössische Kammermusik einführen. Zum Auftakt erklingen am 16.9. Werke von Scelsi, Berio, Sciarrino und Ligeti parallel zur Eröffnung der Ausstellung Kunst auf Empfehlung, die Erwerbungen der Sammlung Bayer präsentiert www.kultur.bayer.de [Essener Philharmnonie] In der Essener Philharmonie ist im September das Lucerne Festival zu Gast. Am 8.9. dirigiert Pierre Boulez mit der Lucerne Festival Academy eigene Werke. Am 10.9. präsentiert sich die Lucerne Festival Percussion Group. Außerdem wird am 17.9. ein neues Violinkonzert von Jörg Widmann aus der Taufe gehoben und am 18.9. lässt das Carnyx Youth Brass Ensemble in der Reihe YOUrope together britische Zukunftsmusik erklingen. www.philharmonie-essen.de/ [Kölner Philharmonie] Die Kölner Philharmonie unternimmt im September eine Reise nach Skandinavien. Am 7.9. erfährt Kaija Saariahos Streichquartett Terra Memoria seine deutsche Erstaufführung. Am 9.9. wird der Fokus auf finnische Tangos gerichtet und am 10.9. stehen Werke von Magnus Lindberg und Esa-Peka Salonen auf dem Programm. www.koelner-philharmonie.de [MARTA schweigt] Passend zur aktuellen Ausstellung MARTa schweigt - Die Kunst der Stille von Duchamp bis heute veranstaltet das Herforder Museum am 7.9. ein Sonderkonzert zur Stille in der Musik, das neben Musik von Ruzicka und B.A. Zimmermann eine Uraufführung von Hans-Peter Dott zu Gehör bringt. www.martaherford.de [musik21] Die junge Düsseldorfer Initiative musik21 erkundet am 23.9. Querverbindungen zwischen zeitgenössischer Musik und bildender Kunst. www.musik21.de/ [Frischzelle und Altstadtherbst] Wie schon in den vorausgehenden Jahren kooperiert die Frischzelle, das von Sven Hahne und Matthias Muche initiierte Festival für intermediale Improvisation, mit dem Düsseldorfer Altstadtherbst. Die Veranstaltungen stehen diesmal im Zeichen deutsch-chinesischen Künstleraustauschs. Nach den Konzerten in der Düsseldorfer Bergerkirchen am 13.9. und 14.9. geht es am 15.9. in Köln und am 16.9. in Dortmund weiter. Beim Altstadtherbst kann man sich derweil die digitale Oper Beguiling Orpheus anschauen oder miterleben wie mit Eurydike hinter den Grenzen Barockoper auf Elektronik trifft. www.zeitkunst.eu/frischzelle/index.html www.altstadtherbst.de Am 20.9. loten Komponistinnen aus Europa, Amerika und Asien in der Alten Feuerwache in Köln die Klangmöglichkeiten von Cello, Saxophon und Akkordeon aus. Es spielt das Ensemble ecco. www.altefeuerwachekoeln.de/programm.html Zu guter Letzt: Am 15.9. findet die Kölner Musiknacht statt. www.koelner-musiknacht.de/ Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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