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Gazette: Neue Musik in NRW - Ausgabe vom Dezember 2007/Januar 2008 |
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Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik oder tragen Sie sich hier ein: http://lists.kulturserver-nrw.de/cgi-bin/mailman/listinfo/neue-musik Düsseldorf, 29.11.2007, 15:41, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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| Gewesen: musikFabrik, Österreichisches Ensemble für Neue Musik und Ensemble Modern bei WDR und Philharmonie in Köln
Angekündigt: Netzwerk Neue Musik – kgnm und Aachener Klangbrücke – Hombroich – Neues aus Konzerthäusern und Hochschulen etc. [musikFabrik beim WDR] Am letzten Novemberwochenende waren in Köln unabhängig von einander gleich drei renommierte Ensembles zu erleben. Den Auftakt machte am 23.11. die musikFabrik, die in der Reihe ihrer WDR-Konzerte bereits in die 21. Runde ging. Das Konzert stand unter dem Motto far niente – nichts tun – und widmete sich verschiedenen Möglichkeiten, sich dem Leisen und Stillen zu nähern. Ausgerechnet das titelgebende Stück von Stefano Gervasoni wurde diesem Prinzip jedoch kaum gerecht und überzeugte mich von allen Stücken des Abends am wenigsten. Bei dem Werk für Kontrabass und18 Instrumente handelt es sich um die Überarbeitung einer früheren Fassung aus dem Jahre 1998. Der erste Teil war noch ganz passabel. Kräftige Akzente verebbten und mündeten in ein immer dichteres Klangnetz. Im zweiten Teil wurde der solistisch eingesetzte Kontrabass immer mehr von einem so genanten Concertino dei fischietti überwältigt, bei dem die Musiker mit diversem Instrumentarium ein schrilles Pfeifkonzert veranstalteten. Was im Programmheft verheißungsvoll als Wandlungsprozess beschrieben wurde, der über die hohen Register ins Nichts führt, wirkte im Konzertsaal eher enervierend und gekünstelt. Stimmiger war da schon Gervasonis Stück Atemseile. Hommage à Schumann – Celan, bei dem es sich ebenfalls um eine Überarbeitung handelt. Gervasoni umrahmt sein Streitrio Descdesesasf aus dem Jahr 1995 mit drei sehr unterschiedlich besetzten „Echo-Trios“, die die „geatmeten“ Klänge der Streicher aufnehmen und verwandeln – mal zu schattenhaften Gespenstern, mal zu neuen Gestalten voller Eigenleben. Als deutsche Erstaufführung erklang Harrison Birtwistles Cortege. A ceremony for fourteen musicians in memory of Michael Yvner. Das Werk wird dem Anspruch eines Trauerzeremoniells vollauf gerecht und berührt obwohl – oder weil – es dabei auch vor einem gewissen Pathos nicht zurückschreckt. In einen dunklen oftmals aufgewühlten Klangstrom bettet Birtwistle eine solistische Linie, die von einem Instrument zum anderen weitergereicht wird. Der jeweilige Solist tritt aus dem Ensemble heraus und betont dadurch den rituellen Charakter des Werkes. Hans Zender reflektiert in Lo-Shu I sowohl klanglich als auch formal fernöstliche Traditionen. Am konsequentesten näherten sich dem niente die Werke Helmut Lachenmanns und Klaus Langs, die sich beide auf ein Instrument beschränken. Lachenmanns Dal niente für Solo-Klarinettisten ist ein Klassiker der ‚Musique concrète instrumental’, der die körperliche Erfahrung der Klangerzeugung unmittelbar spürbar macht. Lang bezeichnet sein Bratschenstück der wind und das meer als Trauermusik – kurz, behutsam, an der Schwelle des Hörbaren schwebend „wie Federn, die auf der Hand liegen und nur vorsichtig bewegt werden dürfen“. www.musikFabrik.org [Österreichisches Ensemble für Neue Musik beim WDR] Nicht ganz so bekannt, zumindest in unseren Breiten ist das Österreichische Ensemble für Neue Musik, das bereits 1975 in Salzburg gegründet wurde. 1997 hat es sich unter der Führung des Geigers Frank Stadler, der auch Namensgeber eines Streichquartetts ist, neu formiert. Beide Formationen waren am 24.11. im Rahmen der Reihe ensembl[:E:]uropa beim WDR zu Gast. Die Bande nach NRW sind eng geknüpft: Als erster Gastdirigent fungiert der Kölner Johannes Kalitzke und auf dem Programm des Ensemblekonzerts standen zwei Auftragskompositionen des WDR an Timo Ruttkamp und Alexandra Karastoyanova-Hermentin. Zunächst jedoch erklang Xenakis’ Anaktoria, womit die Latte für die beiden Newcomer sehr hoch lag. Ruttkamp wurde 1980 in Hagen geboren und studiert derzeit noch an der Musikhochschule Köln, wo er nach Abschluss seiner Studien bei York Höller ein Aufbaustudium für elektronische Musik bei Hans Ulrich Humpert absolviert. In seinem Werk Netz dunkler Glut spielt er mit Gegensätzen. Archaisches dunkles Pulsieren, das durch den Einsatz tiefer Instrumente besonders eindringlich wirkt, wird kontrastiert von melodischen Linien, die vielleicht eine Spur zu eingänglich und unschuldig sind. In einem komplexen Verschmelzungs- und Beschleunigungsprozess treibt das Stück auf seinen Höhepunkt zu und verglimmt. Die 1968 in Moskau geborene und in Österreich lebende Bulgarin Alexandra Karastoyanova-Hermentin setzt in Galechri ebenfalls auf Beschleunigung. Nachdem sie die Musiker an den Rand des Möglichen getrieben hat, mündet die Musik in einen Zustand der Erschöpfung. Zu später Stunde spielte das Stadler Quartett Werke von Gubaidulina, Kröll und Kalitzke. Von Georg Kröll erklang die Bearbeitung seines 1997 in Witten uraufgeführten ersten Streichquartetts, das – nach Gubaidulinas schlichtem und klarem 2. Streichquartett aus dem Jahre 1987 – klanglich und formal fast etwas angestaubt wirkte. www.oenm.at www.stadlerquartett.at [Ensemble Modern in der Kölner Philharmonie] Den krönenden Abschluss bildete das Konzert mit dem Ensemble Modern in der Kölner Philharmonie am 25.11. Am Dirigentenpult stand Matthias Pintscher, dem auch der musikalische Schwerpunkt galt. Pintscher hat mit seinen 36 Jahren schon eine beachtliche Karriere vorzuweisen. Der ehemalige Schüler von Giselher Klebe und Manfred Trojahn ist seit diesem Jahr selbst Professor für Komposition in München und neben dem Komponieren hat das Dirigieren für ihn einen wichtigen Stellenwert erlangt. Das Eröffnungswerk stammte allerdings nicht von ihm sondern von Kaija Saariaho. In ihrem Lichtbogen entwirft sie ein unendlich sanft hingetuschtes, flirrendes, impressionistisches Gemälde, das erst durch den Einsatz von Live-Elektronik eine befremdlichere Färbung bekommt. Auch Pintschers Musik tastet sich vorsichtig heran und meidet Überrumpelung. Der Begriff Nemeton bezeichnete bei den Kelten einen Ort besonderer Energie, einen heiligen Hain. Doch Pintscher beschwört in seinem gleichnamigen Werk für Schlagzeug solo keine düsteren Urgewalten, sondern schafft eine heitere, lichte Atmosphäre, die nur selten von schärferen Akzenten aufgeraut wird. Besonders berührt hat mich The Garden – Memento for coutertenor, percussion und piano. Die weit von einander entfernt platzierten Musiker spannen einen filigranen, nur angedeuteten Klangraum auf, in dem die entrückte Stimme Kai Wessels zu schweben scheint „like a sunbeam glancing in the light“. Der Text entstammt Derek Jarmans Film Blue, in dem sich der an Aids erkrankte Künstler mit seinem nahen Tod beschäftigte. Wie der Zuschauer vor der blauen Kinoleinwand ganz auf sich und seine Verletzlichkeit zurückgeworfen wird, so bringt auch Pintschers Musik äußerste Zerbrechlichkeit zum Ausdruck. Das zum Schluss erklingende Werk Verzeichnete Spur wirkte wie eine Antwort auf Saariahos Lichtspur, gewissermaßen als deren Nachtversion. Live-Elektronik und der bevorzugte Einsatz tiefer Instrumente erzeugten eine geheimnisvolle, tastende Atmosphäre. Zwischengeschaltet war noch ein kurzer und kraftvoller Rihm ( Will Sound) sowie Solo pour deux von Gérard Grisey, Wenn die Klarinette in den Schalltrichter der Posaune eindringt, umschlingen sich die beiden Solisten nicht nur klanglich sondern auch körperlich. Das von dem Komponisten Thomas Taxus Beck und der bildenden Künstlerin Dagmar Stöcker unterstützte Schulprojekt Response bescherte dem Konzert viele aufmerksame junge Zuhörer, die sich bereits im Vorfeld mit der Musik auseinandergesetzt hatten. Unter anderem waren sie dazu angeregt worden, die Rhythmen und Charaktere der jeweiligen Komposition spontan und intuitiv in Zeichnungen umzusetzen. Einige Ergebnisse waren im Foyer ausgestellt. www.koelner-philharmonie.de [Tipps für Dezember und Januar] Von den 15 Projekten, die im Rahmen der Fördermaßnahme der Kulturstiftung des Bundes Netzwerk Neue Musik ausgewählt wurden, sind drei in NRW angesiedelt. In Köln haben sich über 30 Initiativen zusammengeschlossen, um sich angespornt vom Rückenwind der neuen Fördermittel mit vereinten Kräften der Vermittlung Neuer Musik auf verschiedenen Ebenen zu widmen. In Moers hat sich das Projekt nimm! zur Aufgabe gesetzt, improvisierte Musik über das legendäre Moers Festival hinaus unters Volk zu bringen. Als einziges Konzerthaus steht die Essener Philharmonie auf der Förderliste, die darin eine Anerkennung ihrer bisherigen Aktivitäten sieht. Auch im Dezember und Januar hat sie wieder einiges vorzuweisen. Werke des In-Residence-Künstlers Pascal Dusapin sind am 17. und 29.1.2008 zu hören. Uraufführungen stehen am 19.12. (Kurt Schwertsik) und am 28.1.2008 (Naji Hakim) auf dem Programm und am 23.1.2008 stellt sich im Rahmen der Reihe YOUrope together die Schweiz vor. www.netzwerkneuemusik.de/ www.n1mm.de/ www.philharmonie-essen.de/ In der Kölner Philharmonie präsentiert sich am 15.12. bei der Deutschen Erstaufführung von I am a mistake mit dem ensemble recherche Wolfgang Rihm als Ballettkomponist. Für die Umsetzung zeichnet „kein Geringerer als der belgische Star-Choreograph Jan Fabre“ verantwortlich, der mich mit seiner Kreation für die Ruhrtriennale Requiem für eine Metamorphose allerdings überhaupt nicht überzeugte. www.koelner-philharmonie.de In der Düsseldorfer Tonhalle kommen am 11.1.2008 Fünf Stücke für Orchester von Thomas Blomenkamp als Auftragswerk zur Uraufführung. Am 25.1. findet unter dem Titel Das verdächtige Saxophon das Eröffnungskonzert zur Ausstellung Entartete Musik – eine kommentierte Rekonstruktion statt. www.tonhalle.de Das Düsseldorfer notabu.ensemble setzt seine Reihe Na hör’n Sie mal…! in der Clara-Schumann Musikschule am 14.12. mit Werken von Günther Becker u.a. fort. Am 18.1. ist ein Überraschungsprogramm Just vor Fun angekündigt „ mit Inhalten, die vielleicht niemand von uns erwartet!“ www.notabu-ensemble.de Die Folkwang Hochschule Essen gewährt gleich mehrfach Einblicke in ihr zeitgenössisches Wirken: Am 9.12. präsentiert der Wambach-Schüler Yejin Gil im Duisburger Lehmbruck Museum zeitgenössische Klaviermusik. Das EarPort Ensemble ist am 14.12. in der Folkwang Hochschule Duisburg zu Gast. Im Januar geht es dann Schlag auf Schlag: Einem Konzert der Kompositionsklassen (9.1) folgen Kompositionen von Dozenten (10.1.) und Neue Musik für Fagott (11.1.). Am 22.1. werden elektroakustische Werke mit einem Lautsprecherorchester interpretiert und am 31.1. erklingen erneut Frische Klänge. www.folkwang-hochschule.de www.gerhard-staebler.de Auch in der Kölner Musikhochschule ist elektronische Musik zu hören. Der Humpert-Schüler Juan Maria Solare schließt am 5.12. sein Studium mit einem Porträtkonzert ab. www.mhs-koeln.de Die Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf veranstaltet am 14.12. einen Ensemble-Workshop mit Marco Stroppa, bei dem neben Musik von Stoppa ein Konzert für Flöte und Ensemble von Wolfgang Delnui zur Uraufführung kommt. www.rsh-duesseldorf.de/ Gleich zwei Konzerte mit neuer Musik sind zum Dezemberauftakt in der Scheune der Insel Hombroich zu erleben: am 1.12. um 16 Uhr ein Programm für Sopran und Klavier und am 2.12. um 11 Uhr für Klavier und Violine (mit Werken von Staude, Kröll, Bruttger u.a.). www.inselhombroich.de Die Aachener Klangbrücke veranstaltet am 1.12. einen Kompositionskurs für Kinder und Jugendliche mit Abschlusskonzert am 8.12. Darüber hinaus bietet sie an jedem zweiten Montag im Monat ein Forum, um Neue Musik zu hören und über sie zu sprechen. Am 10.12. wird Ludger Singer versuchen die Frage Improvisation – was läuft da ab? zu beantworten. Am 14.1. berichtet Hans-Walter Staudte über seine Eindrücke von den Stockhausen-Kursen in Kürten 2007. www.gzmklangbruecke.de/ Peter Brötzmann ist am 5.12. im Trio mit Dieter Manderscheid und Martin Blume im Museum Bochum zu erleben. www.bochum.de/museum/ www.martinblume.de/ Das besondere Konzert im Kultur- und Medienzentrum Puhlheim präsentiert ebenfalls am 5.12. da Duo Gemini mit alter und neuer Musik für Laute und Gambe. www.in-pulheim.de/index.php?id=1929#25102 Die kgnm stellt am 17.12. im Alten Pfandhaus Köln ein Projekt mit dem ungewöhnlichen Titel Sounds im Auge- Neon-Klassik vor. Der Computermusiker Roland Schappert hat sich mit dem Pianisten Daniel N. Seel zusammengetan und zusätzlich die Sängerin Barbara Schachtner und den Elektroniktüftler Joker Niels mit ins Boot geholt. www.kgnm.de www.altes-pfandhaus.de Ebenfalls unberechenbar wird es am 6.12. in den Flottmann Hallen Herne. Der Dirigent Ed Partyka arrangiert für das Festival open systems ein Crossover aus Elektronik und Bigband, Sampling und Jazz, bei dem das Trio nuBox, die hr-Bigband und DJ Illvibe mitstricken. www.emscher-reloaded.eu/ Am 19.1. gastiert in der Reihe ensembl[:E:]uropa das Prager Agon Orchestra im WDR Funkhaus Köln. Unter dem Motto Vienna goes West lassen der WDR Rundfunkchor und das Athena Quartett am 26.1. Schönberg und Krenek auf Cage sowie eine Uraufführung von Robert Moran treffen. www.wdr3.de Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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