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Gazette: Neue Musik in NRW - Ausgabe August 2008 |
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Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik oder tragen Sie sich hier ein: http://lists.kulturserver-nrw.de/cgi-bin/mailman/listinfo/neue-musik Düsseldorf, 28.07.2008, 12:47, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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| Gewesen: Sommerakademie im Klangraum Düsseldorf
Angekündigt: Stockhausen80 – Hosokawa beim Rheingau Musikfest – Lange Musiknacht in Münster – New Talents in Köln [Sommerakademie im Klangraum Düsseldorf] Weitere Lieder war das Motto der diesjährigen Sommerakademie der Wandelweisergruppe, die vom 8. bis 13.7.2008 im Klangraum Düsseldorf stattfand. Dem von Uraufführungen geprägten Wochenende gingen drei Kammermusikabende mit vorwiegend traditioneller Musik und eine Lyriklesung mit Gedichten von Rajzel Zychlinski voraus. Am Anfang stand zunächst eine skeptische Frage: „Muss man der Grundhaltung innerer Hingabe, ohne die es unmöglich ist, wirklich zu singen, nicht als zu affirmativ misstrauen?“ Dabei begab man sich gleich zu Beginn, wie es Antoine Beuger formulierte, „in die Höhle des Löwen“ und ließ Schumanns Liederkreis erklingen. Lässt sich daran heutzutage anknüpfen? Noch dazu von Komponisten, deren Name für eine besonders zurückgenommene, ‚ausdrucksarme’ Musik steht, eine Musik, die sich der herkömmlichen musiksprachlichen Rhetorik entzieht. Dem Wandelweiser-Klangbild blieben die ‚Orchesterlieder’, die am Samstag und Sonntag zur Aufführung kamen, weitgehend treu, doch das Herangehen der einzelnen Komponisten war sehr unterschiedlich. Carlo Inderhees vertraut in liebenswert nach einem Gedicht von Carmen Hofacker noch am ehesten dem lyrischen Duktus der Gesangsstimme, doch er kontrastiert sie mit rauen, fast tonlosen Instrumental- vor allem Streicherklängen. Antoine Beugers aus den liedern liegen Texte der in jiddischer Sprache schreibenden Lyrikerin Rajzel Zychlinski zugrunde. Langsam, vorsichtig, wie auf Zehenspitzen durchschreitet die Singstimme den Text, behutsam umfangen von Instrumentalklängen. Bei Jürg Freys Air, bei dem die Mitwirkenden über den gesamten Raum verteilt sind, entsteht eher der Eindruck einer Wasseroberfläche. Die mittig postierte Stimme setzt Klangprozesse in Gang, die sich, als wäre ein Kiesel ins Wasser geworfen worden, über den Raum ausbreiten und ihn sanft vibrieren lassen. Nach einem durch einen kraftvollern Bläserakkord markierten Einschnitt verändert sich das Klangbild zu einem feinen Kräuseln und Beben, das an den verschiedensten Stellen anhebt und schließlich verebbt. Radu Malfatti bringt mit seinen himmelgeister(n) 17 die Zeit zum Innehalten mit stehenden Klängen, mal instrumental, mal vokal, mal verschmelzend. Der poetische Name verweist übrigens lediglich auf die Adresse des Klangraums. Johnny Changs eight silences sind geprägt von sehr transparenten Klängen, die von innen belebt werden durch diffizile Schichtungen und minimale umso ausdrucksvollere Gesten – ein kurzer Posaunenstoß, ein Cellopizzicato, ein Schlagzeugakzent. Burkhard Schlothauer baut in seinen three poems einen komplexen, vorzugsweise im tiefen Register angesiedelten Klang auf, dem die Stimme überlagert ist. In Michael Pisaros 30 songs wird die feine, klare Linien zeichnende Hauptstimme von einem unendlich behutsamen, zunächst kaum ortbaren vokalen Echo begleitet – eingebettet in ein filigranes, geradezu feierliches Klangfeld. Thomas Stielgers Werk gelbe birnen IV liegt ein Blatt Hölderlins zugrunde, das eine Vorstudie seines bekannten Gedichtes Hälfte des Lebens wiedergibt. Doch wie sich auf dem Blatt die Stimmen verschiedener Gedichte mischen, so sind auch die Gesangsstimmen im Ensemble verteilt, mal sich vereinzelnd, mal verschmelzend. In Eva-Maria Houbens drei Liedern nach Texten von Friederike Mayröcker, wird die Stimme mal zum Flüstern, mal zu von Klangtupfern umgebenem Sprechgesang. Was brauchst du? fragt sie und antwortet: einen Baum, ein Haus. Später ist vom Sich-Verlieren in grüner üppiger Schönheit die Rede. Auch in den anderen Werken tauchen – wenn auch weniger textverständlich - immer wieder Naturphänomene auf, Blätter, Bäume, Regen, Steine, Vögel, Gras. Von der Skepsis der Eingangsfrage ist am Ende dieser klangsinnlichen Tage wenig geblieben. Affirmation ist möglich, aber nicht in Form expressiver Selbstdarstellung, sondern, gewissermaßen als Pendant zur Naturbezogenheit der Texte, als Hingabe an den Klang. Auch der Zuhörer kann sich der Musik hingeben, denn er braucht sich weder vor den Ausdrucksattacken des Künstleregos zu wappnen, noch muss er befürchten, von selig-seichtem Wohlklang hinweggeschwappt zu werden. Auf diese Weise entsteht jene schwerelose Gestimmtheit, die typisch ist für Wandelweiserkonzerte und noch einige Zeit nachschwingt. www.wandelweiser.de/klangraum.html [Termine im August] 80 Jahre alt wäre Stockhausen am 22.8. geworden. Nun muss Köln und die Welt ohne ihn feiern. Dies geschieht im Rahmen eines Festivals, das vom 21. bis 31.8. von der Kölner Philharmonie und dem WDR gemeinsam mit weiteren Kooperationspartnern ausgerichtet wird. Nach einem kleinen Auftakt am Donnerstag dem 21.8. gibt es am Freitag und Samstag fast rund um die Uhr Programm. Neben Stockhausenklassikern wie Mantra, Gesang der Jünglinge oder Kontra-Punkte erklingen Werke von Weggefährten und Kollegen, viele davon als Uraufführungen. Eine von Rainer Nonnenmann kuratierte Ausstellung vollzieht Stockhausens Weg „vom Happening zum Welttheater“ nach und das Filmforum präsentiert dazu ein begleitendes Filmprogramm. In der Kunststation St. Peter sind am Sonntagabend die Kontakte zu hören. Ein besonderes Highlight ist sicherlich die Aufführung von Michaels Reise um die Erde aus der Oper Donnerstag. Den krönenden Abschluss bildet in einem Konzert der musikFabrik im WDR am 31.8. die posthume Uraufführung von Hoffnung – der 9.Stunde aus Klang. Als Vorprogramm dieses Konzertes sowie am 30.8. in der Erzengel-Michael-Kirche in Michaelshoven ist das Ergebnis einer mehrmonatigen Zusammenarbeit von Musikern der musikFabrik mit den geistig behinderten Musikern des Ensembles Maul&Trommel der Diakonie Michaelshoven zu erleben. Der Titel des Stücks Over the ocean erinnert daran, dass auch Wasser erst durch die Hindernisse, die es umfließt, lebendig wird. www.stockhausen80.de Beim Rheingau Musikfest wird am 28. und 29.8 Toshio Hosokawa vorgestellt. Nach einem Gesprächskonzert, das musikalisch vom Arditti Quartet und der Sho-Spielerin Mayumi Miyate begleitet wird, erklingt in der Basilika des Klosters Eberbach Hosokawas Voiceless Voice in Hiroshima. www.rheingau-musik-festival.de Die grenzüberschreitende Biennale Niederrhein lädt ein, Musik in besonderem Ambiente, in Schlössern und Burgen, Klöstern und Kirchen, Parks, Gärten und Museen zu erleben. Zum Auftakt findet am 28.8. im Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum die Premiere von Dead End, einer cross-media-Installation nach einem Stück von Leon de Winter statt. Für die Musik zeichnet der Folkwang-Professor Xaver Poncette verantwortlich. www.muziekbiennale.eu/ Münster lädt am 22.8.mit der Langen Musik Nacht 2008 zum „ultimativen Sommerereignis der Neuen Musik“. Unter anderem stehen drei Uraufführungen und eine Deutsche Erstaufführung auf dem Programm. www.gnm-muenster.de/ Zur Eröffnung des Rheinauhafens in Köln verwandelt sich das südliche Areal vom 16.- 24.8. zu einem temporären Zentrum künstlerischer Präsentation. 40 New Talents von vier Kölner Kunsthochschulen sowie der Kunstakademie Düsseldorf zeigen, was sich in den Sparten Medien, Kunst, Film, Musik und Design aktuell tut. Mit dabei sind u.a. Matthias Muche, Sven Hahne und Oxana Omeltschuk. www.newtalents-cologne.de Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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