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Gazette: Neue Musik in NRW - Ausgabe vom September 2008 |
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Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik oder tragen Sie sich hier ein: http://lists.kulturserver-nrw.de/cgi-bin/mailman/listinfo/neue-musik Düsseldorf, 28.08.2008, 11:28, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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| Gewesen: Stockhausen 80
Angekündigt: Beethovenfest – Kölner Musiknacht – Ruhrtriennale u. v. m. [Stockhausen 80] Am 22.8. wäre Karlheinz Stockhausen 80 Jahre alt geworden. Er hat seinen runden Geburtstag nicht mehr erlebt, aber genug Material hinterlassen, um die Musikwelt noch einige Zeit zu beschäftigen. Vom 21.8. bis 31.8. richtete ihm Köln ein Festival aus, das ein höchst lebendiges Abbild seiner Vielfältigkeit und Widersprüchlichkeit bot. Zum Auftakt präsentierte der WDR eine Zeitreise durch Stockhausens kompositorisches Schaffen. Es lässt sich gut vorstellen, welch nachhaltigen Eindruck seine frühen Werke in den 50er Jahren hervorriefen. Kontra-Punkte und Zeitmaße können auch heute noch bestehen. Der Gesang der Jünglinge ist eine der wenigen elektronischen Kompositionen, die die Zeiten überdauert hat. Ende der 60er Jahre kam dann der kurze Ausflug in die so genannte intuitive Musik, die den Musikern nur inspirierende Texte an die Hand gibt und ihnen ansonsten weitgehende Freiheiten lässt. In Es aus Aus den sieben Tagen verlangt die Vorgabe von den Instrumentalisten, nur dann Töne zu produzieren, wenn sie an nichts denken. Von den ausführenden Musikern des ensemble recherche scheint vor allem die Cellistin Åsa Åkerberg ein Meditationsgenie zu sein. Es ist ihr offenbar gelungen, während der gesamten Spielzeit von ca. 10 Minuten in Gedankenlosigkeit zu verharren! Stockhausen merkte schon bald, dass sich hier nicht wie von ihm erhofft das Überbewusste Bahn bricht sondern Gewohnheit und Zeitgeist. Das konnte ihn nicht befriedigen und er suchte sein Heil im entgegengesetzten Extrem. In den nun folgenden Kompositionen entwickelt sich das gesamte Material aus einer Formel, so zum Beispiel in Mantra für zwei Pianisten und Elektronik, dem eine 13tönige Tonfolge zu Grunde liegt. Durch den Einsatz von Technik (Ringmodulatoren, Sinusgeneratoren) entstehen interessante Verfremdungen und harmonische Verzerrungen. Zunehmender Formelrigorismus und minuziös vorausberechnete Kompositionspläne können jedoch auch zum Korsett werden und der Musik ihre Lebendigkeit austreiben – allem musikalischen Potential zum Trotz, über das Stockhausen zweifelsohne verfügt, Dies zeigte die den Abend beschließende posthume Uraufführung von Klang – 7. Stunde: Balance. Nach Beendigung seiner Oper Licht widmete sich Stockhausen unter dem Titel Klang der Komposition der 24 Stunden des Tages, die er allerdings nicht mehr vollenden konnte. Die 7. Stunde für Bassklarinette, Englischhorn und Flöte präsentiert arabesk verschlungene Melodien, aber was vom Moderator wohlwollend als gelassenes, heiteres Alterswerk angekündigt wurde, ist letztendlich nicht mehr als gut gemachtes Kunsthandwerk. Der von der Kölner Gesellschaft für Neue Musik veranstaltete 2. Festivaltag, ausgerichtet im Kölnischen Kunstverein, ließ Stockhausen zunächst in Filmdokumenten zu Wort kommen. Auch wenn man hier letztlich nichts Neues erfuhr, war die komprimierte Konfrontation mit dem Meister über die Jahrzehnte hinweg ausgesprochen aufschlussreich. Zu erleben war ein Mensch, der mit einer Ausschließlichkeit auf sich selbst und seine Musik bezogen ist, die wohl einmalig ist und gleichzeitig fasziniert und erschüttert. Seine Sphäre ist der „Suprarealismus“, der mit der Welt und ihren konkreten Menschen, sofern sie sich nicht in musikalischen Gefilden bewegen, nicht das Geringste zu tun hat. Daraus ergeben sich manchmal amüsante Widersprüche, so wenn Stockhausen voller Enthusiasmus sein Helikopterquartett beschreibt und fast im gleichen Atemzug die zunehmende gegenseitige Rücksichtslosigkeit der Menschen beklagt, die ihn inzwischen sogar in Kürten mit Fluglärm belästigt; aber auch groteske, weltfremde Ausfälle wie seine Äußerungen zum 9.11.2001 können das Ergebnis sein. Bar jeder Rigidität, wohltuend chaotisch und erfrischend war das von Egbert Hiller kuratierte Musikprogramm, das im Kunstverein geboten wurde. Eine lange Liste ehemaliger Weggefährten und Schüler Stockhausens beteiligte sich mit Performances und Musikstücken – von Mike Svoboda bis Robert HP Platz, von Peter Eötvös bis Johannes Fritsch. Alle seine Frauen waren da und mit Michael von Biel und Hans G Helms wurden noch einmal, etwas angestaubt, die 60er Jahre lebendig, in denen Mary Bauermeister in ihrem Kölner Atelier die Fluxusszene versammelte. Erschwert wird die Rezeption von Stockhausens Ouevre durch die Überfrachtung seines Werkes mit esoterischem Gedankengut, die sich schon in der religiösen Prägung einiger früher Werke anbahnte und seine Oper Licht völlig beherrscht. Dem Uneingeweihten erscheinen die kosmischen Abenteuer Michaels, Evas und Luzifers einfach nur skurril. Egozentrismus hat die Welt schon vielen Künstler verziehen und auch über Privatmythologien könnte man letztlich hinwegsehen, manchmal sind sie sogar das Salz in der Suppe. Stockhausens zunehmende Zwanghaftigkeit und Rigidität ging jedoch manchmal auch zu Lasten seiner Musik, vor allem wenn er die Welt mit Melodieseligkeit zu retten versuchte. Vollends problematisch wird es durch den Umstand, dass Stockhausen alle Facetten seiner Werke, also auch Texte, Bühnenbilder, Kostüme, ja selbst Gestik und Mimik bis ins Kleinste festlegte. Das Ergebnis war oftmals von erschreckender Biederkeit und unfreiwilliger Komik. Da kann man es nur begrüßen, dass auch andere zum Zuge kommen. Verantwortlich für die visuelle Umsetzung von Michaels Reise um die Erde, dem 2. Akt von Donnerstag aus Licht, die am 26.8. in der Kölner Philharmonie zu erleben war, zeichneten Carlus Padrissa, Roland Olbeter und Franc Aleu, Mitglieder der katalanischen Theatertruppe Fura dels Baus. Diese sorgte vor allem in ihrer Anfangszeit mit spektakulären Aufführungen für Furore sorgte. In den letzten Jahren wagten sie sich ans klassische Repertoire. 2003 war bei der Ruhrtriennale ihre Version der Zauberflöte zu erleben. Oftmals kommen großflächige Videoprojektionen zum Einsatz, die mit dem szenischen Geschehen interagieren. Das Ergebnis in Köln war jedoch letztlich nur ein Science-Fiction-Event. Der Trompeter Marco Blaauw in der Rolle des Michael erscheint als technoides Wesen, eingespannt in eine Apparatur, die ihm kühne Bewegungen im Raum ermöglicht und einiges abfordert. Wer will, kann sich beeindrucken lassen, berührt hat es mich nicht. Wagner, mit dem Stockhausen auf Grund seiner Megalomanie oft verglichen wird, hat seine Götter als Wesen voller Blut und Leidenschaft auf die Bühne gezaubert. Stockhausen illustriert nur Ideen, allen Beteuerungen zum Trotz, die Fülle des Lebens abbilden zu wollen. www.stockhausen80.de [Termine im September] Vom 29.8. bis zum 28.9. findet in Bonn das Beethovenfest statt – diesmal unter dem Motto Macht.Musik. Zwischen die übliche Klassik sind auch einige neue Töne gestreut: Am 6.9. singen die Neuen Vocalsolisten Stuttgart Lieder von Liebe und Revolution u.a. von Claude Vivier und Manuel Hidalgo (UA). Weitere Uraufführungen steuern José Sánchez-Verdú (9.9.), Kuzma Bodrow (20.9.) sowie im Abschlusskonzert am 28.9. Wolfgang Rihm bei. Auch Elliott Carters (1.9.) und Olivier Messiaens (2.9.) – beide Jahrgang 2008 – wird gedacht. www.beethovenfest.de Messiaens Name ist anlässlich seines 100. Geburtstags auf vielen Spielplänen zu finden; zum Beispiel am 5.9. im Konzerthaus Dortmund (sowie Boulez), am 27.9. in der Essener Philharmonie (sowie George Benjamin), am 15.9. beim Düsseldorfer Altstadtherbst, am 16./17.9. in Münster (Turangalîla-Sinfonie), am 20.9. in der Melanchthonkirche in Bochum, am 11.9., 14.9. (sowie Thomas Larcher) und 21.9.(sowie Benjamin) in der Kölner Philharmonie. Einen Programmflyer Messiaen 2008 gibt es beim NRW Kultursekretariat. www.konzerthaus-dortmund.de www.philharmonie-essen.de www.sinfonieorchester-muenster.de www.ludwigkaiser.de www.koelner-philharmonie.de www.nrw-kultur.de Beim Düsseldorfer Altstadtherbst ist wie bereits in den Vorjahren am 11. und 12.9. das Frischzellenteam um Sven Hahne und Matthias Muche gemeinsam mit Künstlern aus der Elektronik- und Medienszene zu Gast. Kontraste und Dialoge zwischen so unterschiedlichen Instrumenten wie Blockflöte und Kontrabass stehen am 24.9. auf dem Programm. Dabei begegnen sich Sebastian Gramss, Stefano Scodanibbio sowie Dorothee Oberlinger, die bereits bei den diesjährigen Wittener Kammermusiktagen überzeugen konnte. Scodanibbio ist außerdem am 23.9. mit einem Soloprogramm vertreten. Gemeinsam mit Gramss und Stephan Froleyks kann man ihn am 21.9. in der Reihe selten gehört auf Schloss Moyland erleben. www.altstadtherbst.de www.moyland.de Ein Riesenprogramm, das man selbst durchforsten muss, präsentiert am 20.9. die Kölner Musiknacht. Kreuz und quer durch Köln, von der alten Feuerwache bis zum Alten Pfandhaus, von Sankt Peter und Sankt Agnes bis Sankt Andreas und Sankt Ursula führen die musikalischen Pfade. Im Museum für angewandte Kunst spielt das e-mex-Ensemble, das mit Werken der in Düsseldorf lebenden Komponistin Yasuko Yamaguchi am 19.9. auch in der Düsseldorfer Tonhalle gastiert. In der Alten Feuerwache in Köln findet am 26.9. das Auftaktkonzert der vom Landesmusikrat geförderten Reihe mit Werken von Komponistinnen aus NRW mit einem Projekt von Christina Fuchs statt www.koelner-musiknacht.de www.tonhalle.de www.altefeuerwachekoeln.de www.lmr-nrw.de Auch ansonsten ist die Kölner Szene aktiv. Auf dem Programm des Netzwerks ON steht am 13.9. eine musikalische Stadtführung, ein Konzert mit der musikFabrik am 19.9. (Frank Zappa goes Blasorchester im Alten Wartesaal), ein Aufeinandertreffen von Francisco López und Iannis Xenakis am 28.9. im Kulturbunker Mühlheim und ein Konzert des ZAM-Labors zur Spieltheorie am 30.9. In der Kunst-Station Sankt Peter findet vom 30.9. bis zum 5.10. das 4. Internationale Festival für zeitgenössische Orgelmusik mit Seminaren und Konzerten statt. www.on-cologne.de www.musikfabrik.org www.koelner-philharmonie.de/de/01_konzertsuche/detailansicht.php?id=102201 www.kulturbunker-muelheim.de www.z-a-m.eu/ www.sankt-peter-koeln.de Wuppertal punktet wie üblich mit Jazz und improvisierter Musik. Am 5.9. spielt das Heliosensemble im ort, Brötzmann/Kondo/Pupillo/Nilssen-Love gastieren am 7.9. im live club barmen und das Sun Ra Arkstra am 14.9. im Café ADA. In der Reihe unERHÖRT veranstaltet am 19.9. das Wuppertaler Kammerorchester in der neuen reformierten Kirche ein Geburtstagskonzert für Manfred Niehaus. www.kowald-ort.com www.lcb-online.de/ www.cafeada.de/ www.kammerorchester-wuppertal.de/konzerte.htm#190908 Das Düsseldorfer notabu.ensemble setzt seine Reihe Na hörn’ Sie mal! am 12.9. in der Clara-Schumann-Musikschule fort. www.notabu-ensemble.de/termine.html Letztmalig unter der Leitung von Jürgen Flimm findet in diesem Jahr die Ruhrtriennale statt. Besonders bei den so genannten Kreationen ist sicher wieder so manche Entdeckung zu machen. Als Konzert- und Schauspielspektakel wird Westwärts angekündigt, entwickelt von Schorsch Kamerun und Katja Eichbaum nach Texten von Rolf Dieter Brinkmann, Alain Platel befaßt sich in pitié! Erbarme dich! mit Bachs Matthäuspassion, Händl Klaus und Lars Wittersbach präsentieren ein Singspiel mit dem Titel Furcht und Zittern, die Blechbläser von Mnozil Brass servieren mit Irmingard wahrscheinlich eine Oper in 2 Akten und natürlich darf man auf Schlingensiefs Fluxus-Oratorium Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir gespannt sein. www.ruhrtriennale.de Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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