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Gazette Neue Musik in NRW - Ausgabe November 2008 |
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Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik oder tragen Sie sich hier ein: http://lists.kulturserver-nrw.de/cgi-bin/mailman/listinfo/neue-musik Düsseldorf, 30.10.2008, 12:07, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik oder tragen Sie sich hier ein: http://lists.kulturserver-nrw.de/cgi-bin/mailman/listinfo/neue-musik Gewesen: Jarrells Cassandre – musikFabrik mit Sun Ra – „Utopie jetzt“ in Mühlheim Angekündigt: Hespos – november music an der Folkwang Hochschule – Komponistinnen aus NRW usw. [Michael Jarrells Cassandre in der Kölner Philharmonie] Am 5.10. war in der Kölner Philharmonie die konzertante Aufführung von Michael Jarrells Monodram Cassandr zu erleben. Das 1993/1994 entstandene, 1996/1997 leicht revidierte Werk für Schauspielerin, Ensemble und Elektronik wurde realisiert von Mitarbeitern des IRCAM sowie dem Ensemble intercontemporain unter der Leitung von Susanna Mälkki. Im Vorfeld erklang Gérard Griseys Prologue für Viola und Live-Elektronik, eines der Ur-Stücke der spektralen Musik, der sich auch Jarrell verbunden fühlt. Jarrell entnimmt seinen Text der bekannten Erzählung von Christa Wolf und es ist eine ganze Menge Text, den die französische Schauspielerin Astrid Bas vorzutragen hat. Der Sprachunkundige wird mit deutschen Textprojektionen versorgt, aber das verstärkt nur ein Problem, das bereits in der Gattung des Monodrams angelegt ist. Gesprochene und erst recht gelesene Sprache will verstanden werden und zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Musik hat es da naturgemäß schwer. Jarrells Klangsprache ist farbig, vielseitig und beredt, aber letztlich bleibt sie zu sehr am Text kleben und wird dadurch illustrativ, konventionell und berechenbar. Sie ist zart schwebend, wenn Kassandra von ihrer behutsamen Liebe zu Äneas erzählt, dramatisch aufbegehrend bei ihren Traumgesichten und Unheilsverkündungen, geheimnisvoll flirrend wenn von Helena als Phantom die Rede ist; auch schweres Kriegsdonnern darf nicht fehlen. „Für die Griechen gibt es nur Wahrheit und Lüge, richtig und falsch, …..Es ist das andere, das sie zwischen ihren scharfen Unterscheidungen zerquetschen.“ Dieses „lächelnde Lebendige“, das vielleicht aus dem Geist der Musik entstehen könnte, bleibt auf diese Weise auf der Strecke. [musikFabrik mit Musik von Sun Ra beim WDR] Ihr 26. Konzert beim WDR in Köln bestritt die musikFabrik mit einem ungewöhnlichen Programm. Zur Uraufführung kamen zwei Werke Sun Ras, jenes exzentrischen Musikers, der sich nach dem ägyptischen Sonnengott benannte und gleichermaßen durch sein exaltiertes Auftreten wie durch seine musikalische Experimentierfreudigkeit auf sich aufmerksam machte. Allerdings hat Sun Ra kein direkt verwertbares Notenmaterial hinterlassen, daher bediente man sich eines Kunstgriffs. Marshall Allen, ein langjähriger Mitarbeiter Sun Ras, der nach dessen Tod die Leitung des Sun Ra Arkestras übernahm, wurde beauftragt, Arrangements bzw. Transkriptionen anzufertigen. Auf dieser Basis erarbeiteten sich die Musiker der musikFabrik die Werke Pleiades und outer nothingness, wobei sie sich ausreichend Improvisationsspielraum einräumten. Unterstützt wurden sie bei ihrem Vorhaben durch den Saxophonisten Frank Gratkowski. Die Wucht einer Free Jazz-Eruption kann man auf diese Weise natürlich nicht erzeugen, aber einige lustvolle Akzente lassen sich durchaus herüberretten. Geballte Tutti-Chaos-Attacken wechseln mit ruhigeren und solistischen Passagen, die Streicher haben es allerdings schwer, sich Gehör zu verschaffen. Die Enttäuschung des Abends war für mich die Uraufführung von Olga Neuwirths neuem Werk …..miramondo multiple……. für Trompete und Ensemble. Die Komponistin hat in ihren Anfängen selbst mit einer Karriere als Jazz-Trompeterin geliebäugelt, musste diese Pläne jedoch schon früh nach einem Autounfall verwerfen. Angesichts dieser Vorrausetzungen hätte ich erwartet, dass sie mehr aus ihrem Instrument herausholt. Die Trompete schmettert ohne Tiefgang vor sich hin, macht wenig überzeugende Anleihen beim Jazz und wird recht schmissig, aber letztlich konventionell vom Ensemble sekundiert. Überzeugender war Liza Lims Ensemblestück Songs found in dream. Die Australierin mit chinesischen Ursprüngen hat sich in den letzten Jahren mehrfach von der Kultur der Aborigines anregen lassen. Folkloristisches ist jedoch nicht zu befürchten, vielmehr inspiriert sie das Konzept der mit Schöpfungsmythen und Ritualen erfüllten Traumzeit. Bei Lim entsteht daraus ein rauer komplexer Klangdschungel, in dem die Trompete (versehen mit einem Fagottmundstück) röhrt, aber auch atmendes Innehalten seinen Platz hat. [„Utopie jetzt“ in Mühlheim an der Ruhr] Das Neue Musik-Festival „Utopie jetzt“ , das bereits zum achten Mal in der Petrikirche in Mühlheim an der Ruhr stattfand, wurde von einem schrecklichen Ereignis überschattet. Manfred Schreier, einer der künstlerischen Leiter, erlitt, während er im Abschlusskonzert Zenders Version der Winterreise dirigierte, einen Zusammenbruch und musste mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. Am Abend vorher hatte er noch seinen 65. Geburtstag gefeiert. Glücklicherweise ist er inzwischen auf dem Weg der Besserung. Vorausgegeangen waren drei Festivaltage mit namhaften Gästen wie Dieter Schnebel und Hans Zender. Wie schon bei der großen Ruhrtriennale schrieb man sich auch in Mühlheim das Fremde auf die Fahne: „Fremde neue Welt“ lautete das Motto. „Das Fremde erscheint immer als das eigentlich Andere, Erschreckende, Ungezähmte“, so raunt es aus dem Programmheft. Beim Eröffnungskonzert brauchte das Publikum allerdings keine Angst zu haben. Der Kanon der Kulturen, den Rupert Huber mit seinem WDR-Rundfunkchor, dem Blockflötisten Jeremias Schwarzer und der Kotospielerin Makiko Goto servierte, bescherte eitel Wohlklang. Mittelalterliches, Orientalisches und Fernöstliches wurde in trauter Harmonie und ohne Ecken und Kanten zum Besten gegeben. Während die älteren Stücke und selbst deren Transkriptionen (z. B. die Bearbeitungen orientalischer Ney-Musik für Blockflöte von Schwarzer) noch den Charme des Authentischen ausstrahlten, wirkte das von Huber selbst angerichtete so genannte Modem nach einem Gedicht von Khalil Gibran als Einheitsbrei, in dem fehlende Substanz und Eigenständigkeit durch vokale Wucht und Tamtam ersetzt wurde. Danach hatten Misato Mochizukis Toccata für Blockflöte und Koto sowie die alten Kotostücke in ihrer Schlichtheit eine geradezu erfrischende und befreiende Wirkung. Spannender wurde es am zweiten Abend mit der Schola Heidelberg unter der Leitung von Walter Nußbaum. Bereits in Witten hatten sie Werke ihres Prinzhorn-Projekts vorgestellt. Der Anregung, sich von der bekannten Sammlung, die bildnerische und literarische Werke psychisch Kranker umfasst, inspirieren zu lassen, sind bislang schon 25 Komponisten gefolgt. Das Fremde hat seinen Ursprung hier nicht in fernen Ländern sondern in uns selbst. Nigel Osbornes Naturtöne/Abschied war bereits in Witten zu hören (s. Gazette Mai 2008). Matthias Kaul begreift Fremdheit als Fremdbestimmtheit und veranschaulicht sie in seiner Auftragskomposition fremd, bestimmt auf eindrückliche Weise. Im Mundraum der sechs Vokalisten befinden sich kleine Lautsprecher; fremde elektronische Klänge dringen aus den Körpern der Sänger, machen sie zu Aliens, konkurrieren mit ihren natürlichen Lautäußerungen, verfremden und behindern sie. Ich ist ein Anderer, der Übergang ist fließend. Kaul selbst sagt zu seinem Werk: „In meinem Stück taucht nun all das auf: die Indiskretion unserer Annäherung, die inneren Stimmen, von denen die Hirne manchmal überflutet werden, die fremden Stimmen im eigenen Körper, die Einsamkeit, die Schönheit und das Zerstörte, aus dem auch manchmal schon wieder Schönes erwächst. Alles in allem eine Komposition voller Zweifel.“ Chormusik von Palestrina, Rossi und Gesualdo ergänzte das Programm. Als humorvolle Einlage erklang anschließend auf dem Vorplatz Schnebels HD, bei dem 9 Harley-Davidson-Motorräder hupend, aufheulend, knatternd und blinkend in einen Dialog mit Trompete und Synthesizer treten. Zum Ausklang des zweiten Festivaltages bereiteten die Interpreten Obstsalat für das Publikum – zu dieser Idee hatte sich Manfred Schreier von Cages Theatre Pieces anregen lassen. Während vom Zubereitungs- und Verzehrvorgang verursachtes zartes Knistern und Rascheln den Raum erfüllte, erklang Tafelmusik von Britten, Pagh-Paan und Cage. [Veranstaltungen im November] Hans Werner Hespos ist in diesem Jahr 70 geworden, am 22.11. wird ihm deshalb in Essen ein ganzer Tag gewidmet. Es beginnt um 12 Uhr mit Vorträgen, um 14 Uhr folgt ein Workshop-Konzert und den Abschluss bildet ein Konzert in der Marktkirche mit interzone perceptibles. Für den 19.11. kündigt die Gesellschaft für Neue Musik Ruhr das Ensemble Ruhrklang mit Werken von Xenakis, Carter und einigen noch unbekannten Namen an. Der Landesmusikrat fördert erneut Konzerte mit Werken von Komponistinnen aus NRW. Am 14.11. werden in Unna die Katakomben im Zentrum für Internationale Lichtspielkunst beschallt. Am 16.11. ist das DUO KontraSax im Kölner Stadtgarten zu erleben und am 23.11. findet ein Duokonzert mit Werken von Komponistinnen aus fünf Ländern anlässlich der Ausstellungsfinissage "20 Jahre Künstlerinnen Sezession Düsseldorf" statt. Einen Workshop zu Ligetis Etüden für Klavier veranstaltet die Hochschule für Musik in Wuppertal. Zum Auftakt spielt Thomas Hell am 26.11. das gesamte Etüdenwerk. Bereits am 14.11. erklingt am gleichen Ort Kammermusik von Schnittke u. a. (Infos über Bergische Gesellschaft für Neue Musik). Der Düsseldorfer Komponist Jürg Baur feiert am 11.11. seinen 90sten Geburtstag. Ihm zu Ehren finden Konzerte in Remscheid (Stadtkirche 2.11.), Neuss (Christuskirche 9.11.), Köln (WDR 21.11.) und Düsseldorf (Robert-Schumann-Hochschule am 20.11. und Tonhalle am 1.11.) statt. Das notabu-Ensemble spielt am 15.11. in Ratingen und am 21.11. in der Düsseldorfer Tonhalle Musik aus dem Kreis der Komponisteninitiative Input-Output zu Gast. Vom 12. bis 15.11. veranstaltet die Essener Folkwang Hochschule ihr herbstliches Festival november music. Auf dem Programm stehen Intermediales, Neues zum Thema Mensch/Maschine/Stimmen und das Unidentified Flying Orchestra. Am 14.11. ist Wolfgang Rihm mit seiner Karlsruher Kompositionsklasse zu Gast. Visual Sounds, das Festival für intermediale Musikprojekte, setzt auf das Crossover von Hören und Sehen, auf die Kooperation von Video- und Klangkünstlern. Während am 22.11. im Gebäude 9 in Deutz Live-Performances und Installationen auf dem Programm stehen, werden am darauf folgenden Wochenende in der Alten Feuerwache einschlägige Filme präsentiert. Jörg Widmann und Heinz Holliger sind am 11.11. in der Essener Philharmonie als Interpreten zu erleben. Nach einem einleitenden Gespräch widmen sie sich der Musik von Elliott Carter und Mozart. Die Reihe YOUrope together wird am 25.11. mit dem Gastland Lettland fortgesetzt und am 20.11. erklingt elektronisch aufgearbeiteter Jazz mit NuBox. In der Kölner Philharmonie sind im November Werke von Olga Neuwirth (7.11.) , Ligeti (16.11.) sowie Uraufführungen von B. A. Zimmermann (ein frühes Streichquartett am 21.11.) und Wilfried Marie Danner ( „…silence…“ für Chor und Orchester am 29.11.) zu hören. Das ensemble 20/21 unter David Smeyers widmet sich im Rahmen des TripClubbing-Projekts am 28.11. im Alten Wartesaal den Bad Boys and Girls of Music. In der Reihe ensembl[:E:]uropa gastiert am 22.11. das Absolut Trio aus Zürich mit Werken von Poppe, Maintz, Kelterborn, Hosokawa und Messiaen beim WDR. Am 15.11. konzentriert sich das Thürmchen Ensemble im Kölner Museum für angewandte Kunst auf den „Focus Amerika“. Die Konferenz Stadtklangnetz beschäftigt sich am 31.10. und 1.11. mit Praxismodellen zu Neuer, Improvisierter und Elektronischer Musik im Unterricht. Am 5.11. bespielt Martin Blume mit Gästen (Frank Gratkowski / Zoubeck / Lehn ¬/ Manderscheid) erneut das Bochumer Museum. Die Kunststation Sankt Peter Köln bringt neben mehreren Orgelkonzerten eine Hommage à Giacinto Scelsi (30.11.). Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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