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Gazette: Neue Musik in NRW - Ausgabe Januar 2009 |
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Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik oder tragen Sie sich hier ein: http://lists.kulturserver-nrw.de/cgi-bin/mailman/listinfo/neue-musik Düsseldorf, 02.01.2009, 13:19, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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| Gewesen: MusikTexte und Frau Musica (nova) feiern Geburtstag – UA von Ivan Fedele
Angekündigt: Klappstuhlfestival – Festival neuer koreanischer Musik – u. v. a. m. [MusikTexte und Frau Musica (nova) feiern Geburtstag] Gleich ein doppeltes Jubiläum gab es am 7.12.2008 im Belgischen Haus in Köln zu feiern. Die von Gisela Gronemeyer und Reinhard Oehlschlägel herausgegebene Zeitschrift MusikTexte beging ihren 25. Geburtstag, die Konzertreihe Frau Musica (nova) ihren 10. Zur Feier des Tages wurde unter dem Motto „Zwischen den Kulturen“ ein Konzert veranstaltet, in dessen Mittelpunkt die koreanische Komponistin Younghi Pagh-Paan sowie zwei ihrer Schülerinnen standen. Pagh-Paan, die nach ihrem Studium in Seoul über ein DAAD-Stipendium nach Deutschland kam, 1974 Schülerin von Klaus Huber und Brian Ferneyhough in Freiburg wurde und heute selbst in Bremen unterrichtet, ist ein lebendiges Beispiel dafür, dass komponieren „zwischen den Kulturen“, jenseits folkloristischer Adaptionen oder bruchloser Anbiederung an die europäische Avantgarde möglich ist. Dies machten die im Konzert vorgestellten Werke deutlich, in denen sie sich mal vom Grundrhythmus (Ta-Ryong ) und der unbegrenzten Variationsfähigkeit koreanischer Bauernmusik anregen lässt, mal in Ta-Ryong IV für Schlagzeug solo die „Kehrseite der Postmoderne“ thematisiert. Der Postmoderne wirft sie vor, „den Köpfen einer satten Minderheit“ zu entspringen und sich mit neokolonialistischer Attitüde die Musik der ganzen Welt verfügbar zu machen. Gespielt wurden außerdem mehrere Werke für Gesangsstimme (Qui-han Nim/Edelmann, Gi-da-ryo-ra/Warte nur…), in denen auch die koreanische Bambusquerflöte Daegeum sowie die Wölbbrettzither Gayageum zum Einsatz kamen. Als Interpretinnen waren Ji-Yun Song und Hyun-Chae Kim aus Korea eingeflogen worden. Von Pagh-Paans Studentinnen hat mich besonders die 1971 in Kasachstan geborene Jamilia Jazylbekova beeindruckt. Auch sie hat nach Studien in Almaty und Moskau über ein DAAD-Stipendium den Weg nach Deutschland gefunden, wo sie seit 1995 lebt. Die tiefe Spiritualität und Naturverbundenheit ihrer kasachischen Kultur traf auf die Strukturbezogenheit westlicher Musik und aus der sich daraus ergebenden Spannung bezieht Jazylbekovas Musik ihre Energie und Ausdruckskraft. In der Abkehr der Neuen Musik vom „schönen, reinen Klang“ entdeckt sie zudem einen Aspekt kasachischer Ästhetik, deren Ziel ebenfalls nicht das perfekt-reine Ideal sondern die Offenheit gegenüber dem gesamten Spektrum der Klänge und der Natur ist. In Köln kam Voci für Stimme, Klarinetten, Violoncello, Akkordeon und Schlagzeug als Kompositionsauftrag von Frau Musica (nova) und Deutschlandfunk zur Uraufführung mit Jazylbekova selbst als Vokalistin. Das Werk wird geprägt von einem schlichten fast volkstümlichen Gesang, der von der Musik mal geheimnisvoll, mal bedrohlich umhüllt wird, bis diese in einen schrillen, intensiven sich überschlagenden Taumel gerät. Die 1969 in Südkorea geborene Jin-Ah Ahn, ebenfalls eine Schülerin von Pagh-Paan, lässt in ihrem Stück Zum blauen Himmel das koreanische Gayageum mit Klarinette und Violoncello in einen Dialog treten. Das Konzert wurde vom Deutschlandfunk aufgezeichnet und wird am 28.3. gesendet. Die aktuelle Ausgabe der MusikTexte (Nummer 119) bildet mit ihrem Pagh-Paan-Schwerpunkt und einem Artikel über Jamilia Jazylbekova eine ideale Ergänzung zum Konzertprogramm. Pünktlich zum 25. Geburtstag hat der Buchverlag MusikTexte noch ein ganz besonderes Projekt gestemmt. In einer zweibändigen, über 900 Seiten umfassenden, zweisprachigen Ausgabe liegen nunmehr Morton Feldmans Middelburg Lectures vollständig vor. Die Herausgabe und Übersetzung der Gespräche und Vorträge, die Feldman von 1985 bis 1987 im Rahmen des holländischen Avantgardefestivals hielt, besorgte Raul Möhrchen. [Uraufführung von Ivan Fedele in der Kölner Philharmonie] Am 4.12. kam in der Kölner Philharmonie ein neues Werk von Ivan Fedele als Kompositionsauftrag des WDR zur Uraufführung. Der 1953 im süditalienischen Lecce geborene Fedele studierte bei Franco Donatoni in Rom sowie in Mailand, wo er heute lebt. In seinem Stück En arché für Stimme, Violine und Orchester setzt er sich mit dem Prolog des Johannesevangeliums auseinander, den er im griechischen Original einer Frauenstimme überantwortet. Stimme und Geige umgarnen sich recht gefällig und winden sich in lichte Höhen. Das Orchester sorgt für eine effektvolle durch klangfarbliche Exotica (z.B. das ungarische Cymbal) und mikrotonale Eintrübung geprägte Grundierung und spart nicht mit dramatischen Steigerungen. „..und das Licht scheint in der Finsternis..,“ heißt es im Text, aber Fedele ist das Licht zu licht und die Finsternis zu düster geraten. Das Ergebnis ist eine effektvolle Inszenierung ohne Tiefgang. Auch Ligeti geizt in seinem Requiem (1963-65) nicht mit dramatischen Elementen. Mit der enormen Wucht einer Naturgewalt tobt der Chor über den Köpfen der Zuhörer, es bebt die Erde und grollt der Donner. Genau diese Energie unterscheidet Ligetis Werk von Fedeles. Der Kampf auf Leben und Tod wird hier nicht nur inszeniert, er findet statt – vor unseren Ohren. Es lässt sich kaum ein größerer Kontrast vorstellen als Strawinskijs Requiem canticles (1965-66). Sein letztes größeres Werk besteht aus neun kurzen Sätzen von zusammen nur 15 Minuten Dauer. Hier wird nicht überwältigt, im Gegenteil. Die Musik entzieht sich in ihrer Strenge, Reduziertheit und Kargheit und scheint schon weit weg zu sein. Schließlich war mit Ligetis Apparitions (1958-59) ein weiteres seiner Frühwerke zu hören. Seinerzeit hat seine Expedition in das Labyrinth der Klänge enormes Aufsehen erregt, im Anschluss an Fedeles Uraufführung wirkt es auch heute noch wahrhaft erfrischend. [Termine im Januar] Am 15. und 16.1. findet bereits zum 9. Mal das Klappstuhlfestival statt, das einen Einblick in die lebendige Wuppertaler Improvisationsszene bietet. Im Mittelpunkt stehen diesmal die Aktivitäten des im August 2007 gegründeten Wuppertaler Improvisations Orchesters (WIO). Neben dem gesamten Orchester sind auch musikalische Einzelbeiträge und Kooperationen mit anderen Kunstformen (Tanz, Puppenspiel) zu erleben. Die Veranstaltungen finden im ‚Ort’, Peter Kowalds alter Wirkungsstätte, sowie in der Neuen Kirche (Sophienstraße) statt. Bereits am 9.1. geben Ariel Shibolet (Sopranosaxophon), Phil Wachsmann (Violine, electronics), Marcio Mattos (Cello, electronics) und Martin Blume (Schlagzeug) ein Konzert im ‚Ort’. Unter dem Titel „Der verwundete Drache“ bietet die Robert Schumann Hochschule Düsseldorf vom 16. bis zum 24. Januar 2009 einen Einblick in die koreanische Musikkultur. Im Mittelpunkt der fünf Konzerte steht das Schaffen von Isang Yun. Daneben kommen auch Werke koreanischer Komponistinnen (u.a. Unsuk Chin, Younghi Pagh-Paan, In-Sun Cho) zu Gehör. Die Essener Folkwang Hochschule startet am 7.1. die „Reihe Neue Musik“. Zum Auftakt erklingen neue Kompositionen von Folkwang-Dozenten darunter Uraufführungen von Dirk Reith, Markus Roth und Günther Steinke. Zwei Tage später stellen Studenten der Kompositionsklassen ihre aktuellen Werke vor. Weitere „frische Klänge“ sind am 14.1. (Visual Music), 16.1 (Elektroakustisches) und 30.1. zu erleben. Eine neue Konzertreihe für Gegenwartsmusik, Elektronik und neue Medien, kurz reihe M, startet im Januar in Köln mit gleich zwei Veranstaltungen. Anknüpfend an die Variations-Reihe von Cage gestalten Peter Behrendsen, hans w. koch u. a. am 16.1. in der Alten Feuerwache eine audio-visuelle Performance. „Hacking sound. Thinking sound. Sinusschwünge satt“ präsentieren japanische Musiker am 29.1. im Projektatelier Staab. Auf dem Programm der musikFabrik im WDR am 9.1. steht die Uraufführung eines neuen Werkes von Enno Poppe und Wolfgang Heiniger. Am 24.1. ist das estnische NYYD Ensemble beim WDR zu Gast. Die Musiker des Kammerensembles Neue Musik Berlin haben bei ihrem Konzert in Gütersloh am 11.1. unter anderem eine Uraufführung von Mark Andre im Gepäck. Im Duisburger earport gastiert am 24.1. bei freiem Eintritt das junge Performancetrio von Florian Appel, Franz Leander Klee und Gernot M. Hartmann mit dem Programm zwischenspiele – nachts. Fortgesetzt werden im Januar die Konzertreihen „Na hör’n Sie mal…!“ des notabu-Ensembles (am 16.1. mit Musik von K. Meyer, Peter Gahn u. a.), solisten (4.1. mit Johannes Schwarz am Fagott), Werkstatt der Oper Bonn (am 31.1. und 1.2. mit dem Schlagquartett Köln) und Klangraum Düsseldorf (23./24.1. mit Musik von Cage und Beuger). Für die Initiative Fonds Experimentelles Musiktheater des NRW Kultursekretariats und der Kulturstiftung NRW werden wieder Projektideen gesucht. Vorschläge können noch bis zum 15.2. eingereicht werden. Die Essener Philharmonie kündigt für den 18.1. die Uraufführung von Wolfgang Rihms 11. Streichquartett mit dem Takács-Quartett an. Am 19.1. ist das Werk in der Kölner Philharmonie zu erleben. Außerdem stehen in Essen Tan Dun (9.1.) und in Köln Dutilleux und Ligeti (11.1.), Henzes Phaedra (14.1.), Stephen Hartke und Thomas Kessel (15.1. mit Rap-Chor und Poetry-Sprecher), Boulez (21.1.), Kimmo Hakola (23.1.1), Mantovani (25.1.), Reich (27.1.), Lutoslawski (30.1.) und eine Uraufführung von Thierry Mechler (28.1.) auf dem Programm. Die Düsseldorfer Kunsthalle widmet vom 31.1. bis 10.5. der Band Sonic Youth eine Ausstellung und präsentiert Werke, die gemeinsam mit Bandmitgliedern entstanden oder von ihnen für die Ausstellung ausgewählt wurden. Für den 24.4. ist ein Sonic Youth Konzert angekündigt. Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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