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Gazette Neue Musik in NRW - Ausgabe März 2009 |
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Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik oder tragen Sie sich hier ein: http://lists.kulturserver-nrw.de/cgi-bin/mailman/listinfo/neue-musik Düsseldorf, 02.03.2009, 15:56, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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| Gewesen: musikFabrik beim WDR mit Isabel Mundry
Angekündigt: Nozart – Allende-Blin – Ensemble Aventure u.v.m. [musikFabrik beim WDR mit Isabel Mundry ] Ihr 28. Konzert beim WDR widmete die musikFabrik ausschließlich der Musik Isabel Mundrys. Unter dem Obertitel Schwankende Zeit waren fünf zwischen 2007 und 2009 entstandene Werke zu einem Zyklus zusammengefasst: Das gleichnamige, Anfang 2008 ebenfalls von der musikFabrik uraufgeführte Ensemblestück, eine Neufassung von Gefächerter Ort für Solovioline und Ensemble, zwei Couperinbearbeitungen unter dem Titel Non mesuré sowie als Abschluss Je est un autre für Ensemble. Mundry gehört zu den Komponisten, die ihre Arbeit intensiv reflektieren und sich von den verschiedensten Erfahrungsbereichen anregen lassen. Dabei schreckt sie, wie das einleitende Gespräch mit dem Fagottisten der musikFabrik, Alban Wesly, zeigte, auch vor grundlegenden Fragen nicht zurück. Kann man Musik verstehen? Funktioniert Musik als Sprache und welche Rolle spielen außermusikalische Faktoren? Mundry machte deutlich, dass Musik in der Regel nicht als verweisendes Zeichen funktioniert, gleichwohl postuliert sie die Möglichkeit eines nicht an Sprache gebundenen Verstehens. Außermusikalische Bezüge dienen ihr während des Kompositionsprozesses als Sprungbrett – sozusagen als Leiter à la Wittgenstein, die man wegwerfen muss, nachdem man über sie hinaufgestiegen ist. Es ist jedoch nicht intendiert, dass der Hörer im Moment des Hörens ähnliche Assoziationen entwickelt bzw. sich vergegenwärtigt (z. B. nach Lesen des Programmheftes). Neben der Beschäftigung mit der Wahrnehmung und Gestaltung von Raum und Zeit hat sich die Komponistin besonders intensiv mit der Frage der Identität auseinandergesetzt. Wie entsteht „aus den alltäglichen Wahrnehmungen von Wandelbarkeit“, aus „der Erfahrung, dass nichts konstant bleibt außer dem Versuch, sich immer wieder neu zu orientieren“ Identität und Stabilität? Je mehr wir uns bewusst sind, dass jeder Blickwinkel nur einen Ausschnitt darstellt, dass wir stets einer unüberschaubaren Vielfalt von Deutungen und Vorstellungen gegenüberstehen, desto unausweichbarer wird das gleichzeitige Bewusstsein, „doch nicht anders zu können, als sich einer Deutung oder Vorstellung hinzugeben“, also auf welcher Basis auch immer Entscheidungen zu treffen. Eine Möglichkeit, sich des Eigenen zu vergewissern, ist die Beschäftigung mit dem Fremden. Vor diesem Hintergrund hat sich Mundry in den letzten Jahren verstärkt mit der musikalischen Tradition befasst und dabei auch den heiklen Pfad der von Zender so genannten „komponierten Interpretation“ beschritten. Ein erstes Ergebnis waren die 2003/04 entstandenen Dufay-Bearbeitungen. Derartige Versuche erliegen oft der Gefahr, das Alte durch entsprechende Instrumentierung lediglich zeitgemäß aufzupeppen, die Klangfarben der Avantgarde als effektvolle und pittoreske Garnierung zu missbrauchen. Weder Zenders Winterreise noch Mundrys Dufay-Bearbeitungen sind davon ganz frei. Etwas komplexer ist die Situation bei ihren nunmehr vorgelegten Couperinbearbeitungen. Der Titel Non mesuré – mit Louis Couperin weist bereits darauf hin, dass es sich nicht um eine reine Instrumentierung sondern um ein Mit- beziehungsweise Gegeneinander handelt. Nur langsam schälen sich die Couperinanklänge aus der Musik heraus als handele es sich um eine schwere Geburt. Neues und Altes, Eigenes und Fremdes scheinen sich gegenseitig zu blockieren, so dass eine manchmal quälende letztlich aber produktive Spannung entsteht. Fast kommt es einer Erlösung gleich, wenn eine der beiden Klangsprachen die Oberhand gewinnt. Direkt im Anschluss erklingt das Ensemblestück Schwankende Zeit, bei dem sich Mundry von Gedichten Thomas Klings anregen ließ. Kraftvoll, expressiv und dynamisch hebt die Musik an, doch auch hier trägt sie den Zwiespalt bereits in sich. Eine „sturzartig vorantreibende Zeit“ begegnet einer „neutralen“, innehaltenden Zeit. Im Zentrum des Zyklus erklingt in einer Neufassung das Werk Gefächerter Ort, das in der Gegenüberstellung von Solovioline und Ensemble die Frage nach der Identität, nach Eigenständigkeit und Zugehörigkeit aus einer weiteren Perspektive verhandelt. Der zweite Teil der Couperinadaptationen mündet schließlich nahtlos in das neue Werk Je est un autre. Der Übergang ist für den Hörer tatsächlich kaum auszumachen. Die Musik hängt, so Mundry, „an wichtigen Couperintönen fest“, welche jedoch nur noch subkutan wirksam sind. Der Titel „Ich ist ein Anderer“ geht auf den französischen Dichter Arthur Rimbaud zurück und verweist darauf, dass Identität und Veränderung letztlich keine Gegensätze darstellen sondern sich gegenseitig bedingen. [Termine in Essen/Dortmund] Die musikFabrik und das Schlagquartett Köln gastieren gemeinsam am 12.3. im Dortmunder Konzerthaus und am 13.3. in der Essener Philharmonie. Das Programm Drumming kombiniert das gleichnamige Werk von Steve Reich mit Musik von Zappa, Varèse und Guo Wenjing sowie traditioneller Amadinda- und Akadinda-Musik aus Uganda. In Dortmund stehen außerdem am 2.3. Henzes 1. Sinfonie und am 18.3. eine Uraufführung von Richard Beaudoin ( Nach-Fragen, ein Gesangszyklus nach Christa Wolf) auf dem Programm. In Essen wird am 9.3. Estraines von Graham Lack aus der Taufe gehoben. Am 29.3. werden die Ergebnisse des „meet the composer“-Projektes vorgestellt, in dessen Rahmen sich Schüler verschiedenen Alters mit dem kompositorischen Werk des diesjährigen „In Residence"-Künstlers, Wolfgang Rihm, beschäftigten. [Termine in Wuppertal] Das Wuppertaler Sinfonieorchester hat bei der Koreanerin In-Sun Cho das Orchesterwerk ….Tal… in Auftrag gegeben, das am 22.3. zur Uraufführung kommt. Seinen 20. Geburtstag feiert das Ensemble Partita Radicale, das im Grenzbereich zwischen Komposition und Improvisation agiert. Aus diesem Anlass lädt es am 29.3. ins Forum Maximum in Wuppertal zu einem Abend voller Überraschungen. Im Ort sind im März eine CD-Präsentation mit Canaries on the pole (am 6.3. auch im Kölner Loft) und ein Flöten-/Akkordeonkonzert mit Ute Völker und Robert Dick zu erleben. [Termine in Düsseldorf] In Düsseldorf spielt das Notabu-Ensemble im 6. Konzert seiner Reihe „Na hör’n Sie mal…“ Musik von Ruzicka, Cerha sowie seines Leiters Mark-Andreas Schlingensiepen. [Termine in Bonn] Die Bonner Oper führt im März Juan Allende-Blins Des Landes verwiesen auf (Premiere am 22.3.). Das vor 20 Jahren entstandene Werk widmet sich in szenischen und konzertanten Szenen dem Schicksal von Dichtern des 20. Jahrhunderts, die unter politischer Verfolgung zu leiden hatten. Am 18.3. sind in der Bonner Werkstatt der Turbo-Schlagzeuger Michael Wertmüller und die Ausnahmegeigerin Lenka Župková zu Gast. Letztere ist auch beim Nozart-Festival mit dabei (s.u.) [Termine in Köln] Am meisten hat mal wieder Köln zu bieten. Das Loft lässt vom 9. bis 11.3 die Alpen glühen. An den drei Tagen treffen Musiker aus der Steiermark auf die Kölner Musikszene. Im April gibt es ein „Rückspiel“ in Graz. Am darauf folgenden Wochenende bietet das Nozart-Festival zeitgemäße Radikalimprovisationen. Neben dem Basement wird in diesem Jahr auch die Christuskirche beschallt. Zu Gast sind diesmal auch Musiker aus der Mongolei und Äthiopien. In der Kölner Philharmonie widmen sich Mauricio Pollini und das Klangforum Wien unter Peter Eötvös den Klassikern Stockhausen, Schönberg und Schumann. Zum Abschluss der WDR-Reihe ensemb[:E:]uropa konzertiert am 28.3. das Freiburger Ensemble Aventure im Klaus-von-Bismarck-Saal. Das Zephyr-Bläserquintett spielt am 22.3. Musik von Ligeti, Glanert u. a. Die kgnm präsentiert am 27.3. in der Alten Feuerwache Le grain de la voix. Mitwirkende sind der Elektroniker Martin Lorenz sowie die Schweizer Duos canto battuto und blalabor. Das Schauspiel Köln bringt in der Halle Kalk Schorsch Kameruns erste antiautoritäre Staatsoper M.S. Adenauer auf die Bühne. Die Kammeroper Köln widmet sich derweil Udo Zimmermanns Weißer Rose. Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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