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Gazette Neue Musik in NRW - Ausgabe April 2009 |
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Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik oder tragen Sie sich hier ein: http://lists.kulturserver-nrw.de/cgi-bin/mailman/listinfo/neue-musik Düsseldorf, 30.03.2009, 20:03, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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| Gewesen: Ensemble Aventure beim WDR – Fonds experimentelles Musiktheater – nozart
Angekündigt: Forum neuer Musik beim DLF – vier Tage vor ort – neue Kammermusik in Witten u.v.m. [Ensemble Aventure beim WDR] Mit dem Ensemble Aventure war am 28.3. in der WDR-Reihe ensembl[:E:]uropa eine Formation aus Deutschland zu Gast. Seit 1986 widmen sich die Freiburger der neuen Musik und das Programm bescherte eine kleine Zeitreise durch die letzten Jahrzehnte. Mehr als zehn Jahre vor dem Gründungsdatum des Ensembles, im Jahre 1975, entstand Xenakis Phlegra, das nichts von seiner Energie und Frische eingebüßt hat. Weitere Stationen des Abends waren Rolf Riehms Fioretti within my Bosom (2000) und Nicolaus A. Hubers La Force du Vertige (1985), in dem er sich mit dem Phänomen des Schwindels auseinander setzt. Auch Michael Reudenbach hat sich in der vom WDR in Auftrag gegebenen Uraufführung von Wahrnehmungsirritationen inspirieren lassen. Sein Werk Stratton ist nach jenem amerikanischen Psychologen benannt, der durch seine Selbstversuche mit Umkehrbrillen berühmt wurde. Zu Beginn dominieren harte Akzente und maschinenartige Rhythmen, doch im weiteren Verlauf entsteht ein völlig gegensätzliches, zurückgenommenes, diffuses Klangbild. Nur noch Reste der anfänglichen Turbulenzen und staccatoartigen Impulse bleiben zurück. Vielleicht ist es jenes weitgehende jedoch niemals vollständige Umkippen der Hörperspektive, das Reudenbach mit Strattons Umkehrbrille in Verbindung bringt. Als einen seiner Schwerpunkte benennt das Ensemble Aventure die Auseinandersetzung mit nichteuropäischen Kompositionswelten. In dieser Funktion ist es im April erneut in Köln zu erleben. Im Rahmen des Forums neuer Musik des Deutschlandfunks (s.u.) wird es Musik aus Südamerika spielen. [Neues vom Fonds experimentelles Musiktheater] Wieder einmal hat der Fonds experimentelles Musiktheater, der vom Kultursekretariat NRW und der Kulturstiftung NRW gespeist wird, 80.000 € ausgeschüttet. Der Geldsegen führte diesmal das 2005 am Institut für Angewandte Theaterwissenschaften in Gießen gegründete Performancekollektiv Monster Truck mit dem Musiker und Regisseur Bülent Kullukcu im Düsseldorfer Schauspielhaus zusammen. In dem Stück Everything is Flux, das unter anderem von H.G. Wells Roman Zeitmaschine inspiriert ist, geht es um Macht und Ohnmacht, unten und oben, gut und böse – wobei die Orientierung nicht immer eindeutig ist. Gleich zu Beginn wird das Publikum in einen Käfig gesperrt. Ist das Fluch oder Segen? Gefängnis oder Schutzbunker? Immerhin, für Verpflegung ist gesorgt: Weintrauben und Würste hängen von der Decke und wer Glück hat, bekommt sogar eine Zigarette zugesteckt. Oben tut sich so einiges, seltsam kostümierte Wesen kriechen, gehen oder radeln über das Deckengitter und versuchen gelegentlich mit den Eingesperrten Kontakt aufzunehmen. Über allem herrscht der schreckliche Zargos, der aus dem Vollen schöpft, aber just als er genüsslich in Champagner badet, überwältigt wird. Jeanne d’Arc im wenig erotischen Strickoverall naht als Schwanenritter, ruft die Revolution aus, befreit das Publikum und bezwingt den Schreckensherrscher. Aber so böse ist es dann doch nicht gemeint, man päppelt ihn wieder auf und vertreibt sich die Zeit mit Jahrmarkspektakel. Das Stück holt sein Material aus den unendlichen Weiten der globalisierten Bilderflut und hat dabei auch ein paar ganz witzige Einfälle auf Lager. Mickey Mouse kommt mit Lautsprecherohren daher und im Schlussbild erscheint eine Art Freiheitsstatue im weit ausgestellten Salamikleid, das auch sogleich eine Schar Hunde anlockt. Bei näherer Betrachtung bleibt allerdings außer bunten Bildern und Effekten nicht viel übrig – nichts was unter die Haut oder unter die Kopfhaut geht. Auch die live erzeugte Lautsprechermusik ist nicht dazu angetan, diesen Eindruck zu revidieren – im Gegenteil. Zu hören sind Elektronikgewummer, banale, penetrante Rhythmusschnipsel und gelegentliche Geräuschkaskaden. Etwas mehr musikalische Substanz hätte ich von einem Musiktheater schon erwartet, auch wenn es experimentell ist! [Nozart-Festival in Köln] Am 13.3., einem Freitag, startete die 13. Ausgabe des Kölner Nozart-Festivals, das sich der improvisierten und experimentellen Musik verschrieben hat. Wer allerdings wegen der sonst üblichen ‚Radikalimprovisationen’ gekommen war, musste seine Ohren gelegentlich umstellen. Nozart deckte diesmal ein sehr viel breitere Spektrum ab und präsentierte mit der äthiopischen Gruppe Ililta und dem mongolischen Obertonensemble Hosoo erstmals auch traditionelle Volksmusik. Den experimentellen Improvisationspart bedienten vor allem die kleineren Formationen. Gleich am ersten Abend traf der englische Saxophonist Lol Coxhill auf den Gitarristen Olaf Rupp. Letzterer war nur mit einer Akustikgitarre bewaffnet und für mich ein Höhepunkt des Festivals. Seine unermüdlichen nervös-quirligen Finger tanzten mit unbeschreiblicher Virtuosität über die Saiten und entlockten ihnen einen wunderbar metalligen, schneidenden Klang, der im Kontrast zum warmen, satten Ton des Saxophons noch an Schärfe gewann. Anschließend breitete die tschechische Geigerin Lenka Župková das übliche elektronisch verfremdete Geräuschinventar aus und bearbeitete neben ihrem Instrument auch diverse Metallgegenstände. Dabei kam sie jedoch über die Vorführung hinlänglich bekannter Effekte nicht hinaus, so dass mich ihre Soloperformance erstaunlich kalt ließ. Den zweiten Tag eröffnete das österreichische Duo Seppo Gründler (Gitarre/Elektronik) und Josef Klammer (Schlagzeug/Elektronik). Ihre Entdeckungstour führte durch unwegsames Gelände, manchmal scheint die Musik zu holpern und zu stolpern, sich in Beiläufigkeiten zu verlieren oder in Störsignalen zu versanden, um im nächsten Moment eine enorme Dichte und Dringlichkeit zu entfalten. Gerade diese mangelnde Geradlinigkeit macht ihren Reiz aus. Das Trio Carl Ludwig Hübsch (Tuba), Philip Zoubek (Piano) und Jean-Marc Montera hebt an mit dumpfem Donnergrollen, durch das scharfe Geräuschblitze zucken. Erst nach einer Weile emanzipieren sich die einzelnen Instrumente aus dem Gesamtklang. Zwischen Klangballungen und Materialerkundungen geht die Reise, aber vor allem die Tuba hat es schwer, sich im Klanggestöber bemerkbar zu machen. Ein rein elektronisches Gipfeltreffen lieferten sich Thomas Lehn und Marcus Schmickler. Während Schmickler an seinem Laptop gerade mal einen Finger krumm macht, entfaltet Lehn am analogen Synthesizer eine enorme Power. Man fragt sich ständig, ob er die Maschine traktiert oder ob er nicht vielmehr von dieser unter Strom gesetzt wird. Bei aller Virtuosität kommen die elektronischen Klänge dann aber doch recht bald an ihre Grenzen und erschöpfen sich in Redundanz – zumindest für meine Ohren. Das Programm wurde komplettiert von drei Bands, deren einzige Gemeinsamkeit darin besteht, dass sie sich jenseits meiner üblichen Hörgewohnheiten bewegen – weshalb ich mir eine ‚Kritik’ hier auch verkneife. Am meisten konnte ich noch mit der holländischen Formation The Ex anfangen, die mit ihrem geradlinigen Punksound ordentlich einheizte. Gutbucket aus New York spielt rockigen Jazz und kommt dabei ganz gut in Fahrt, aber wie es bei dieser Musikrichtung halt so ist: Immer wenn es so richtig loszugehen droht, kommt eine Jazzphrase oder melodiöse Floskel um die Ecke und führt die Musik in geordnete Bahnen zurück. Völlig verschlossen bleibt mir die Welt von Bohren & Der Club of Gore, die einen depressiven Sound präsentieren, der sich – wie ich mir habe sagen lassen – unter dem Label Doom Metall einordnen lässt. Weltuntergangsstimmung war aber noch nie meine Sache! Fazit: Es kann nicht schaden, mal über den eigenen Tellerrand hinauszuhören, ein paar ordentliche Radikalimprovisationen sind mir aber lieber. Konzerte im April: [Festivals] Auch wenn der Frühling sich nur zaghaft blicken läßt, die Musikfestivals sind pünktlich zur Stelle. Der Deutschlandfunk widmet sich in seinem Forum neuer Musik vom 3. bis 4.4. La otra América und kündigt Klangeindrücke fern europäischer Idiome und Formen aus Argentinien, Brasilien, Chile und Mexiko an. Zum Auftakt findet in der Kölner Musikhochschule ein Symposium statt. Anschließend präsentieren das Ensamble Antara, das Ensemble Aventure und das ensemble Intégrales viele Ur- und Erstaufführungen, darunter auch sechs Kompositionsaufträge des Deutschlandfunks. Zur Erinnerung an Peter Kowalds 65. Geburtstag wandelt der Wuppertaler ort vom 23. bis 26.4. auf griechischen Spuren. Neben Günter „Baby“ Sommers greek connection erklingt originale Rembetikomusik. Am gleichen Wochenende finden etwas weiter östlich die Wittener Tage für neue Kammermusik statt. Erstmals werden diesmal das Haus Hohenstein und dessen nähere Umgebung einbezogen. Ansonsten gibt es den üblichen Mix aus hochrangigen Interpreten und bekannten und weniger bekannten Komponistennamen. [Bergisches Land] Im Rahmen der Reihe KlangArt treffen am 19.4. in Tony Craggs Wuppertaler Skulpturenpark Waldfrieden Jean Laurent Sasportes (Solotänzer bei Pina Bausch) und der Hornist Arkady Shilkloper aufeinander. Letzterer hat auch ein Alphorn im Gepäck. Das frisch renovierte Wuppertaler Opernhaus hat bei Salvatore Sciarrino eine neue Oper in Auftrag gegeben. Vor dem Gesetz (La porte delle legge), nach der bekannten Erzählung von Franz Kafka, kommt am 25.4. zur Uraufführung. Wem mehr nach komischer Oper zu Mute ist, der kann sich am 4.4. im benachbarten Theater Hagen die europäische Erstaufführung von Daniel Catáns Werk Salsipuedes – von Krieg, Liebe und Anchovis antun. In der Lutherkirche in Solingen stellen Verena Wüsthof und Eva Zöllner am 4.4. neue Musik für Blockflöte und Akkordeon vor (s. Bergische Gesellschaft für Neue Musik). Lutz-Werner Hesses Vita di San Francesco für Orgel und dreizehn Gongs wird am 5.4. in der Hauptkirche Unterbarmen aufgeführt. [Düsseldorf] Im Düsseldorfer Klangraum sind am 9.4. klang-landschaften von Eva Maria Houben und tombeau von Antoine Beuger zu hören. In der Düsseldorfer Kunsthalle spielt anlässlich der aktuellen Ausstellung Sensational Fix Sonic Youth am 24.4. im Club 3001 (neben München einzige deutsche Spielstätte im Rahmen der Europatournee – aber wohl schon ausverkauft). [Ruhrgebiet] Die Essener Philharmonie widmet ihrem „In-Residence“-Komponisten Wolfgang Rihm unter dem Titel Venezia ein Konzertwochenende. Am 4. und 5.4. begegnen seine Werke der Musik von Giovanni Gabrieli, Luigi Nono und Carlo Gesualdo. Als Interpreten sind das Ensemble Modern, das Ensemble Resonanz, das ChorWerkRuhr und die Essener Domsingknaben mit von der Partie. Außerdem stehen in der Philharmonie eine deutsche Erstaufführung von Pascal Dusapin (1.4.), ein Abend mit Liedern von George Crumb und Henry Purcell (21.4.) sowie in der Reihe YOUrope together elektroakustische Musik aus Polen (16.4.) auf dem Programm. Earport veranstaltet am 3.4. in den Räumen des Duisburger Ablegers der Folkwang Hochschule ein Konzert mit Werken für Koto und Blockflöte. Am 29.4. wird in der Essener Zentralbibliothek die Performancereihe MusicParadise fortgesetzt. [Köln] In der Kölner Philharmonie sind im April ein symphonisches Werk von Yasushi Akutagawa (1.4.), Musik von Webern und Ligeti (3. und 4.4.), eine Hommage an Yehudi Menuhin mit Musik von Reich, Pärt, Schnittke und Glass (12.4.) sowie Werke von Takemitsu (13.4.), Olga Neuwirth (17.4.) und Michael Jarrell (22.4.) zu hören. Am 30.4. spielt am gleichen Ort das WDR Sinfonieorchester ein neues Stück von Toshio Hosokawa und eine deutsche Erstaufführung von Bruno Mantovani. Als Solist wirkt der ehemalige Cellist des Arditti Quartets Rohan de Saram mit. Im Kölner Dom kommt am 8.4. mit der musikFabrik Henzes Requiem zur Aufführung. Die reihe M präsentiert am 11.4. in den Spichern Höfen ein intermediäres, akusmatisches Sinneslaboratorium. Im Alten Pfandhaus wird die Reihe mit hochkarätigen Solisten am 5.4. mit Marco Blaauw fortgesetzt. Am Musikwissenschaftlichen Institut der Uni Köln spricht am 29.4. Jô Kondô über sein kompositorisches Schaffen und Die Kunst der Mehrdeutigkeit. ON – Neue Musik Köln präsentiert Schlüsselwerke der Neuen Musik von Messiaen (17.4. im Belgischen Haus) und Ligeti (24.4. in der Kunststation Sankt Peter). Außerdem werden diverse Workshops für Multiplikatoren zeitgenössischer Musik veranstaltet. Die Kölner Musikhochschule gratuliert Jürg Baur zum 90. (5.4.), bringt zeitgenössische Schlagzeugmusik (21.4.) sowie Orchestermusik der Moderne (24.4.). Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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