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Gazette: Neue Musik in NRW - Ausgabe November 2009 |
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Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik oder tragen Sie sich hier ein: http://lists.kulturserver-nrw.de/cgi-bin/mailman/listinfo/neue-musik Düsseldorf, 29.10.2009, 12:46, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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| Gewesen: Kafkas Schloss in Düsseldorf – Gerhard Stäbler zum 60.
Angekündigt: November Music an der Folkwang Hochschule – Crumb Festival – Musik der Zeit beim WDR u. v. m. [Kafkas Schloss in Düsseldorf] Eine Kooperation der Deutschen Oper am Rhein, der Düsseldorfer Symphoniker und des Düsseldorfer Schauspielhauses bescherte uns im Oktober eine Begegnung der besonderen Art: Kafka traf auf Mahler. Verantwortlich für das ungewöhnliche Unterfangen zeichneten der Regisseur und Bühnenbildner Alexander Müller-Elmau und der Bühnenmusiker und Komponist Thomas Hertel. Hertel nimmt die Liederzyklen Mahlers als Ausgangsmaterial und macht sich mutig an ihnen zu schaffen. Schon die Besetzungsliste verspricht Ungewöhnliches: Zu drei Streichern und drei Sängern der Deutschen Oper gesellen sich ein Trompeter, ein Posaunist, ein E-Gitarrist und ein Schlagzeuger, deren musikalische Heimat eher im Bereich Neue Musik und Jazz zu suchen ist. Als i-Tüpfelchen kommt schließlich noch ein Live-Elektroniker und DJ hinzu. Das Ergebnis hat durchaus seine lustvollen Momente. Hertel bürstet Mahler gegen den Strich, raut ihn auf durch ungewöhnliche Klangfarben, collagiert, dünnt aus, überschreibt und überblendet, doch egal was er macht, zu hören ist immer Mahler. Es ist schon erstaunlich, aber so sehr man dieser Musik zu Leibe rücken mag, sie hat eine so intensive Eigenkraft, dass stets der ganze Mahler durch jede Verfremdung hindurch schon mit wenigen Tönen den Raum füllt. Das ist zwar keine neue Erkenntnis, aber sie wurde an diesem Abend noch einmal sehr deutlich. Schwerer hat es da schon Müller-Elmau, der Kafkas Roman Das Schloss mit dem erklärten Ziel, das Fragmentarische zu bewahren, als Szenencollage auf die Bühne bringt. Wir begleiten K., der von Sängern und Schauspielern gleichermaßen bedrängt wird, durchs Bühnenchaos und beobachten, wie er von mutiger Selbstbehauptung über trotziges Aufbegehren in zielloses Agieren und Resignation übergeht. Aber Kafkas karger, spröder Ton lässt sich nicht so leicht einfangen. Hans Mayer bescheinigte Mahler und Kafka, dass sie beide „ununterbrochen auf ihre Weise die verlorene Unschuld, die verlorene Naivität“ suchten. Mit slapstickartigen Einlagen kommt man dieser allerdings nicht auf die Spur. Sie wirken eher als hilflose Reaktion auf die Hilflosigkeit des Protagonisten, ohne ihr gerecht zu werden. Das Hauptproblem des Abends jedoch hat Hertel in einem Programmheftbeitrag selbst auf den Punkt gebracht. „Beide drängen zum Fragment. Die Schwierigkeit ist, dass der minutiöse Fragmentcharakter in Kafkas Werk trotzdem auf der Bühne ein großes Ganzes werden muss.“ Genau das gelingt nicht, der Abend bleibt Stückwerk, es entwickelt sich kein durchgehender Ton und, obwohl es zwischen Kafka und Mahler durchaus Berührungspunkte gibt, stehen sie sich auf der Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses als Solitäre gegenüber; sie berühren sich nicht und daher wird auch das Publikum nur selten berührt. [Gerhard Stäbler zum 60.] Bereits im Juli feierte Gerhard Stäbler in Duisburg seinen 60. Geburtstag. Jetzt zum Auftakt der neuen Konzertsaison folgten die offiziellen Geburtstagsgrüße. Ein Konzert in der Düsseldorfer Tonhalle am 10.10. machte den Auftakt, weiter ging es am 16.10. in der Essener Kreuzeskirche und am 17.10. folgten die offiziellen Grußworte der Stadt Duisburg im Rahmen einer Veranstaltung im Wilhelm-Lehmbruck-Museum. Den Ausklang bildete ein Klavierkonzert im Duisburger Innenhafen. Stäbler kann sich über mangelnden Erfolg und fehlende Aufträge nicht beklagen. Rund um den Globus ist er im Einsatz. Korea, Kreta, Schottland, Österreich, Hellerau und Würzburg sind nur einige seiner diesjährigen Stationen. Auch Auftritte in Donaueschingen, Darmstadt und Witten hat er im Laufe seiner Komponistenkarriere absolviert, aber trotzdem ist er nie ganz Teil des Systems geworden. Oft ist in Zusammenhang mit seiner Person von Grenzüberschreitungen die Rede, aber wenn Gerhard Stäbler Grenzen überschreitet, dann sind das zwar auch Grenzen des Mediums, des Genres oder des Publikums (Kooperationen mit Tänzern, bildenden Künstlern usw. sind an der Tagesordnung, in seinen Werken und Performances werden nicht nur Auge und Ohr sondern auch schon mal Tast- und Geruchssinn angesprochen), in erster Linie aber sind es seine eigenen Grenzen. Grenzüberschreitung setzt bei ihm selbst an, es bedeutet, sich als Person zur Disposition zu stellen, und es schließt einen heute ausgesprochen seltenen Aspekt ein, nämlich die Bereitschaft, die Möglichkeit des Scheiterns einzukalkulieren. Während die meisten Protagonisten der Neuen Musik auf Nummer sicher gehen, was die Konzertprogramme oft so stromlinienförmig und austauschbar macht, gibt es bei Stäbler oft noch diesen Moment, bei dem man innerlich den Atem anhält und hofft, dass es gut geht. Dass es dann meistens gelingt, ist seiner Erfahrung und seiner Sensibilität zuzuschreiben. So geschehen in der Essener Kreuzeskirche, wo Stäbler mehrere eigene Werke kombinierte inklusive einer gemeinsamen Performance mit Kunsu Shim und einer Knochenarbeit von Bernd Bleffert, bei der sauber polierte Tierknochen mit wunderbar feinem, hohlen Klang eine Spur durch den Kirchenraum legten. Das könnte plakativ wirken oder es kann wie in Essen zu einem außergewöhnlichen Moment führen. Persönliche Grenzüberschreitungen sind manchmal aber auch ganz unspektakulär. So hat Stäbler sich in TAP nach längerer Abstinenz noch einmal mit der Orgel auseinandergesetzt, ist aber, nach eigener Aussage, „am Pedal hängen geblieben.“ Herausgekommen ist ein untergründiges Rumoren, als habe man dem Instrument in die Eingeweide gegriffen. Zurzeit arbeitet Stäbler an einem Auftragswerk für Orgel für die Essener Philharmonie. Ein weiteres Charakteristikum Stäblers ist seine Bereitschaft zur Kooperation und Kommunikation. Auch das scheint in unserer bis in die letzte Faser vernetzten Welt eine Selbstverständlichkeit zu sein, aber bei Stäbler geht es dabei nicht in erster Linie um das Pflegen verwertbarer Kontakte und um das möglichst effektive Anzapfen von Geldquellen; neben diesen alltäglichen Notwendigkeiten ist stets ein ernsthaftes Interesse am Gegenüber spürbar, das eine Begegnung auf Augenhöhe möglich macht. Stäbler und seinem Lebensgefährten Kunsu Shim gelingt es immer wieder bei den Performanceabenden im Duisburger Earport eine Atmosphäre der Wärme und Herzlichkeit zu erzeugen, die bei den Treffen der Neue-Musik-Szene, trotz ihres allgemein recht familiären Charakters, nicht immer selbstverständlich ist. Auch Nicht-Insider können hier ankommen, dazugehören und oftmals sogar mitwirken. Aus der gleichen Quelle speisen sich seine politischen Ambitionen, die besonders seine frühe Phase prägten, sowie seine häufigen Aktivitäten im pädagogischen Bereich. Auch seine vielfältigen internationalen Kontakte sind hier zu nennen, doch gleichzeitig ist er dem Ruhrgebiet, in dem er seit seinem Studium heimisch geworden ist, eng verbunden. Seit 10 Jahren hat er zusammen mit Kunsu Shim den Earport, einen kleinen Veranstaltungsraum im Duisburger Innenhafen, zu einem Treffpunkt kreativer Kräfte gemacht und, wann immer die beiden im Lande sind, findet hier irgendetwas statt. In den Konzerten im Oktober kamen alle diese Facetten zum Ausdruck. Im Lehmbruck-Museum erklangen musikalische Geburtstagsgrüße unter anderem von Toshio Hosokawa und Dieter Schnebel und zum Abschluss war das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit dem in Deutschland lebenden, koreanischen Videokünstlers Kyungwoo Chun zu entdecken. Das inzwischen beliebte Bebildern von Musik ist nicht immer meine Sache, aber Kyungwoo Chuns Videos sprechen eine sehr eigene, eindringliche Sprache, die sich neben der Musik zu behaupten weiß. In Last Night für Gesang und Streichquartett werden zu Kunsu Shims ruhiger, stehender, fast hypnotischer Musik diffuse Schwarz-Weiß-Bilder sichtbar, in denen sich immer wieder Hände abzeichnen. Zu Stäblers White Space für die gleiche Besetzung erscheinen Körperbilder in Nahaufnahme, die gleichzeitig aufs äußerste reduziert sind und doch ein hohes Wiedererkennungspotential aufweisen. Eine einfache zittrige Linie entpuppt sich durch die Art ihres Vibrierens sofort als Auge, während die minimalen Zuckungen eines Mundes ebenfalls sofort als solche kenntlich sind. Dazu singt Martin Lindsay frühe Gedichte Paul Austers. Der in gehauchte und gesprochene Lautpartikel aufgelöste Text wird von zarten Streichergesten begleitet. [Termine im November] Aachen In Aachen spielt am 1.11. das Neue Musik Ensemble Aachen Werke von Crumb, Neuwirth, Vivier u. a. Am 19.11. ist das deutsch-belgische Quartett für Gegenwartsmusik Canaries on the Pole zu Gast. Im Zentrum der Veranstaltung Hören und Sprechen über Neue Musik steht am 9.11. Enno Poppe. In Kooperation mit der Musikhochschule Köln und dem WDR erklingt im Rahmen der Reihe Industriekonzerte am 10.11. im benachbarten Düren Musik von Manfred Trojahn. In einer weiteren Veranstaltung der Musikhochschule ist am 3.11. Zeitgenössisches für Querflöte zu erleben. Düsseldorf Auch die Düsseldorfer Tonhalle kommt um Jörg Widmann nicht herum. Am 20.11. erklingt seine Konzertouvertüre für Orchester Con brio. Am 21.11. spielen das notabu.ensemble und Irene Kurka im Robert-Schumann-Saal u. a. Uraufführungen von Brigitta Muntendorf und Raimund Juelich, der dieses Jahr ebenfalls 60 wird. Kurka ist auch an zwei von musik21 veranstalteten Konzerten beteiligt: Am 12.11. tritt sie mit dem Ensemble Novecchio und am 27.11. mit dem E-mex Ensemble für neue Musik auf. Außerdem trägt sie am 19.11. in Pulheim zeitgenössisches Liedgut vor. Notabu präsentiert gemeinsam mit dem vocalensemble cantus benedictus am 15.11. alte und neue Musik in der Bunkerkirche in Heerdt. Am 21.11. spielt Eva-Maria Houben im Klangraum neben eigenen Werken Musik von Antoine Beuger. Ruhrgebiet Am 7.11. findet im Duisburger Wilhelm-Lehmbruck-Museum ein Portraitkonzert der koreanischen Pianistin Seonkyung Kim statt. Die Folkwang Hochschule Essen veranstaltet vom 11. bis 14.11. wie jedes Jahr ihr Herbstfestival November Music. Mit dabei sind diesmal das TimeArt Ensemble, das Ensemble Berlin Piano Percussion, Mike Svoboda mit „14 Arten Richard Wagner lieben zu lernen“ und das Wolpe Trio. Am 12.11. spielen das Ensemble folkwang modern und das Orchester der Folkwang Hochschule in der Essener Philharmonie Musik des Folkwang-Professors Günter Steinke und der In-Residence-Komponistin Unsuk Chin. Im Rahmen der MIR-Konzerte kommt am 30.11. Tobias PM Schneids Konzert für Englischhorn und Orchester in der Kirche St. Georg in Mühlheim an der Ruhr zur Uraufführung. Köln Außer ihren In-Residence-Komponsiten Widmann (8., 16. und 18.11.) hat die Kölner Philharmonie im November Birtwistle (1.11.) und Carter (22.11.) auf dem Programm stehen. Am 15.11. wird ein neues Werk von Rihm aus der Taufe gehoben. Uraufführungen von Arnulf Herrmann und Friedrich Cerha erklingen im Rahmen des WDR-Festivals Musik der Zeit. Vier weitere Konzerte u. a. mit dem Grau Schumacher Piano Duo und dem Collegium Novum Zürich finden im Funkhaus statt. Bereits am 2.11. setzt der WDR dort die Reihe ensembl[:E:]uropa mit Gästen aus Litauen fort. Frau Musica (nova) lädt am 22.11. um 11 Uhr zu ihrer zwölften Konzertmatinee in den Deutschlandfunk Kammermusiksaal ein. Diesmal werden mit Olga Bochikhina und Marina Kharkova zwei junge Komponistinnen aus Moskau vorgestellt. Am 4. 11. ist der US-amerikanische Komponist Robert Ashley anlässlich des Erscheinens seiner gesammelten Schriften in der Edition MusikTexte im Kölner Loft zu Gast. Die Kunststation Sankt Peter kombiniert am 1.11. Blockflöte mit Live-Elektronik. Der No-music-day am 21.11. wird mit James Tenneys In a Large, Open Space ein- und ausgeläutet und am 22.11. gibt es dann noch music for a while. Studenten von Johannes Schild stellen am 10.11. in der Musikhochschule ihre neuen Werke vor. Am 27.11. ist das ensemble 20/21 mit Zeitgenössischem zu hören. ON – Neue Musik Köln ermöglicht am 18.11. eine Wiederbegegnung mit Klassikern der elektroakustischen Musik, verknüpft am 7.11. Neue Musik und Tanz und erkundet im Rahmen von SoundTrack_Cologne vom 19. bis 22.11. die Verbindung von Film und Musik. Grenzüberschreitend geht es wie immer auch bei Gerngesehen zu u. a. mit visual sounds am 12.11. und Installations- und Filmkonzerten. Wuppertal In den Skulpturenpark Waldfrieden hält mit der Konzertreihe Tonleiter zeitgenössische Musik Einzug . Am 18.11. erklingen Werke von Messiaen, Hosokawa und Ian Wilson. Im Rahmen des Wuppertaler Festivals der Stimmen kommt am 7.11. Sciarrinos Kammeroper Vanitas zur Aufführung. Das Abschlusskonzert am 9.11. in der Immanuelskirche widmet sich Bach und Celan mit Musik von Rihm und Holliger. In Kowalds ort sind am 21.11. von Schlippenbach, Evan Parker und Paul Lovens zu Gast. Am 5.11. spielen SoKo Steidle und am 12.11. Ta Lam 11 auf. In der Musikhochschule führt am 19.11. das ensemble 20/21 back to the future. Am 27.11. stehen Werke von Blarr und Heucke auf dem Programm. Sonstiges Das von der Uni Siegen und der Uni Köln veranstaltete George Crumb Festival wird in Köln (23.11.), Siegen (22.11.) und Dortmund (28.11.) fortgesetzt. Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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