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Gazette Neue Musik in NRW - Ausgabe Januar 2010 |
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Dann senden Sie bitte eine mail an redaktion-nrw@kulturserver.de mit dem Betreff: Neue Musik oder tragen Sie sich hier ein: http://lists.kulturserver-nrw.de/cgi-bin/mailman/listinfo/neue-musik Düsseldorf, 28.12.2009, 17:50, von Petra Hedler, homepage, , Rubrik: Alle
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| NM Januar 2010
Gewesen: Schlüsselwerke-Festival in Köln Angekündigt: Klappstuhlfestival in Wuppertal– Stockhausenkongress an der Uni Köln – Ustwolskaja-Sonaten in der Phil. Köln [Schlüsselwerke-Festival in Köln] Gefördert vom Netzwerk Neue Musik der Bundeskulturstiftung hat sich 2007 die Initiative ON – Neue Musik Köln gebildet, um die Akteure der Domstadt stärker zu vernetzen und mit vereinten Kräften Neue Musik unter die Leute zu bringen. Als ein Mittel zu diesem Zweck wurde eine Liste mit Schlüsselwerken der Neuen Musik erstellt, die Ausgangspunkt einer Konzertreihe ist und am 4. und 5.12. im Zentrum eines kleinen Festivals in den Räumen der musikFabrik stand. Bevor man sich jedoch dem eigentlichen Thema widmete, gewährte die musikFabrik Einblick in ihr Allerheiligstes. Geleitet von Studenten des Instituts für Angewandte Theaterwissenschaften der Uni Gießen, die gemeinsam mit ihrem Professor Heiner Goebbels das Konzept erarbeitet hatten, konnten die Besucher in kleinen Gruppen in Proberäume, Büros, Instrumentenlager, Kellerräume und ungeahnte Winkel und Nischen vordringen, wo sie von Solisten der musikFabrik erwartet wurden. Besonders eindrucksvoll: Lachenmanns Pression für Cello (Schlüsselwerk!) wirkte – so nah am Geschehen und an ungewohntem Ort – frisch wie am ersten Tag und Nonos Post-Prae-Ludium per Donau für Tuba und Live-Elektronik entfaltete sich in einem langen kahlen Kellergang, als befände man sich im Bauch eines Wals. Die Schlüsselwerkliste sorgte von Anfang an für Diskussionen sowohl was ihre Zusammensetzung als auch was ihre Berechtigung bzw. Notwendigkeit anbelangt. Welchen Sinn hat ein Kanon, wer erstellt ihn und wer braucht ihn und was wird aus den Ansätzen, die sich dem etablierten Werkbegriff entziehen? Geht es um Werke, die irgendwann einmal wichtige Impulse gegeben haben, oder um solche, die auch nach Jahrzehnten noch faszinieren? Die Diskussionsrunde, die sich am zweiten Festivaltag unter der Leitung von Werner Wittersheim vom WDR zusammengefunden hatte, tat sich sichtlich schwer mit dem Begriff. Weder die Komponisten Manos Tsangaris und Johannes Schöllhorn (frisch gebackener Professor für Komposition und Leiter des Instituts für Neue Musik an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln) noch der Vertreter des Netzwerks Neue Musik Bojan Budisavljević oder Julian Heynen von der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen wollten sich zu erklärten Schlüsselwerksfürsprechern aufschwingen. Tsangaris fand es immerhin „ganz nett, sich mit der Fiktion von Schlüsselwerken zu befassen“ und empfahl einen spielerischen Umgang damit. Am ehesten konnte man sich darauf einigen, dass mit einem Kanon dem Bedürfnis nach Orientierung und Kontext Rechnung getragen wird. Den brauchen selbstredend nur die Nichteingeweihten und ob von denen auch nur ein einziger von einer Liste bekehrt wird, bleibt zweifelhaft. Animiert durch die Anwesenheit eines Vertreters der Bildenden Kunst widmete man sich bald der spannenderen Frage, was diese denn im Vergleich zur Neuen Musik so sexy macht und die Antwort war schnell gefunden. Für Komponisten, Interpreten, Rezipienten und Veranstalter gilt gleichermaßen: Neue Musik kostet Zeit und bringt kein Geld; in Zeiten, in denen Zeit Geld ist und Geld die Welt regiert, ist Neue Musik somit für alle Beteiligten ein absolutes Zuschussgeschäft! Bildende Kunst bringt da deutlich mehr Rendite und Renommee, das Betrachten eines Kunstwerks beansprucht nur Sekunden und man kann dabei auch noch Champagner trinken und Gespräche führen. Der Preis dafür ist allerdings, dass die Bestenliste weitgehend vom Kommerz diktiert wird. Johannes Schöllhorn wies darauf hin, dass letztlich jeder sein eigenes Schlüsselwerk hat, eine Tatsache, die sich im anschließenden Konzertteil aufs Eindrücklichste bestätigte. Mit Lachenmanns Allegro sostenuto, Nonos „Hay que caminar“ soñando, Terry Rileys In C und La Monte Youngs Composition 1960 Nr.7 standen sehr unterschiedliche Schlüsselwerke auf dem Programm und losgelöst von der üblichen Uraufführungserwartungshaltung, die gegen besseres Wissen stets mit dem Nochniedagewesenen rechnet, konnte man die mehr oder minder vertrauten Stücke gelassen auf sich wirken lassen und auf ihre Haltbarkeit überprüfen. Bei mir kam es, wie es kommen musste: Während mich Nono und Lachenmann sofort entzündeten und hellwach stimmten, machte mich die trostlose, unerbittliche Rhythmik von Rileys Inkunabel der Minimal Music erst schwerfällig und hohl und dann, da nicht enden wollend, sogar gereizt. La Monte Youngs Komposition, bei der vier Streicher die Aufgabe haben, einen Ton so lange wie möglich zu halten, lullte mich schließlich dermaßen ein, dass ich den abschließenden Konzertblöcken, die ausschließlich elektronische Musik präsentierten, nicht mehr gewachsen war. Ganz außer Konkurrenz hatte sich noch Carola Bauckholts Treibstoff ins Programm geschmuggelt. Vielleicht war dies als kleine Wiedergutmachung dafür gedacht, dass sich unter den über 150 Schlüsselwerken tatsächlich kein einziges einer Komponistin befindet! Da die Liste nicht in Stein gemeißelt ist, können sicher noch Vorschläge nachgereicht werden. Meine Favoritin wäre Galina Ustwolskaja z. B. mit ihren Kompositionen Nr. 1-3. [Veranstaltungshinweise] Köln Die Kunststation Sankt Peter startet das neue Jahr am 3.1. mit frostigen Orgelimprovisationen. Am 8.1. eröffnet eine Ausstellung mit generativer Kunst und interaktiven Medien, deren Signale in einer Komposition von Maciej Sledziecki als Steuerungsmechanismen für die Orgel benutzt werden. Die reihe M präsentiert am 11.1 das mollsche Gesetz, das im Rahmen des Projektes Tientos y Lucientes spanische Cembalomusik des 17. Jahrhunderts zu neuem Leben erweckt und am 16.1. stellt das Ensemble]h[iatus in einem Portraitkonzert Peter Jakober und Steffen Krebber vor. Vom 27. bis zum 30. 1 steht der Komponist Karlheinz Stockhausen im Mittelpunkt des Interesses des Musikwissenschaftlichen Instituts der Uni Köln und des Collegium musicum. Vier Tage lang geben nachmittags Vorträge und Diskussionen Einblicke in unterschiedliche Aspekte des Phänomens Stockhausen, während am Abend in Konzerten Werke aus seiner Feder gespielt werden. Bereits am 8.1. erklingen im Musiksaal der Uni Köln elektronische Werke von Francis Dhomont Die musikFabrik enthüllt am 9.1. im WDR Werke von Rebecca Saunders, Caspar Johannes Walter und Jonathan Harvey und am 17.1. ist in der Reihe ensembl[:E:]uropa das Hillard Ensemble zu Gast. Ein Höhepunkt im Programm der Kölner Philharmonie ist sicherlicht das Konzert mit Markus Hinterhäuser, der am 26.1. die Klaviersonaten von Galina Ustwolskaja spielt. Außerdem erklingt Musik von Schnittke (20.1.), Expo von Magnus Lindberg als deutsche Erstaufführung (29.1.) sowie Kloing! von Olga Neuwirth mit dem Pianisten Marino Formenti (30.1.). Am 10.1. liest Alfred Brendel eigene Gedichte, während Pierre-Laurent Aimard Klavierstücke von Ligeti und Kurtág spielt. ON – Neue Musik Köln präsentiert am 14.1. Silent Movie Theatre im Filmforum und ein Live Hörspiel mit dem ZAM Labor am 19.1. Im Klavierhaus Schoke spielt Yin Chiang am 23.1. zeitgenössische Klaviermusik. Ruhrgebiet Etwas chaotisch wie die Kulturhauptstadt Ruhr.2010 kommt auch das Henze-Projekt daher. Jedes Musikstück, das von Henze oder einem seiner Lehrer oder Schüler stammt oder sonst wie um drei Ecken mit ihm zu tun haben könnte, wird in das Projekt integriert. Im Januar sind das z. B. Konzerte der Duisburger Philharmoniker in der Mercatorhalle am 13. und 14.1., Jörg Widmanns Con brio und Ad absurdum am 31.1. mit den Bochumer Symphonikern, der Auftakt des Kammerkonzertzyklus zeit::reise und die Wiederaufnahme des Jungen Lords am Opernhaus Dortmund. Im Dortmunder Konzerthaus ist am 11.1. Gubaidulinas Garten von Freude und Traurigkeit zu hören. In der Philharmonie Essen wir am 24.1. (nach der UA am 15.1. in Berlin) Georg Friedrich Haas’ neues Werk Atthis gespielt und das ChorWerkRuhr kombiniert unter seinem Leiter Rupert Huber am 29.1. Schubert mit Feldman und Cage. Gleich mehrere Konzerte mit Neuer Musik gibt es im Januar in der Folkwang Hochschule: Elektroakustisches am 5.1., Neues aus den Kompositionsklassen am 8. und 14.1., Kompositionen von Dozenten am 12.1. und frische Klänge am 20.1. Im Aaltotheater hat am 23.1. Bergs Lulu in der Inszenierung von Dietrich Hilsdorf Premiere. Sonstiges Während man in Essen auf die zweiaktige unvollendete Fassung setzt, inszeniert Ernö Weil in Münster Lulu in der von Friedrich Cerha vervollständigten dreiaktigen Fassung. Die Premiere am 31.1. ist gleichzeitig Auftakt des sechsten KlangZeitFestivals, das den Februar bestimmen wird. Einem sehr anspruchsvollen Thema widmet sich der Philharmonische Chor der Stadt Bonn in seinem neuen Schülerprojekt Die Mädchen von Theresienstadt. Ausgehend von dem Buch Die Mädchen von Zimmer 28 von Hannelore Brenner-Wonschik schrieb Kerstin Baldauf das Libretto, während David Graham für die Musik verantwortlich zeichnet. Die Inszenierung von Thomas Neuhoff, die im Januar in Bonn und im Februar in Köln und Aachen zu erleben ist, wendet sich an Jugendliche ab 12 Jahren. In der Reihe des LMR mit Musik von Komponistinnen aus NRW werden im Januar Anja Kreysing (am 16.1. in Münster), Christina Fuchs (29.1. in Dortmund) und Katrin Scherer (31.1. in Köln) vorgestellt. In der Düsseldorfer Tonhalle kommt am 15.1. Cut IX bis XI von Bernd Franke als Auftragswerk zum Schumannjahr zur Uraufführung. Am 16.1. interpretiert das notabu.ensemble mit Ingrid Schmithüsen Schönbergs Pierrot Lunaire und am 27.1. stellt das Ensemble Aventure unter der Leitung von Robert HP Platz die Musikszene Mexiko vor. Im Rahmen des Chopin Festivals erklingen am 16.1. in der Robert Schumann Hochschule Etüden von Chopin und Ligeti. Am 21. und 22.1. findet zum zehnten Mal das Wuppertaler Klappstuhlfestival statt, diesmal mit Gästen aus Indien, Portugal, Belgien, England und der Schweiz. In der Wuppertaler Musikhochschule ist am 29.1. A Garden of Sounds mit Werken von John Cage zu erleben. In der Klangbrücke Aachen steht am 11.1. Cage im Zentrum eines Gesprächs. Zum Inhaltsverzeichnis aller bisher erschienenen Gazetten zur neuen Musik. |
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